1998

.Die teilnehmenden Hanomag A-L28 Fahrzeuge
The participating Hanomag A-L28 cars

Die Hrafntinnuskerpiste ist endlich zu befahren...
Nach mehreren vergeblichen Versuchen in den Vorjahren ist die Hrafntinnuskerpiste endlich zu befahren. Ein weiteres Highlight ist die Durchfahrt zwischen Hofsjökull und Langjökull.

     16. Juli 1998
Nach 4 1/2 Stunden Autobahn erreiche ich Solingen-Langenfeld und ich stelle den Golf bei Renate und Jürgen 2 ab. Nun heißt es warten, warten, warten. Lutz und Jürgen 1 treffen ebenfalls ein. Um 20.00 Uhr sind wir am Flughafen in Düsseldorf. Der LTU Bomber ist voll und man sitzt wie in einer Sardinenbüchse. Nach 3 Stunden Flug landen wir auf dem Flughafen Keflavik in Island. Ohne Zollkontrolle marschieren wir zum Flybus und etwa 40 Minuten später verlassen wir den Bus mit schwerem Handgepäck am Campsite in Reykjavik. Wir schleppen das Gepäck quer durch die Stadt zum Gästehaus Björk. Ein nächtlicher Besuch auf dem Campsite und die zwei ersten Bierchen sind vertilgt. Morgens um 4.00 Uhr sind wir endlich in der Unterkunft. 
     17. Juli 1998

Sonne und Blick auf den Hafen. Wir holen die Hanos aus dem Zoll. Dafür ist im Hafengelände einiger Papierkram zu erledigen. Danach verlassen wir das Gelände ohne jegliche Kontrolle. Nun heißt es die Autos aufrüsten. Reserveradhalterung und Fahrradträger anbringen, Gepäck verstauen und ein kurzer Einkauf sind notwendig, bevor wir Reykjavik in Richtung Reykjanes Halbinsel verlassen.

Am Sandstrand des Kleifarvatns übernachten wir zum ersten Mal mit den Fahrzeugen. Vor uns liegt der See und hinter uns eine Felswand aus verdichtetem Sandgestein. In diesem weichen Gestein findet man allerlei Schnitzereien- Gesichter, Figuren und seit neuestem ein Hanozeichen. Mehrfach dreht der Wind und weht uns dabei den Schwefelgeruch der nahegelegenen Solfataren entgegen. Das ist Island pur.

Bei einem kurzen Bad im klaren und kalten Kleifervatn kommt der Kreislauf  ganz schön in Schwung. Im Schutz der Hanos werden noch ein paar Bierchen gekippt um dann relativ früh- bei vollem Tageslicht- gegen 23.00 Uhr in der Falle zu verschwinden.

     18. Juli 1998

Kleifervatn- Sonne- Frühstück im Freien und das bei bei nahezu 20 °C.

Bei Krisuvik am Solfatarenfeld bläst eine Fontäne ununterbrochen heißen Dampf und Unmengen Wasser in die Luft. Was für eine Energieverschwendung. Weiter oben liegen ein paar Schlammlöcher und Schwefelfelder. Bei Grindavik wird getankt, wobei der Weg ständig durch bizarre Lavafelder führt.

Am Reykjanes Heißwassergebiet biegt die alte 425 durch ein Lavafeld bis teilweise ans Meer ab. An einem kleinen See kurz vor der Hauptstrasse wächst Strandhafer und einige Stellen bieten sich als gute Standplätze an. Immer wieder liegen Seeschwalbenbrutgebiete direkt an der Strasse und die Altvögel attackieren den Hano um die wild umherrennenden Küken zu schützen.

Vorbei an der Amikaserne kommt man nach Keflavik Airport. Der Flieger aus Oslo ist pünktlich und gemeinsam mit Brit machen wir einen kurzen Abstecher nach Reykjavik, um dann auf der Ringstrasse bis kurz hinter Akranes auf die 505 zu fahren, wo die beiden anderen Hanos bereits warten. Unmittelbar neben der Strasse an einem Schotterhaufen bleiben wir stehen.  

     19. Juli 1998
Die Nacht war stürmisch und der Hano hat gewaltig gewackelt. Bei Borgarnes fragen wir nach dem Wetter in den Westfjorden. Sonne mit Sturm und Regen wird vorausgesagt.
54/55/57/60 und bei Saurbaer über einen neuen Wall durch den Gilsfjördur- und das alles bei Sturm. Manchmal ist der Gegenwind fast stärker als der Vortrieb des Hano. Thorskafjördur- die Strasse steigt in einer Spitzkehre steil an bis auf 350 m Höhe. Die Abfahrt ist wesentlich zahmer und wir wollen bei Djupidalur baden gehen. Leider ist das Bad defekt und so zieht die Karawane weiter.
Entlang der Fjorde finden wir etwas oberhalb des Meeres an einem kleinen Bach, mit Wasserfall und Bergen im Hintergrund, einen Rastplatz.
     20. Juli 1998
Unsere Route führt immer entlang an den Fjorden. Die Strecke ist jedoch kaum befahren- keinerlei Touristen sind unterwegs. In einer Miniortschaft mit Laden kann man sich den Schlüssel für das Schwimmbad holen, das hinter einem Bretterzaun fast unmittelbar am Meer liegt. Das ca. 5x15 m große Becken ist nicht übermäßig warm, aber zum Schwimmen allemal geeignet.
Der höchste Pass des Tages liegt etwa 425 m hoch und die letzten 40 km bis nach Latrabjarg ziehen sich ganz schön in die Länge.
Draußen stürmt es schon den ganzen Tag was das Zeug hält. An den Vogelklippen bläst es unheimlich und findet Opfer unter der Touristenbevölkerung. Lutz´s Kappe "fliegt" ins Meer. Außer Vogelgeschrei gibt es Lundis, Lundis, Lundis.

Papageientaucher
Puffin

     21. Juli 1998
Mit beginnendem Sonnenschein und Windstille machen wir uns nochmals auf an die Vogelklippen. Das Vogelkonzert ist absoluter Wahnsinn und die Lundis sind wie immer genial. Als "Hauptdarsteller" beobachten sie die vorbeiziehenden Touristen um dann kurz vor dem fotografiert werden in den Höhlen zu verschwinden oder wegzufliegen.
Einige Kilometer zurück erreicht man ein kleines Heimatmuseum mit allen möglichen Ausstellungsstücken aus den Westfjorden. Die 614 führt über die Berge und recht steil in Serpentinen hinunter an den Raudasandur- einem riesigen Sandstrand mit Landzungen. Nach 5 Minuten auf dem Sandur setzt mit "affenartiger" Geschwindigkeit die Flut ein und wir "rennen" zurück an den kuhbesetzten Grasstrand. Vorbei an Patreksfjördur und entlang der 63 über Berg und Tal passiert man Brutgebiete von Seeschwalben und ein kleines, am Meer liegendes Schwimmbad am Ende des Reykarfjördur. Auf herrlicher Bergpiste erklimmen wir die 500 m Marke und am Ende der Strecke den in der Sonne stehenden Dynjandifoss. Mächtig thront der breit aufgefächerte Wasserfall über der spärlich besetzten Campingplatzwiese.
     22. Juli 1998
Die Sonne brennt durch die Seitenscheiben. Aufmarsch zum Dynjandi, bevor die Touristenbusse ankommen. Genau rechtzeitig fahren wir ab in Richtung Hrafnseyri am Arnarfjördur.
Phantastische Bergtäler, gestufte Vogelberge, glänzende Fjorde, ein Felstor und die überhängenden Brandungsklippen- leider bei Ebbe und deshalb ohne Wasser- ein spitz zulaufendes Kap am Eingang eines langen, ansteigenden Tales, steile Abhänge mit Obelix´s Steingarten, ein bunter Leuchtturm, grüne Traumbuchten mit Felsturm und Minihöhle- kurzum eine absolute Traumstrecke bei Traumwetter.
Zurück in der Zivilisation ist man in Thingeyri, einem kleinen Fischerort am Dyrafjördur. Eine aufgeschüttete Straße im Fjord kürzt denselben ab und wir stoppen an der Abzweigung der 60 in Richtung Berge.
     23. Juli 1998
Bei Nacht und am Morgen hat uns der Regen eingeholt. Beim Start am Fjord haben wir 8 °C. Sofort steigt ein kleiner Pass bis auf 200 m an. 15 Kilometer vor Isafjördur führt die Straße seit 1996 durch einen Tunnel. In der Mitte befindet sich ein Abzweig nach Flateyri. Auch auf der anderen Seite des Berges ist das Wetter nicht viel besser. Isafjördur im Regen. Das Kreuzfahrtschiff Saga Rose aus Nassau liegt quer im Fjord und die Passagiere verlassen den Pott in kleinen Booten.
Die teilweise schlaglochübersäte Piste entlang der wenig spektakulären Fjorde ist mit brauner Brühe gefüllt und die Autos bekommen eine gesunde Hautfarbe. Selbst bei diesem Wetter mit horizontalem Regen und Sturm fährt ein Radfahrer mit gebückter Haltung und Blick auf den Boden hier umher.
Die Piste entlang des Langdalsströnd ist gut befahrbar und an der Kaldalonbucht liegen große, vom Gletscher zurückgelassene Felsbrocken in der Bucht. Bei der Farm Unadsdalur führt eine unscheinbare Piste bergwärts. Es hoppelt und einige Flüsschen sind zu queren. Wir sind oberhalb der Schneegrenze auf etwa 250 m Höhe. An einem quer zur Fahrtrichtung abschüssigen Schneefeld ist mal wieder Schluß. Deshalb parken wir direkt davor und machen im Sturm eine kurze Wanderung. Leider ist es bis zum Gletscher noch viel zu weit.
     24. Juli 1998
Innerhalb von 50 Minuten rumpeln wir die 5,5 km zurück auf die Hauptstrasse. Dies war ein erster kleiner Hochlandeindruck mit allem Drum und Dran. Die Hochebene der Steingrimsfjardarheidi ist teilweise noch schneebedeckt und das bei einer Höhe von 420 m. Die Abfahrt in den Fjord geschieht mit Formel 1 Tempo- maximal 81 km/h. Vor Drangsnes passieren wir ein kleines Hochtemperaturgebiet direkt am Meer und hinter Drangsnes sind alle Strände übervoll mit Treibholz. Wale im Meer stellen sich als Felsen heraus, die riesigen Entenschwärme und viele Schwäne sind jedoch keine Sinnestäuschung. Bei Djupavik kommen wir an einer alten Heringsfabrik mit verrostetem Kahn, Wasserfall und Tankstelle vorbei.
Das Schwimmbad am Meer ist bei unserer Ankunft stark frequentiert von im Pool trinkenden Isländern. Wir führen indes kleinere Reparaturen am Kieselstrand durch. Nachdem die Isis abgezogen sind versuche ich die leicht aufwärts führende Stelle zu verlassen. Denkste- ich grabe mich völlig in den Kies ein. Also Riesenkiesel wegtragen- trotzdem springen die Gänge beim Gasgeben raus und Jürgen 1 zieht mich der Einfachheit halber nach oben.
Baden mit Essen und Trinken am Pool kommt gut. Die Kosten für dieses "heiße Vergnügen" direkt am Meer betragen nach wie vor 120 iKr.
     25. Juli 1998
Abfahrt vom "Strandbad" bei leichtem Nebel. Immer an der Küste entlang und nicht auf der Sonnenseite, denn die ist ja bekannterweise immer am gegenüberliegenden Ufer erreichen wir das 527 m hohe Kaldbakshorn. Drangsnes lassen wir links liegen und "rasen" die Abkürzung über die Berge. In Holmavik werden nochmals Betriebsstoffe gefasst und die anschließende Piste ist gut für Hochgeschwindigkeitsverfolgungen. Am Strand in einer Bucht huschen 42 Schwäne vorbei.
Mit dem Erreichen der Ringstrasse nimmt der Verkehr schlagartig zu. Eine "kleine Riesenportion" Eis von der Tankstelle braucht fast 20 Minuten um vernichtet zu werden. Die 716 / 717 führt am Vesturhopsvatn vorbei in eine kleine Ausbuchtung am Wegesrand oberhalb des Sees.
     26. Juli 1998

Durch Zufall finden wir die alte Pseudowikingerburg Borgarvirki. Ein Naturringwall mit Mauer und Brunnen ist mit viel Phantasie als Burg zu erkennen. Etwas weiter an der 711 liegt der 15 m hohe Basaltfelsen Hvitsekur im Meer unmittelbar am Strand, der ähnlich einem Nashorn aussieht und auf dem einige Möwen brüten.

Am anschließenden schwarzen Sandur räkeln sich Unmengen Robben in der nicht vorhandenen Sonne und bestaunen die Touristen am Ufer.

Kurz vor der Ringstrasse blockiert ein rastender Pferdetross mit Reitern für etwa 30 Minuten unsere Weiterfahrt.

Blönduos, Varmahlid und das Museum in Glaumbaer sind unsere nächsten Stationen. Der Erdbauernhof ist Sonntags gut besucht und es herrscht babylonisches Sprachgewirr. Innen wird das Leben in einem solchen Gehöft auf anschauliche Weise dargestellt. Schmiede, Milchaufbereitung, Fischtrocknung, Wohngebäude und Schlafräume- und alles liegt unter der Erde.

Die teilweise sonnenbeschienene Kjölur ist zwischenzeitlich autobahnähnlich ausgebaut. Aus der Ferne sieht man Hofsjökull, Kerlingarfjöll, und Langjökull. Die Strassenführung wurde teilweise komplett geändert und keine Flüsse sind zu durchfahren. In Hveravellir gibt es Abendsonne mit Regenbogen. Das Wasser im Pool wird abgelassen und derselbe gereinigt.

     27. Juli 1998
Der Swimmingpool erstrahlt nach gelungener Reinigungsaktion in völligem Blau, aber das Wasser ist noch viel zu heiß, deshalb fahren wir weiter in Richtung Kerlingarfjöll. Der Anstieg erfolgt in leichtem Nebel. Auf Höhe des Hotels muß Jürgen 1 zweimal den losgerüttelten und undichten Stutzen des Kühlers anlöten.
Ein Pfad führt über die Solfataren bergwärts. Überall zischt und qualmt es. Von der Schneekante blickt man in die Dampflöcher, Gletscherspalten, den Fluss und auf den Autoparkplatz.
Wiederum am Hotel zweigt ein Weg ab in Richtung Sprengisandur. Eine ausgewaschene Vertiefung mit Schräglage und tief ausgehöhlte Furchen in der Grasnarbe stellen nur kurz einen Hinderungsgrund zur Weiterfahrt dar. Danach kommen wir auf recht guter Piste direkt unter das Kerlingarfjöll. Bis zu unserem Rastplatz passieren uns lediglich ein paar absolut verdutzte Reiter auf Islandpferden..

Leichte Schräglage
Slight inclination

     28. Juli 1998
Der totale Nachtnebel hat sich verzogen und wir haben tiefblauen Himmel. Die Kerlingarfjöllumrundung kann starten. Über Berg und Tal, durch Lavafeldchen, Steinhalden und Sanderflächen fahren wir immer in Sichtweite des Kerlingarfjölls. Die Sicht reicht zum Hofsjökull, Vatnajökull und den beiden Vulkankegeln Nyrdri Haganga und Sydri Haganga.
Mit immenser Durchschnittsgeschwindigkeit von weniger als 10 km/h passieren wir die Hütte eines 4x4 Klubs, wo am Hano wieder mal das Standgas nachgestellt werden muß.
Erste Flüsse sind zu queren- Kisa, Miklilaekur und die recht breite und steinige Dalsa. Die Piste kommt nun immer näher an die Tjorsa heran. Eine kleine Stichstrasse führt abwärts. Recht steil und steinig, sowie sehr holprig endet der erkennbare Weg am Talrand des Flusses.
Klappe für Hanomagbergungsaktion die Erste. Nach leichtem Nieselregen ist die erneute Auffahrt sehr schwierig. Die Hanos graben sich in den Hang ein. Sandbleche werden ausgelegt und Steine wegtransportiert. Schließlich gelingt es auf einer Nebenspur alle Fahrzeuge nach oben zu bringen.
Etwa einen Kilometer weiter steht oberhalb der Tjorsa eine Hütte. In rasender Geschwindigkeit frißt sich der Nebel durch das Flusstal und hoch zu uns. Wir sind umzingelt und es regnet kurz und heftig. Wir machen "Kinoabend" mit Hanolatein.
     29. Juli 1998
Auf einer leicht abschüssigen Wiese hinter der Hütte kommt man an die Tjorsa. Die Tjorsa selbst, sowie einige kleine Zuflüsse bilden schöne, in der Sonne liegende Wasserfälle.
Die Piste quert noch einige kleine Flüsse um dann am See Sultartangalon in eine Hauptpiste zu münden. Asphalt- was für eine Wohltat nach der Hochlandrüttelei.
Ein kleines Hinweisschild leitet uns nach Gjain. Diese Oase mit Wasserfällen, Flüsschen, Tümpeln, Basaltformationen, Felsen, Höhlen und vielen Pflanzen kostet jede Menge Filmmaterial.
Vorbei am Gehöft Stöng und dem Schild zum Hjalparfoss fahren wir in Richtung Südküste. Unsere Spezialwerkstatt in Hella schweisst sofort Jürgen 2´s abgebrochenen Tankstutzen und meine Haubenhalterung.
Der Besuch im örtlichen Sundlaug mit Dampfbad macht alle Hanokrieger mächtig müde und nach Grillaktion am kurz außerhalb liegenden Lachsfluss Ytri Ranga kehrt schnell Ruhe ein.
     30. Juli 1998
In der Flussbiegung angelt ein Ami nach Lachsen. Er fängt mindestens ein Prachtexemplar von etwa 60 cm Länge. Mit Hilfe von zwei Isländern wird der wohlbeleibte Herr sichtlich stolz aus der Strömung gehievt und zur nächsten Lachsbiegung mitgenommen.
Am gut besuchten Seljalandsfoss, am Eingang zur Thorsmörk, baut Jürgen 1 nochmals den Kühler aus, um leichte Undichtigkeiten nachzulöten.Wir rütteln weiter zum kleinen Eissee und der rechtsseitig am Weg liegenden Schlucht mit Wasserfall am Ende. In dieser Gegend hebt der Hano in einem Loch mit allen vier Rädern ab und "fliegt" für kurze Zeit über den Boden.
Mit drei Fahrzeugen passieren wir unter den Augen der lauernden Touristen die mit wenig Wasser gefüllte Krossa. Ich beginne mit leichten Reparaturarbeiten, das heißt ich habe keine Spannung mehr auf der Zusatzbatterie. Ein Kabel an der Lichtmaschine hat sich losgerüttelt. Dabei entdecken wir noch einen lustlos in der Gegend hängenden vorderen Hebelstoßdämpfer, der kurzerhand ausgebaut wird und ein sich fast vom Rahmen lösendes Fahrerhaus. Mit drei langen Schrauben durch den Rahmen wird es wieder befestigt und Jürgen 2 stellt an seinem Fahrzeug das gleiche Problem in etwas abgeschwächter Form fest. Nach vier Stunden Boxenstop funktioniert wieder alles perfekt.

Auserodierte Täler
Eroded valleys

     31. Juli 1998
Blauer, wolkenloser Himmel in der Thorsmörk. Nach einem Fotostop am kleinen Eisseee verlassen wir das Tal um nach kurzem Ringstrassenkontakt auf der 261 den markanten Einhornberg zu sehen. An der Graenafjall Kreuzung fahren wir links, nachdem wir in die sehr tief auserodierte Schlucht Markarflötsgljufur mit senkrecht abfallenden Felswänden geschaut haben. Die Fotopausen werden nun immer häufiger notwendig. Kleine, enge Erosionstäler sind zu passieren und an einer Stelle ist der verfestigte Sandstein in großen Brocken abgebrochen und verhindert fast die Durchfahrt. Nach einstündigem Strassenbau kommen wir mit viel Rangieraufwand an der Engstelle vorbei. An einer großzügigen Kreuzung mitten in der Wildnis treffen vier Wege aufeinander. Wir kommen aus der ersten Richtung, geradeaus endet die Piste oberhalb eines Flusses- deshalb nehmen wir nach Beratung mit Karte und GPS die linke Abzweigung. Ich fahre den sehr steilen Berg im Schneckentempo bis nach oben. Jürgen 1 bleibt auf halbem Weg im aufgewühlten Untergrund stecken und deshalb setzen Jürgen 1+2 am Hang zurück und nehmen die vierte Alternative am gegenüberliegenden Berghang. Als erneuten Treffpunkt machen wir die Kreuzung nach Hrafntinnusker ab.
Wir zuckeln über die Hochebene immer wieder auf und nieder. Die Sicht ist gigantisch. Der einzige Gegenverkehr sind Reiter mit Islandpferden. Die Isis meinen der Weg sei mit unserem Fahrzeug befahrbar. Ab der Hütte bei Hungersfit sehen wir links über dem Berg den aufgehenden Mond und die Flüsse glänzen silbern in der tiefstehenden Sonne. Ab der Zusammenkunft mit der Strasse nach Hella ist im Sander Hochgeschwindigkeit gefragt. An der ersten Laufafellkreuzung sehen wir in den Lavafeldern die beiden anderen Hanos herumkurven.
Wieder gemeinsam zuckeln wir weiter auf die Berge hinauf. Die Hrafntinnuskerpiste scheint schneefrei zu sein, nur starke Erosionsrinnen und eine mächtig aussehende Steigung behindern unseren Vorwärtsdrang etwas. Auf Bergeshöhe inmitten der dampfenden Solfataren bleiben wir, vom Nebel eingeschlossen, gegen 22 Uhr stehen.
     1. August 1998
Der nächtliche Nebel will sich nicht so richtig lüften. Etwa 100 m neben unserem Übernachtungsplatz dampft und zischt und stinkt es aus den Gedärmen der Erde. Auf der Piste herrscht reger Verkehr denn auf den letzten Kilometern der Hrafntinnuskerpiste überholen uns doch tatsächlich drei Fahrzeuge. Der Abzweig "Hrafntinnusker" schlängelt sich nach Irgendwo- unser Abstieg zur Landmannaleid jedoch führt auf einer Art weichen Endmoräne talwärts. Dort beginnt sofort der Wochenendreiseverkehr und die Geschwindigkeit kann erhöht werden. Kleine Flüsschen, Sander, Lavafelder und schließlich Landmannalaugar mit gut bevölkertem Campingplatz schließen sich an. Wir wandern durch das Labyrinth der Obsidianlavafelsen und nehmen ein heisses Bad im gut vorgeheizten Naturschwimmbad. Der Platz am Zulauf des Heisswassers bleibt frei für die gestressten Hanomagfahrer. An Orten wie diesem könnten innerhalb kürzester Zeit mindestens zehn verschiedene Sprachen erlernt werden, da bei leichtem Nieselwetter alles in den Pool zieht.
Ein zum Minisupermarkt umfunktionierter und fast bis zu den Naben eingegrabener Hano mit kleinem Führerhaus verkauft das Allernötigste, inklusive sehr schmackhafter Bergforellenfilets.
     2. August 1998
Schmuddelwetter. Wir brechen auf in Richtung Sprengisandur. Lavafelder, Sandstücke und das Sigaldakraftwerk liegen am Weg. Auf einer neuen Schepperpiste- sprich Waschbrett ohne Ende rumpeln wir nach Norden. Hofsjökull und die beiden Hagangas liegen vor uns.
500 m vor der Wüstentankstelle Versalir dreht sich der Kilometerzähler auf magische 99999,9 km und das bedeutet etwas im Leben eines Hanomag A-L28.
Bei Nyidalur nehmen wir einen entnervten Motorradfahrer mit, der seinen Kollegen auf einer anderen Flußseite zurückließ, da der Fluß angeblich unpassierbar ist. Als wir dort ankommen steht ein Motorrad bereits auf der richtigen Seite und ich schleppe das Motorrad unseres Mitfahrers als Trailer mit hochgelegtem Vorderrad durch die braune Brühe des Flusses. Der restliche Weg bis zu den Gasavötn ist easy. Dort treffen an den beiden Hütten im Laufe des Abends viele Isländer ein.

Erste Hilfe
First aid

     3. August 1998
Wir fahren rechts hinter den Hütten in die Sandberge. Es geht aufwärts, aber nicht mit dem Hanomag. Er gräbt sich in Richtung Erdmittelpunkt und somit ist diese und folgende Steigungen für uns unpassierbar. Der richtige Weg zur Gasavatnaleid führt auf der anderen Seite an den Hütten vorbei. Auch hier steigt die Piste an bis zu der Stelle mit den von den Gasabezwingern errichteten Steinmännchen. Es rumpelt und kracht und ächzt. Aus der Ferne erkennt man bereits die Askja. An einer am Hang liegenden Schutzhütte rasten wir kurz um dann am Urdarhalsvulkan den höchsten Punkt der Strecke zu erreichen. Mit Blick auf den Snaefell beginnen wir den Abstieg ins Schwemmland. Die Tiefebene ist nur mit sehr wenig Wasser bedeckt. Eine neue Streckenführung umgeht ein Blocklavafeld auf einer gut befahrbaren Sandpiste. Der restliche Weg führt durch sandähnliche und Tiefsandpisten mit kurzen Lavaeinstreuungen. 71 km nach den Gasavötn erreichen wir die Askjahütte mit Campingplatz. Nach abendlicher Wanderung in die Drekagilschlucht beenden wir den Tag feuchtfröhlich im Hano.
     4. August 1998
Da niemand im Viti baden will, machen wir uns auf zum "heißen Wasserfall". Ein Großteil der Pisten ist gut präpariert und teilweise neu verlegt. Meist bewegen wir uns auf schön befahrbaren Sandstrecken. Die F910 quert die Jökulsa a Fjöllum auf einer Brücke und ebenso die reissende Kreppa. Kurz nach dem Fluss erreicht man ein kleines felsumrandetes Tal unterhalb der Kreppa.
Mit GPS tasten wir uns immer näher an unser Ziel heran. Die letzten 15 km führen durch ein grünes Tal mit mehreren Flussquerungen und recht unebenen Grasstücken, sowie über eine kurze, giftige Steigung auf den Talrand. Von dort sieht man die zwei Pisten auf der gegenüberliegenden Talseite am Berg "kleben". Wir rumpeln jedoch auf die mit "Gooseshit" übersäte Wiese an der heissen Quelle. Dort werden an allen drei Hanomags Wartungsarbeiten durchgeführt. Schrauben anziehen, Öl und Wasserkontrolle, Standgas einstellen und abschmieren.
Jetzt aber ab ins Wasser und dazu ein kühles Weissbier. Stundenlang liegen wir unter der Grasnarbe in der Erdrinne. Das heisse Wasser tritt an vielen Stellen am Boden aus und die Fangopackung sowie eine warme Naturdusche mit Minipool gibt es völlig umsonst.
     5. August 1998
Französische Landis fahren die gegenüberliegende Steigung hoch, also geht es auch mit den Hanos. Im Kriechgang schrauben wir uns nach oben." Mühelos" erreichen wir den Talrand. Eine Art Aussichtspunkt in Richtung Süden eröffnet uns die Sicht auf den Snaefell, den Vatnajökull und den Herdubreid.
Auf guter Piste kommt man nach Bru. Die etwas weiter liegende Furt führt nur etwa 40 cm Wasser. Die 910 steigt steil aus dem Hrafnkelsdalur nach oben. Nun fährt man immer mit Sicht auf den in der Sonne liegenden Snaefell. Fotostop reiht sich an Fotostop. Ein grünes Moospolster mit Wassertropfen glänzt vor hohen Schneebergen. Es stürmt . Wir machen Kaffeepause an der Berghütte, um dann im Affenzahn auf teilweise breit aufgeschotterter Piste bis zum Abstieg an den Lagerfljöt zu fahren. Die Höhendifferenz beträgt hier 575 m, wobei die Bremsen mächtig quietschen. Über Egilsstadir und den Pass nach Seydisfjördur erreichen wir unseren Standplatz am linksseitigen Fjordufer.
     6. August 1998

Gegen 10 Uhr läuft die Norröna in Seydisfjördur ein. Wir fahren jedoch wieder über den 600 m hohen Pass nach Egilsstadir. Dort wird wieder mal das notwendigste im Supermarkt gebunkert. Die Jürgens fahren in Richtung nördliche Ostfjorde und wir an die Südküste. Auf der rumpeligen 21 km langen Öxi fällt doch glatt der Schrank von der Wand und schlägt in die Islandreliefkarte ein. Mit ein paar Schrauben wird er jedoch wieder befestigt.

Die Ringstrasse erlaubt Höchstgeschwindigkeit. In der Bucht nahe Hvalnes schwimmen tausende Schwäne und ihr Gesang tönt über das Meer. Der Strand ist völlig übersät mit weissen Federn.

Mein Vortrieb wird mangels Diesel jäh gestoppt und nur zwei Reservekanister erwecken den Motor wieder zum Leben.

Bei tiefstehender Sonne wirken die Eisberge am Jökulsarlon am Besten. Ein Schwarm Seevögel kreischt über dem See und Unmengen Fotos werden geschossen. Nach Sonnenuntergang "fange" ich den halben Vatnajökull aus dem See und tausendjähriges Knistern im Whiskeyglas beendet den Tag.  

     7. August 1998

Auf der Ringstrasse fährt es sich vergleichsweise bequem. Gletscherzunge reiht sich an Gletscherzunge. Der Svinafellsjökull ist in den letzten Jahren stark zurückgewichen und ohne Steigeisen kaum noch zu begehen. Am Ende des Skeidarasandur, kurz vor dem Felsen Lomagnupur, sieht man noch die Schneise, die der Gletscherlauf der 96er Eruption des Vatnajökull gerissen hat. Das Sandfeld an der neuerbauten Brücke liegt mehrere Meter tiefer als die Umgegend.

Kurz nach Kirkjubaerklaustur beginnt die dick mit Moos bewachsene. Eldhraun Lavawüste. Auf 20 cm dickem, butterweichem Moos schnarcht es sich in der Sonne besonders gut.

Nach dem Myrdalssandur passiert man Vik und erreicht den Skogarfoss. Direkt über dem Wasserfall ändert sich das Wetter von blauem Himmel in völlig bewölkt. Wiederum gibt es kein Bild mit Regenbogen.

Das Endziel des heutigen Tages ist wieder einmal der Campingplatz am Schwimmbad in Reykjavik.  

     8. August 1998

Für 200 IKr erwirbt man sich eine Eintrittskarte für den grössten Swimmingpool Islands. Die Sitzbecken und das Dampfbad sind meine bevorzugten Aufenthaltsorte.

Im Kringlan Einkaufszentrum trifft man die meisten Touristen am Souvenirshop des Hardrock Cafes. Auch wir kaufen dort T-Shirts ein.

Beim Bummel durch die City von Reykjavik treffen wir auf einen amerikanischen Fernsehreporter vor einem Buchladen, Autocruiser, Kids auf Skateboards, eisessende Touristen, stockbesoffene Isländer, die neueste Mode aus USA und zuletzt auf den einzigen Irish Pub in Island den "Dubliner".

Nach einem Guinness fahren wir auf den nahe beim Flughafen liegenden Campingplatz in Keflavik.  

     9. August 1998

Wecken um 5.35 Uhr. Brit´s Flieger geht um 7.35 Uhr. Am Flughafen herrscht das Chaos. Innerhalb einer Stunde starten acht Flugzeuge- und das ist sehr viel für Keflavik.

Danach passiere ich die blaue Lagune und Grindavik mit "Free camping, showers and swimmingpool". In diesem Gebiet der Südküste bieten sich viele Plätze zum Übernachten an.

Bei der ganzen Fahrt auf der Ringstrasse stürmt und regnet es teilweise gewaltig. Die Hanohöchstgeschwindigkeit bei vollem Gegenwind beträgt gerade mal 40 km/h. Am Seljalandsfoss schnarche ich für vier Stunden, um bei gleichem Wetter weiterzufahren. Der Regen drückt in die Nahtstelle zwischen Führerhaus und Aufbau. Im Sturm geht mir wieder der Sprit aus oder der Filter ist verstopft- jedenfalls funktioniert nach Filterwechsel und Sprit nachfüllen der Motor wieder. Auf einem Parkplatz in der Eldhraun Lavawüste kurz vor Kirkjubaerklaustur bleibe ich stehen.  

     10. August 1998

Sturm und Regen die ganze Nacht. Kurz vor 9 Uhr bin ich an der Tankstelle in Kirkjubaerklaustur. Gegen 11.30 Uhr treffen die beiden anderen Hanos ein. Bei diesem Wetter macht es keinen Sinn zur Laki zu fahren und deshalb machen wir uns auf guter Piste auf in Richtung Eldgja.

Unmittelbar am ersten Fluss zweigt die Strecke auf den Rand der Eldgja ab. Zwei recht tiefe Flüsse ligen spitzwinklig an dieser Kreuzung. Auf einem ersten und zweiten Aussichtsplateau hat man den Blick auf den auf der gegenüberliegenden Talseite liegenden Ofaerufoss. Am Ende der Piste hat uns der Nebel endgültig überrollt und die Sicht ist gleich Null. Deshalb fahren wir zur Kaffeepause wieder an die Flusskreuzung.

Die Querverbindung zur Maelifell legen wir größtenteils im Nebel zurück. Vor lauter Wischaktionen an den angelaufenen Scheiben sieht man kaum etwas von der Landschaft. Mitten in der Strecke liegt eine ziemlich tiefe Furt mit zwei Querungsmöglichkeiten. Die erste an einem kleinen Wasserfall, die allerdings sehr steinig ist und die von uns bevorzugte zweite Möglichkeit etwas weiter flussaufwärts mit einer Wassertiefe von 80 cm. Die Ausfahrt aus dem Fluss ist mit einer Stufe versehen und stark holprig.

Pfütze schließt sich an Pfütze, bis wir schließlich an der Holmsa stehen. Dieser Fluss ist recht breit und ebenfalls 80cm tief. Kurz nach dem Fluss biegt ein Weg ins Quellgebiet Brytalaekir ab.

Jürgen 2 baut im Regen einen Einspritzdüsenhalter aus, da ein Zylinder qualmt und kracht. Wir stehen eingerahmt von Wasser - Wasser rechts, links, hinten und von oben.

     11. August 1998
In der  Nacht stürmte es und der Regen trommelte gegen den Hano. Wieder mal stelle ich das Standgas nach. Kurz hinter Brytalaekir zweigt die Piste nach Öldufellaekir ab, wir jedoch nähern uns dem Vulkankegel Maelifell auf tiefschwarzer Sandpiste. Gelegentliche Sonne taucht die Berge in mystisches Grün. Am Ende der Sandstrecke folgt bei einem tief in den Fels erodierten Fluss ein kurzes Plattenlavafeld.  Immer umgeben von Bergen lassen wir den Abzweig zum Alftavatn rechts liegen und umrunden widerum den Einhornberg. Parallel zur Thorsmörk hoppeln wir auf grobem Schotter, um dann die letzten Kilometer bis zur Ringstrasse und weiter bis Hella auf Asphalt zu fahren. Dort werden nochmals Betriebsstoffe gebunkert und wir machen uns auf ins entspannende Sundlaug. Nach zwei Stunden ist man völlig geschafft und wir sind gerade noch in der Lage bis in die Nähe von Selfoss auf einen Sandplatz in der Nähe des Meeres zu fahren.  
     12. August 1998
Die letzten Ringstrassenkilometer bis Reykjavik Campsite sind schnell heruntergespult. Bei der "Endinspektion" vor der Verschiffung des Hanos werden kleinere Mängel wie Radlagerspiel rechts vorne, gebrochene Lichtmaschinenhalterung und nicht richtig schließende Motorhaube teilweise nur provisorisch behoben. Der Hano wird "herausgeputzt" und das notwendige Gepäck für den Rückflug bereitgestellt. Anschließend vernichten wir alle noch an Bord befindliche Alkoholvorräte.  
     13. / 14. August 1998
Wir geben die Hanos mit geringen Formalitäten am Kai 1 ab. Sie sollen am 24. August in Hamburg eintreffen. Danach fahren wir mit dem Bus in die City. Nach Hamburger mit Pommes verbringen wir die letzten Stunden im Irish Pub Dubliner. Ein kurzes Cruising von alten Autos und wir brechen mit dem Flybus auf nach Keflavik. Unser Flug dauert von 1.23 Uhr isländischer Zeit bis 6.08 Uhr deutscher Zeit. Bei der Ankunft in Düsseldorf ist es etwas wärmer als in Island. Schließlich bin ich  gegen 12.30 Uhr zurück in Neuhaus.
 

24.12.2003