1996

Papageientaucher
Puffin

Millionen von Seevögeln bevölkern Latrabjarg...

Unvorstellbar ist das Vogelgeschrei bei Latrabjarg, einem der größten Vogelfelsen der Welt. Die unbestrittenen Hauptdarsteller sind die Papageientaucher.

     13. Juni 1996
Voll beladen fahre ich noch etwa 180 km bis zur recht ruhigen Autobahnraststätte Riedener Wald.
     14. Juni 1996
Die Nacht war angenehm kühl und für eine Raststätte vergleichsweise leise. Um 8 Uhr mache ich mich auf der wenig befahrenen A7 auf in Richtung Norden. Zwei kurze Zwischenstops werden zum Einfüllen von jeweils 3 Reservekanistern benutzt und Kassel, Hannover und Hamburg zügig passiert.
Am Elbtunnel bildet sich in Gegenrichtung der übliche Stau. Bei 20° C und einer steifen Brise verlasse ich bei Harrislee die Autobahn und bei Wallbüll die B199 um über Medelby bis zum Naturbad bei Ladelund zu kommen. Unter großen Bäumen wird Euro 96 aus England geschaut.
     15. Juni 1996
Los gehts. Denkste! Der Motor glüht nicht vor. Ich wechsle den Glühanlaßschalter. Keine Reaktion. Also Glühkerzen auf Durchgang prüfen. Tatsächlich Zylinder 1 ist defekt. Auswechseln- geht.
8 km vor Esbjerg halte ich an einem kleinen Teich unterhalb einiger Windgeneratoren. Mehrere Schrauben am Verteilergetriebe sind locker und deshalb tropft Öl heraus.
In Esbjerg am Hafen steht bereits ein weiterer Hano, der nach Island verkauft wurde und jetzt verschifft wird. Weiterhin werde ich von 2 Schweizern aus Zürich mit Riesen 2450 Unimog erkannt. Martin und Julia kennen mich von einem Islandvideo von Ulli und Angelika aus Esslingen.
Wir warten, warten, warten. Pünktlich um 19 Uhr läuft die Fähre ein und mit 1 Stunde Verspätung um 23 Uhr wieder aus. Der 9 Bett Bunker befindet sich oberhalb des Restaurants. Im Viking Club müssen zusammen mit einem Schwäbisch Gmünder mehrere Bierchen dran glauben, bis in den frühen Morgenstunden die nötige Bettschwere erreicht ist.
     16. Juni 1996
Fährtag. Unterhaltungen mit diesem und jenem- natürlich über Island und als einzige Abwechslung wird das Fußballspiel Deutschland - Russland mit Ergebnis 3:0 gezeigt.
     17. Juni 1996

Um 7 Uhr morgens wird es laut in der Kabine. Die Sonne scheint bereits "gewaltig" vom blauen Himmel herab. Bis Torshavn bewölkt es sich allerdings wieder und im Halbnebel laufen wir dort ein. Zügig komme ich aus der Fähre heraus und durch das Zollgebäude- nein Kontrolle. Eine isländische Schulklasse mit Fähnchen in Nationalfarben gröhlt und klatscht lautstark als ich mit dem "Islandhano" an ihnen vorbeifahre.
Zuerst wird der Reisepaß kontrolliert, dann folgt eine Durchsuchung mit Spürhund und zuletzt eine "scharfe" Zollkontrolle. Alles in Ordnung. Dies war wieder einmal reines Interesse am Hano.
Derweilen steht der andere, fahrerlose Hano vor dem Zollgebäude und die Bremsen blockieren vollständig. Nur mit Allrad kann ich ihn einigermaßen bewegen. Sämtliche Zöllner, Polizisten und sonstige Färinger staunen über die Fahrmanöver. Zuletzt wird er sogar mit 2 Gabelstaplern fortbewegt.
Oberhalb des ersten Fjords wird zuerst ausgiebig gefrühstückt- im Nebel versteht sich. Auf der 10 zweigt links eine Serpentinenstrecke ab, die vor zwei militärischen Einrichtungen in den Bergen endet. Kurz hinter der Tankstellenkreuzung 10/40 in Richtung Vestmanna ist die alte Straße entlang eines Sees nicht mehr befahrbar und deshalb gesperrt. Dies ist nun ein idealer Standplatz, da der ganze Verkehr durch einen neuen Tunnel geleitet wird.
Im Fisselregen fahre ich mit dem Fahrrad bergab bis zur alten, grasgedeckten Holzkirche in Kollafjordur. Der ständig bergwärts führende Rückweg wird zusätzlich durch von vorne kommenden, starken Wind behindert. Nach 18 km habe ich klatschnaß mein Domizil oberhalb des Sees erreicht.

     18. Juni 1996
Durch den Tunnel kommt man immer am Fjord entlang schließlich nach Vestmanna. Von hier werden Touren zu Vogelfelsen durchgeführt und eine kleine Fähre verkehrt zur Insel Vagar.
Vorbei an der Sundbrücke und zuletzt Haldarsvik parke ich etwa 5 km vor Tjornuvik, um den Rest auf schmaler Straße per Fahrrad zurückzulegen. Die Abfahrt in den Ort ist recht steil und mit Schafen "übersät".
Vom Hafenpier hat man einen schönen Blick auf Risin und Kellingin und nur von hier sieht man, daß einer der beiden Felsen am Fuße einen torartigen Durchbruch hat.
Auf der gegenüberliegenden Insel Eysturoy ist mein Platz oberhalb der Felsen noch frei. Per Fahrrad passiere ich den höchsten Berg der Färöer und erreiche die Anhöhe oberhalb von Gjogv. Einige kleine Wasserfälle, sowie die Serpentinen hinunter nach Funningur bieten sich als Fotomotive an. Die Rückfahrt zum Hano endet mit einer 4 km langen Schußfahrt.
     19. Juni 1996
Das Wetter zeigt mal wieder was es kann. Innerhalb weniger Minuten ist die Fernsicht in völligen Nebel umgeschlagen und somit Risin und Kellingin verschwunden.
Langsam tuckere ich über die Berge nach Torshavn. Dort wird gerade eine Straße frisch mit flüssigem Teer eingesprüht und ein Verbotsschild ist nicht zu entdecken. "Geteert und gefedert" komme ich im Hafengebiet an. Der Norröna Check In füllt sich zusehends.
Pünktlich mit dem 15 Uhr Glockenspiel laufen wir aus und schlängeln uns noch 2,5 Stunden durch die färingische Inselwelt.
Euro 96 mit dem Spiel Deutschland - Italien ist angesagt. Das Spiel endet 0:0 und gleichzeitig spielen die Tschechen 3:3 gegen Russland, was die an Bord befindlichen Tschechen zu wahren Jubelstürmen hinreißen läßt und die Italiener aus dem Turnier wirft.
     20. Juni 1996
Ein schnarchender "Bunkergenosse" treibt mich um 4 Uhr aus den Federn und auf Deck. Langsam erwacht das Schiff und Island kommt in Sicht. Um 7.30 Uhr machen wir im Hafen von Seydisfjördur fest. Zügig wird die Fähre verlassen. Den Lörracher Hano rangiere ich mangels anderer Fahrer im Zollgelände umher. Als die beiden letzten Fahrzeuge verlassen der Züricher Unimog und ich nach Bezahlung von 359 DM Dieselsteuer und extrem lascher Kontrolle den Hafen. Der Aufstieg nach Egilsstadir liegt in völligem Nebel. Auf dem Paß scheint bereits die Sonne und vereinzelte Schneefelder, Wasserfälle und Seen leuchten in brillianten Farben.
In Egilsstadir werden alle nötigen Vorräte gebunkert und ab gehts in Richtung Myvatn. Snaefell und dann Herdubreid und Askja liegen in weiter Entfernung an der Ringstraße. Die Hochlandpisten sind offiziell noch alle gesperrt, deshalb stört es mich wenig, daß ich sie links liegen lassen muß und erst bei Namaskard einen richtigen Stop einlege. Die Schlammlöcher und Dampfspeier brodeln und stinken vor schneebedeckten Bergen.
Nach Grotagja und Einchecken am Campingplatz, der kaum belegt ist, radle ich eine Runde am See entlang. Millionen von Mücken bevölkern die Luft und finden jede ungeschützte Stelle am Körper. Die Biester sind zwar enorm lästig, stechen allerdings nicht. Nach tags fast tropischen 25 °C verschwindet um 23.30 Uhr die Sonne am Horizont, wobei es trotzdem taghell bleibt. Zwei junge Isländer wollen fast jede Schraube und jeden Knopf am Hano erklärt bekommen. Da im Sommer schulfrei ist, verabschieden sie sich erst kurz vor Mitternacht.
     21. Juni 1996
In der geräuschlosen Nacht kamen die Wolken. Pisten mit langgezogenen Hügeln und Schneeberge liegen am Weg nach Husavik. Dort ist die Sicht noch sehr schlecht aber in Richtung Myvatn zeigen sich bereits erste blaue Lücken am Horizont- also zurück.
Bei Namaskard ist bereits stahlblauer Himmel und die Solfataren leuchten um die Wette. Der Aufstieg zum dahinterliegenden Aussichtsberg ist etwas mühsam, da sehr steil, aber die Aussicht von oben ist phantastisch. Der 360° Rundblick ist jegliche Anstrengung wert. Schwefelausblühungen in rot, gelb und grün bilden Kontraste zur dunklen Lava und dem weißen Schnee.
Nach 2,5 Stunden im örtlichen Schwimmbad zwischen maximal 20 Besuchern ist man ziemlich ausgetrocknet. Diese Konditionsprobleme können nur durch mehrere Weißbier ausgeglichen werden.
     22. Juni 1996
Bei leicht bedecktem Himmel stehe ich auf dem Parkplatz vor dem pfefferminzgrünen Viti. An einer Stelle hält sich hartnäckig eine dicke Schneeschicht. Das am hinteren Ende des Sees befindliche Solfatarenfeld wird noch nicht von der Sonne beschienen und so mache ich mich auf zum 818 m hohen Berg Krafla. Einige Fahrspuren führen bergwärts, wobei der Boden oben ziemlich weich ist. Von den Antennen auf der Bergspitze genießt man einen gewaltigen Weitblick- 3 Tafelberge inclusive Herdubreid, der Myvatn, Namaskard, die Berge bei Akureyri, Schneefelder, grüne Wiesen und das Krafla Kraftwerk sind sichtbar.
Bei der Umrundung des Viti auf dem Kraterrand bieten sich immer wieder lohnenswerte Perspektiven. An der höchsten Stelle des Randes haben sich teilweise bizarre Erosionsgebilde herausgewaschen. Der Blick auf den 84 er Ausbruch zeigt nur noch geringe Rauchtätigkeit.
Nach 5 Stunden internationalem Small talk im Schwimmbad verlasse ich völlig aufgeweicht den Hotpot und verbringe eine weitere Nacht auf dem Campingplatz.
     23. Juni 1996
Auch heute haben wir bereits morgens Schönwetterwolken am Himmel und 15 °C. Am Myvatn entlang zuckle ich bis zum Godafoss. Dort müssen für Sonnenfotos einige Wolken abgewartet werden. Einige Gruppenreisende Hamburger schleichen um den Hano und fotografieren ihn von allen Seiten.
Die Ringstraße führt weiter an den Eyjarfjördur mit Akureyri am Ende des Fjordes. Bei der Abfahrt an der Ostseite blühen Unmengen von Blumen am Straßenrand und bilden einen prächtigen Vordergrund für die Stadt und die Berge auf der anderen Fjordseite.
Die 82 bringt mich nordwärts nach Dalvik. Im kleinen, bunt angestrichenen Hafen liegen 3 Schiffe und mehrere Boote vor Anker. Die Farbkontraste vor den schneebedeckten Bergen sind immens. Nach längerem Beladen läuft ein Containerschiff in den Fjord aus und ich folge ihm auf der Straße. Mitten im Fjord liegt die Insel Hrisey und im Meer vorgelagert und vom Polarkreis durchschnitten die Insel Grimsey. Diese Insel sieht man, wenn man kurz vor dem neuen Tunnel nach Olafsfjördur der alten Bergstraße bis zur Paßhöhe folgt. Auf einer Plattform blickt man auf den Fjord und die vorgelagerte Insel. In den Felsen, die steil ins Meer abfallen, brüten viele Möwen, denen man sich weit nähern kann und die dann im Aufwind dahinsegeln.
Der Standplatz ist gigantisch, aber die Mitternachtssonne verbirgt sich vorerst hinter den Wolken. Nur 4 Autos, davon 2 Polizeiwagen, mit deren Polizisten ich mich unterhalte und gegen 23.30 Uhr etwa 30 Wanderer, die sich auf der Paßhöhe treffen, um dann in entgegengesetzter Richtung weiterzugehen, stören die Ruhe. Kurz vor Mitternacht zeigt sich die Sonne tatsächlich noch einmal und ein Sonnenstrahl bringt das Meer regelrecht zum Glühen.

Sonnenuntergang am Fjord

Sunset at the fjord

     24. Juni 1996
Mein 5 Sterne Hotel am Fjord hat ausgedient und durch einen 3,4 km langen, einspurigen Natursteintunnel mit Ausweichstellen erreicht man Olafsfjördur. Am Ortsausgang der 82 befinden sich mehrere kleine Seen, in denen sich die umliegenden Berge wie in einem Spiegel abbilden. Dies jedoch nur, wenn der See völlig ruhig ist. Die geöffnete Bergstraße 82 steigt bis auf 450 m an und ist problemlos zu befahren.
Am abgeschotteten Miklavatn werden in 8 großen Bottichen mit Warm- und Meerwasser Lachse gezüchtet. Ein 800 m langer Tunnel verbindet den Rest der Welt mit Siglufjördur.
Das sehr interessante Heringsmuseum am Hafen ist in einem alten Holzgebäude, das sehr liebevoll hergerichtet ist, untergebracht. In einer ausgedehnten Führung werden mir von Ina alle Gerätschaften und die Geschichte des Herings erklärt.
In der Blütezeit lagen mehr als 500 Schiffe im Fjord und es waren mehr als 20000 Menschen beschäftigt. Riesige Stapel Holzfässer mit eingesalzenen Heringen lagerten im Hafengebiet und auf den Transportschiffen. An Wochenenden wird die damalige Heringsverarbeitung auf dem Holzpier vor dem Museum gezeigt und dies scheint eine Touristenattraktion zu sein.
Am Ortsende führt die alte Straße hoch in die Berge, ist allerdings jetzt noch völlig zugeschneit. Auch hier spiegeln sich die Berge im Wasser, als ich versuche, die alte Paßstraße zu finden. Mein Weg endet aber nach einer kleinen Flußquerung.
An der 76 sind im Fjord mehrere dunkle Inseln vorgelagert, die teilweise auf Deichen erreichbar sind. Kurz vor Saudarkrokur stürmt es heftig und die Straße führt durch schwarzes Schwemmsandgebiet mit leuchtenden und im Wind wiegenden Grasbüscheln. Auf maximal 150 m Höhe schlängelt sich der Weg 744 durch Buckelwiesen bis an den Hunafloi. Kurz hinter Blönduos nächtige ich an einer Raststelle an der Ringstraße.
     25. Juni 1996
Auf der Ringstraße geht es bis Bru am Ende des Hrutafjördur zügig voran. Nun reiht sich Fjord an Fjord. Im Kollafjördur liegen einige kleine Inseln, worauf sich eine Kolonie Seehunde in der Sonne räkelt. Direkt am Straßenrand brüten immer wieder Seeschwalben. In 5 m Entfernung beobachte ich die Fütterung von 3 Kleinen mit beachtlich großen Fischen und ständig rennt eines dieser Küken direkt über die Straße. Steigt man aus, so befindet sich sofort ein Warnkommando in der Luft und fliegt eine Attacke. Der Strand und die Brandung ist mit Enten übersät. Bis zu 15 Minienten folgen der Altente.
Auf der Nordseite des Steingrimsfjördur liegt ein Solfatarenfeld unmittelbar am Meer. Heißes, nach Schwefel riechendes Wasser dringt aus vielen Ritzen und ein kleiner Pool kocht vor sich hin. Hier scheint auch mal ein Schwimmbad gewesen zu sein, es ist aber völlig zusammengefallen. Fast jeder Meter Strand ist bedeckt mit Unmengen von Treibholz und sonstigem Schwemmgut. Kurz hinter Drangsnes stoppe ich in einer holzübersäten Bucht mit vielen Enten und anderen Seevögeln.
Licht? Warum brennt am Hano das Licht? Der Lichtschalter ist durch die ständige Rüttelei auseinandergefallen. Erste Reparaturversuche bis kurz vor Mitternacht schlagen fehl und werden auf morgen verschoben.
     26. Juni 1996
Nach zwei weiterenVersuchen ist der Schalter in Originalstellung zusammengebaut und funktioniert wieder.
Der Weg folgt der Küstenlinie und immer imposantere Berge stehen dicht am Meer. Den Höhepunkt stellt das 508 m hohe Kaldbakshorn, ein senkrechtes Kap, das mit tausenden, kreischenden Möwen belegt ist, dar. Der Berg Kambur am Veidileysa Fjord wird durch eine Bergstraße abgeschnitten, von wo man einen guten Blick auf Fjord und Bergwelt hat.
In Djupavik passiert man eine alte, aufgegebene Heringsfabrik mit völlig verrostetem Schiff und Tankstelle. Eine steile Abfahrt führt zum Heißwassergebiet bei Krossnes direkt am Atlantik. Nur ein Parkplatz mit groben Kieselsteinen trennt ein 5 x 12 m großes und etwa 35 °C warmes Schwimmbad vom Meer. Für 120 IKr, die man in eine Sammelbox in den Umkleidekabinen wirft, ist man bei diesem Badevergnügen dabei. Mit Radio und Kamera liege ich 2,5 Stunden alleine in diesem phantastischen Pool, nur gestört von 2 Kühen und 3 Schafen. Nach dem Semifinale England - Deutschland kommen doch noch 2 Touristen und 4 Isländer in dieses außergewöhnliche Schwimmbad.
Beim Hof Fell endet der befahrbare Weg an einem Gatter . Deshalb parke ich 1 km davon entfernt am Meer oberhalb einer kleinen Bucht mit Minifluß und grüner Wiese.
     27. Juni 1996
Am Ingolfsfjördur entlang führt eine kurze Piste. Sie beginnt beim weitläufigen und stark zerfallenen Gelände einer weiteren ehemaligen Heringsfabrik bei Eyri. Seeschwalben halten das Gelände besetzt und attackieren Besucher im Sturzflug.
Drei Isländer montieren die alten Telefonleitungen ab und meinen, daß die Küstenpiste befahrbar sei. Immer dicht am Treibholzstrand entlang erreicht man auf einer Holperpiste den ausgedehnten Grasstrand einer Farm. Seit 1965 ist sie nur noch im Sommer bewohnt. Vier Jugendliche spielen Fußball und laufen mir entgegen, als ich in Sicht komme. Einer meint: "This is the coolest car I have ever seen." Am Hof Ofeigsfjördur angekommen, unterhalte ich mich mit dem Eigentümer, der gerade Robbenfelle innen zum Trocknen an eine Holzhütte nagelt. Vor der Hütte sind Robbenflossen aufgereiht, die angeblich eßbar sind und sehr gut schmecken sollen. Die drei Leitungsarbeiter aus Isafjördur treffen ebenfalls ein und wir werden zu Kaffee und Kuchen eingeladen.
Nach weiteren 3,5 km endet die Piste an einer Fußgängerbrücke über einen Fluß, der kurz darauf laut tosend als Wasserfall zu Tal stürzt.
Bei einer abendlichen Wanderung zum nächsten Fjord fliegt 1 m vor mir plötzlich ein Vogel auf, um 5 m weiter wieder "abzustürzen" und mit gebrochenem Flügel weiterzuflattern. Das ist natürlich nur ein Täuschungsmanöver, um den ungebetenen Besucher von seinem Gelege wegzulocken. In einer kleinen Mulde liegen nämlich 4 tarnfarbene Eier und mehrere Altvögel fliegen in heller Aufregung um mich herum.
Nach meiner Rückkehr bemerke ich, daß am Rootsgebläse des Hano Öl ausläuft und bis zum Minimalstand können gut 3,5 l nachgefüllt werden.
     28. Juni 1996
Der Fluß und der Wasserfall toste die ganze Nacht von drei Seiten um das Auto. Von Weitem sehe ich einen Eisfuchs, der die Vogelwelt in helle Aufregung versetzt.
Kurz vor der alten Heringsfabrik hat der Hano das Massekabel zum Natoknochen abvibriert. Eine Ersatzklemme verschafft Abhilfe, doch kaum 500 m weiter weiche ich links einem großen Stein aus und fahre dabei rechts mit der Reservekanisterhalterung gegen einen quer zur Fahrtrichtung stehenden Fels. Ein gewaltiger Schlag und das ganze Behältnis reißt aus seiner Verankerung. Die Kiste ist völlig verbogen und muß zusammen mit fünf Kanistern auf dem Dach befestigt werden.
Auf einer Wiese am Ende des Fjordes liegen zwei alte Holzschiffe auf dem Trockenen und nach 20 km ist die Hauptpiste wieder erreicht. Dort findet ein erstes Hanotreffen mit einem Bekannten mit Vollcabrio statt.
Die Straße auf die Steingrimsfjardarheidi zeigt ansteigende Form. Auf ca. 400 m Höhe liegt noch Schnee und beidseitig des Weges sind kleine Seen. Die Ostseite des großen Isarfjardardjup ist noch schneebedeckt und die Hänge am Fjord sind mit Büschen und niederen Birken bewachsen. Die Schattenseiten der Fjorde leuchten pfefferminzgrün und die Sonnenseiten strahlen dunkelblau.
Immer und immer wieder fliegen Vögel auf und flattern vor dem Auto her, um dieses Ungetüm von den Gelegen und Jungvögeln wegzulocken.
Bei Arnarnes, kurz vor Isafjördur, wird der Blick auf mehrere Fjorde und eine Insel frei. Das blaue Wasser und die weißen Berge strahlen um die Wette.
In einem leicht bewaldeten Tal mit Ferienhäusern, 9 Loch Golfplatz und Wasserfall befindet sich der zur Zeit noch nicht bewirtschaftete Campingplatz. Nach 23 Uhr radle ich in Richtung Isafjördur. Die Bergspitzen sind noch immer sonnenbeschienen und glühen rot im ruhigen Wasser des Fjords. Nach Mitternacht formiert sich ein erster kleiner Korso zum Cruising. Und ewig geht´s im Kreis.

Sonnenuntergang am Fjord bei Isafjördur

Sunset at the fjord in Isafjördur

     29. Juni 1996
Nach kleineren Wartungsarbeiten fahre ich in die Stadt zum Einkaufen. Mit dem Fahrrad unternehme ich die "große Stadtrundfahrt", wo mit ohrenbetäubendem Lärm im Hafenbecken ein älteres Schiff mit einem Riesenwasserstrahler von Farbe und Dreck gesäubert wird. In der Stadtmitte kommen immer mehr Menschen zusammen- es scheint sich ein Fest mit mehreren Metern kostenlos abgegebener Torte und Freiwürstchen anzubahnen- aber wo bleibt das Bier?
Auf dem Weg zur Paßhöhe wachsen große, helle Moosflächen. Die Wassertropfen sammeln sich darauf und glitzern im Sonnenlicht. Bei der 5 km langen Abfahrt mit bis zu 12% Gefälle passiert man wohl den Neubau eines Tunnels nach Isafjördur und am Fjord zwischen Straße und Wasser spazieren 7 Schwäne umher.
Die Piste 622 beginnt mit einer holprigen Steigung um dann mehrere hundert Meter dicht am Fels mit sehr wenig Dachfreiheit vorbeizuführen. Nach dem Leuchtturm an der Spitze der Halbinsel stehen hohe Stufenberge mit vielen großen, abgestürzten Steinbrocken am Fuße. Das Meer leuchtet in völligem Blau. Eine Wandergruppe mit einem in Stuttgart lebenden und aus den Westfjorden stammenden Isländer gibt mir Tips für Unternehmungen in der näheren Umgebung.
Ein spitz am Meer zulaufender, kapartiger Berg bei Hrafnabjorg begrenzt einseitig ein halbrundes Gletschertal mit almartigen Wiesen. Nun schließt sich eines der bisher schönsten Streckenstücke an. Auf groben Kieseln erreicht man überhängende Brandungsfelsen direkt am Meer. Die Piste verläuft im Meerwasser und hängt stark zur Wasserseite. Immer wieder müssen grobe Steine entfernt werden. Bei der Wasserdurchfahrt brüten in Augenhöhe unbeeindruckt Möwen in kleinen ausgewaschenen Höhlen. Dicht über dem Kopf fliegen sie in aller Ruhe dahin. Ein einzeln stehender Fels und der Berg bilden eine Wasserdurchfahrt der besonderen Art. Kommentar: Sensationell!
Zurück in der Zivilisation kreischen am Grasstrand die Seeschwalben als man ihre Brutstellen in unmittelbarer Straßennähe passiert. Sie stehen wie Hubschrauber auf der Stelle und attackieren den Fotografen.
Schon von Weitem sieht man den größten Wasserfall der Westfjorde- den Dynjandi. Mit den letzten Strahlen der Abendsonne auf den konisch aufgefächerten Wasserfall erreiche ich eine schöne Wiese am Grund des Naturreservates. Kurz vor Mitternacht besteige ich den kleinen Hügel mit mehreren Wasserfällen unterhalb des mächtig donnernden Dynjandi. Derweilen leuchten die Bergspitzen in Rot und einzelne Wolken am Himmel "brennen" in der flach stehenden Sonne.

Piste im Meer
Track in the sea

     30. Juni 1996
Dynjanditag. Es herrscht blauer, wolkenloser Himmel. Die Sonne steht noch hinter dem Wasserfall, deshalb radle ich 7,5 km am Fjord entlang bis zu einem Hof mit großer Wiese. Hier brüten sehr viele Seeschwalben, die den Eindringling in Geschwaderstärke angreifen. Deshalb durchquere ich die Wiese nicht und fahre gemütlich zu meinem Ausgangspunkt zurück.
Tagsüber kommen nur sehr wenige Autos zu Kurzbesuchen, außer Walter und Eva aus Niederösterreich. Nach zwei weiteren Wasserfallbesteigungen verbringen wir einen feuchtfröhlichen Abend im Hano.
     1. Juli 1996
Bei der Fahrt auf der 60 bildet sich ein rekordverdächtiger Stau von vier Fahrzeugen. Im Reykjarfjördur liegt am Straßenrand in Meeresnähe ein kleines, mittelmäßig warmes Schwimmbad, das nur bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt ist. Ein Bad ist es aber allemal wert. Entlang der Küste befinden sich viele Seeschwalbenbrutgebiete und die Küken rennen in Scharen kreuz und quer auf der Straße umher.
Bildudalur, Talknafjördur, Patreksfjördur, ein Sandstrand mit Flugplatz und ein kleines Museum mit alten Gebrauchsgegenständen aus den Westfjorden, sowie einer abgestürzten und wieder flugtüchtig gemachten russischen Militärmaschine liegen an der Piste.
65°30' nördlicher Breite und 24°32' westlicher Länge das sind die geographischen Koordinaten von Latrabjarg, dem wirklich westlichsten Punkt Europas. 50 Meter neben einem kleinen Parkplatz mit Leuchtturm beginnt eines der größten Naturspektakel, das man sich vorstellen kann. Unzählige Seevögel nisten in den steil abfallenden Klippen. Am obersten Rand sitzen die putzigen Papageientaucher, denen man sich bis auf wenige Zentimeter nähern kann, ohne daß sie davonfliegen. Mit ihrem breiten, roten Schnabel und den schwimmflossenartigen Füßen haben sie etwas clownartiges. An Land wirken sie unbeholfen, aber ihr wirkliches Element ist das Meer und das Tauchen nach kleinen Fischen.
Eissturmvögel, Trottellummen, Tordalke und Dreizehenmöwen bevölkern von oben nach unten die Felswände. Bis weit nach Mitternacht liege ich auf dem Bauch und beobachte die Papageientaucher. Um 0.55 Uhr geht die Sonne unter und der Vollmond auf.
     2. Juli 1996
Eine der phantastischten Vogelklippen der Welt "ruft" im wahrsten Sinne des Wortes- Latrabjarg. Ganz langsam gehe ich am Klippensaum entlang. Beim Leuchtturm in oberster Etage sitzen die meisten Papageientaucher. Sie sind unbestritten die Hauptattraktion. In der ersten kleinen Bucht des Vogelfelsens hallt es wie Kindergeschrei oder Hundegejaule- aber es sind alles Vogellaute. Fast alle Vogelarten brüten oder haben bereits Junge, denen man sich im Fels auf 1-2 Meter nähern kann.
Höher und höher steigt die Klippe. An höchster Stelle fällt sie 441 Meter senkrecht ins Meer ab. Auf der ganzen Länge werden die Klippen von mehreren Millionen Vögeln bevölkert. Ganz oben sitzen hier die Eissturmvögel, die sich elegant vom Aufwind am Klippenrand entlangtreiben lassen. Einige bleiben fast in der Luft stehen und betrachten sich den "Besucher", um dann davonzusegeln. Von einem leicht hervorspringenden Kap hat man den besten Einblick auf die zweite Hälfte der Klippen in Richtung Keflavik. Das Treiben in den Felswänden ist unbeschreiblich. Mehrere große Raben betätigen sich als Eierdiebe und fliegen mehrmals mit Eiern im Schnabel an mir vorbei. Die höchste Stelle der Klippen ist 7-8 Kilometer vom Parkplatz entfernt und der Rückweg dauert etwas mehr als eine Stunde.
Den Rest des Tages verbringe ich damit, die Papageientaucher zu beobachten. Ihr Orientierungsvermögen ist phänomenal. Mit Beutefischen im Schnabel kehren sie vom offenen Meer zurück, landen unmittelbar auf ihrer Bruthöhle und verschwinden darin, ohne daß ich sie fotografieren kann.
Mit Walter und Eva sitze ich im Hano, um die Sonne untergehen zu sehen und anschließend fotografieren wir die noch immer aktiven Lundis vor dem aufgehenden Vollmond.
     3. Juli 1996
Nach einem letzten Blick auf die am Klippenrand sitzenden und teilweise dumpf vor sich hinbrummenden Lundis zuckle ich langsam am anschließenden Sand- und Grasstrand vorbei bis an die Tankstelle am Patreksfjördur. Sie ist aber geschlossen und ich muß zum Spritfassen nach Patreksfjördur Ort. An der Strecke liegt die gestrandete Gardur auf "Trockendock".
Beim Anstieg zur Kleifaheidi steht links ein mehrere Meter hohes Denkmal aus in Menschenform aufgeschichteten Steinen. Bei Brianslaekur legt die Fähre nach Stykkisholmur ab. Für 3900 IKr bin ich dabei. Nach längerem Warten und Beobachten des Gezeitenunterschiedes läuft die Baldur kurz nach 20 Uhr aus. Vorbei an kleinen Schären, die mit Lundis, Kormoranen und Möwen besetzt sind erreicht die Fähre den kleinen Hafen der Insel Flatey. Mit dem Hebezeug wird ein Auto und mehrere Container an Bord gehievt. Nach 3 Stunden sind wir bei völlig tiefstehender Sonne im geschützten Hafen von Stykkisholmur angelangt.
Am Kolgrafafjördur hinter einem großen Kieshaufen beende ich den heutigen Tag.
     4. Juli 1996
Vorbei an mehreren kleinen Halbinseln, sowie dem Ort Grundarfjördur erreicht man kurz vor Olafsvik eine gestrichelte Bergstrecke, die am Fuße des Snaefelljökull vorbeiführt. Beim Anstieg passiert man eine Stelle, von wo der schneebedeckte Gipfel und die serpentinenartige Piste sichtbar ist.
Der weiße Gipfel wird durch eine zusätzliche Spitze gekrönt. Die Piste führt ab 500 Höhenmetern zwischen durchgefrästen Schneefeldern hindurch. Bei etwa 600 Höhenmetern ist der höchste Punkt der Strecke mit "6 Sterne Ausblick". Rückwärtig liegt der Snaefelljökull und voraus weitere Berge sowie das Meer mit hellem Sandstrand.
Bis Borgarnes ist der 1446 m hohe Snaefellsjökull der dominierende Berg am Horizont, obwohl er dort bereits 75 km entfernt ist.
Durch reiches Farmland und um den langen Hvalfjördur herum kommt 35 km vor Reykjavik die Stadt in Sicht. Perlan und Hallgrimskirche ist gut auszumachen. Ich begebe mich ins Laugardalur auf den Campingplatz, wo ich die üblichen Wartungsarbeiten wie Abschmieren und Schrauben nachziehen, durchführe. Neben mir steht ein norwegischer Amateurfunker mit 6 Meter Antenne, der versucht, durch Reflektion am Mond, mit USA und Australien in Kontakt zu kommen.
     5. Juli 1996
Reykjavik. Ich parke mal wieder am Klapperstigur und schlendere durch die Innenstadt, wo in den letzten Jahren jede Menge Kaffeehäuser, Bars, Pubs und Restaurants eröffnet haben. Cool ist, wer eine kleine Sonnenbrille mit runden Gläsern trägt- also fast jeder Isländer.
Die neueste Mode scheinen schwarze, knallenge, glänzende Hosen oder Miniröcke mit schwarzen, hohen Stiefeln zu sein. So zeigt sich ein überwiegender Teil der Damenwelt. Lange schaue ich dem Treiben auf der Hauptgeschäftsstraße zu.
Am späten Nachmittag besuche ich für 150 IKr das Sundlaug, wo zur Zeit die isländischen Schwimmeisterschaften stattfinden. Schwimmer aus allen Landesteilen sind versammelt. Das Dampfbad ist wie immer genial, nur habe ich den Eindruck, daß es wesentlich heißer ist als sonst.
Nach Lachssteak mit Reis mache ich mich um 22 Uhr nochmals auf in die Stadt. Das Cruising kommt nur langsam in Fahrt, deshalb gehe ich nach einem Fußmarsch zum Hafen in den nahegelegenen, einzigen Irish Pub Islands den "Dubliner". Die komplette Einrichtung kommt aus Irland und ein Pint Guinness kostet 500 IKr- später 550 IKr. Als eine 6 Mann Band zu spielen beginnt, ist der Laden rammelvoll und die Stimmung gewaltig. Nie war ich in einem Pub außerhalb Irlands mit solcher Stimmung. In den Morgenstunden geht die Musik auf Disco über und ich verlasse um 2.30 Uhr die Kneipe. Vor jeder Bar und Disco stehen Menschenmassen gröhlend, trinkend und singend. "Light nights"- dieses Spektakel gibt es wohl nur in Reykjavik.
     6. Juli 1996
Auf ins Josepsdalur etwa 25 km außerhalb Reykjaviks direkt an der Ringstraße nach Vik zum isländischen Jeppasport. Etwa 20 dieser Extremgeländewagen stehen mit ihren Teams in einer Grube mit 10 m hohen Seitenwänden, die mehr oder weniger steil sind. Überall wird geschraubt, geschweißt und eingestellt. Um 12 Uhr beginnt das Warmlaufen an Hängen mit laschen 45° Steigung. Ohrenbetäubender Lärm wird an den dahinterliegenden Bergen reflektiert. Vor etwa 1000 Zuschauern startet der eigentliche Wettkampf. Einzelne Sektionen mit 70° Hängen aus dem Stand gefahren und Querpassagen mit abenteuerlichen Schräglagen in fast 10 m Höhe werden bewältigt. Nicht allen Fahrern gelingt dies und einige Fahrzeuge steigen vorne auf, überschlagen sich mehrfach oder rollen den Abhang hinunter. Sofort sind zwei Abschleppfahrzeuge zur Stelle und räumen die Sektion für die Nachfolger. Nur eine Sektion wird von keinem der Fahrzeuge gemeistert. An einem mächtig steilen Hang überschlägt sich eines der Fahrzeuge und ein Bruchstück bleibt im Oberteil liegen. Ein Helfer erreicht dies unter dem Beifall der Zuschauer zu Fuß nur unter allergrößten Schwierigkeiten. Dies ist Extremsport isländischer Art.
Auf der geteerten Ringstraße erreiche ich schnell den Abzweig in die Thorsmörk mit dem Seljalandsfoss zur Rechten. Im Abfluß des kleinen Eisseees ist nur wenig Wasser, wie auch in den Flüssen bis dorthin. In Sichtweite der Fußgängerbrücke zum ersten Campingplatz an der Krossa liegt rechts ein Tal mit hohen, grünbemoosten Seitenhängen, einigen Vogelnistplätzen, engen, hohen Spalten, die mittels Seil erklommen werden können, einer kleinen, dunklen Höhle mit von der Decke nach unten wachsenden Farnen, sowie am Ende des Talkessels einem Wasserfall mit überhängenden, tropfenden Seitenwänden.
Bis spät in die Nacht fahren die Isländer auf die Campingplätze, um dort das Wochenende zu verbringen.

Formula Offroad

     7. Juli 1996
Zur Begrüßung des Sommers versammeln sich die Isländer am ersten Wochenende im Juli in der Thorsmörk. Am Campingplatz über der Krossa, die nur sehr wenig Wasser führt, sieht es aus wie nach einer geschlagenen Schlacht. Busweise und in vielen Geländewagen brechen die Isländer nun auf und fahren zurück. Es herrscht Betrieb wie auf der Autobahn. Am letzten kleinen Flüsschen vor der alten Brücke über die Markerfljöt bleibt ein PKW kleinster Bauart im Wasser stehen. Nun kommt doch noch das Abschleppseil zu Ehren. Der abgesoffene PKW muß abgeschleppt werden, wie so viele Fahrzeuge, die ich an diesem Tag sehe.
Der Seljalandsfoss und der Skogarfoss ist wiederum geradezu mit Leuten belagert, deshalb fahre ich weiter bis zum Solheimajökull. Dies ist eine Gletscherzunge, die bis etwa 5 km an die Ringstraße heranreicht. Am Beginn steigt das zerklüftete Eis stellenweise haushoch an und ist nur mühsam mit Steigeisen und Eispickel zu begehen. 300 m kann ich darauf entlangsteigen, dann werden die Spalten und Eiskämme zu extrem.
Kurz darauf nehme ich zwei Norweger mit und wir hoppeln an den schwarzen Sandstrand von Vik. Die Klippen sind mit vielen Vögeln belegt- auch mit Lundis. Vom Strand sieht man die berühmten, spitzen Felsnadeln im Meer.
Es schließt sich die schwarze Sandebene Myrdalssandur und die Ausläufer der moosbewachsenen Lavawüste Eldhraun an. Am kleinen See Flötsbotn, etwa 5 km rechts der Ringstraße auf einer schönen Wiese oberhalb des Sees stoppe ich meinen Sonntagsausflug.
     8. Juli 1996
Durch bemooste, alte Lavafelder, endloses Schwemmland mit wenig wasserführenden Flüssen und über die Skeidaraholzbrücke kommt man nach Skaftafell. Dieser Campingplatz dürfte von der Lage her der schönste in ganz Island sein. Durch würzig duftendes Gras, Büsche und kleine Birken steigt der Weg zum Svartifoss an. Die grüne Landschaft wird überragt von benachbarten, weiß leuchtenden Gletschern.
Der basaltsäulenumrahmte Svartifoss mit kleinem Regenbogen zählt zu den eindrucksvollsten im Lande. Die Absturzkante des Wasserfalls geht über frei hängende, gestaffelt angeordnete Basaltreihen.
Der Svinafellsjökull in unmittelbarer Nähe von Skaftafell ist auch nur mit Steigeisen zu bezwingen. Im ersten Teil ist er völlig aschebedeckt und somit schwarz. Dann folgen brilliant weiß- und blauschimmernde Abschnitte mit tiefen Spalten und gurgelnden Wasserlöchern. Vom Gletscher hat man Ausblick auf den höchsten Berg Islands- den Hvannadalshnukur mit 2119 m Höhe.
Die Ringstraße führt immer entlang am Vatnajökull bis zum Eissee Jökulsarlon. Mächtige Eisblöcke, schimmernde Eiskristalle, klirrende und tropfende Gebilde aus gefrorenem Wasser bilden eine eindrucksvolle Kulisse. Hier ist ständig alles in Bewegung. Riesige, haushohe Eisberge brechen in der warmen Sonne zusammen und drehen sich kopfüber. In der Ferne kalben mit Getöse neue Berge in den kalten See.
Bis spät abends sitze ich draußen und bei "Whisky on the rocks" schließt sich mit verändertem Licht Fotosession an Fotosession.

Jökulsarlon

     9. Juli 1996
Der erste Regentag in diesem Urlaub. Trotzdem kommt Bus auf Bus zum Eissee. Um 11 Uhr sind bereits alle Boote und zwei der drei Amphibienfahrzeuge in Betrieb. Kopfüber tauchen diese Gefährte unter dem Gegröhle der Mitfahrenden ins kalte Naß.
Ich versuche dieser Wetterlage fotografisch etwas abzugewinnen, was so manchem Touristen nicht gelingt.
Reiseleiterin: "Nein wir bleiben jetzt nicht hier. Wir fahren etwa 40 Minuten weiter bis zum Park (Skaftafell) und da gibt es Mittagessen und Wandern".
Gruppenreisender Tourist: "Und da regnet es bestimmt auch".
Der schwarze, noch warme Sand dampft und alles liegt unter leichtem Bodennebel.
In Höfn liege ich zur Entspannung eine Stunde in einem der beiden Sprudelbecken des örtlichen Schwimmbades- das ist das Beste, was man bei diesem Wetter tun kann.
Ohne Sicht fahre ich bis zum Abzweig der Öxi. Also wenigstens noch ein kleiner fahrerischer Höhepunkt. Auf sehr holpriger Piste steigt der Weg innerhalb von 8 km auf 500 m Höhe an. Dabei sind viele kleine Flüsschen zu queren. Ohne Standgas, mit herausspringendem 2. und 3. Gang sowie völlig nach rechts ziehenden Bremsen ist die ganze Strecke sehr mühsam. Nach 20 km ist man zurück auf der schmierig, glitschigen Ringstraße.
In Egilsstadir mache ich es mir auf dem Campingplatz bei Tee mit Whisky so gemütlich wie es nur geht.
     10. Juli 1996
Jetzt fahrn wir übern Berg übern Berg. Vor dem Campingplatz in Seydisfjördur hat sich eine "alkoholfreie" deutsch- österreichisch- holländische Zone gebildet. Die Hanovorräte geben noch etwas her und so wird bis morgens 4 Uhr durchgemacht.
     11. Juli 1996
Mit leichtem "Seegang" stelle ich mich in die recht kleine Schar der Islandheimkehrer. Ich unterhalte mich lange mit einem isländischen Zöllner, der mich noch gut von früheren Jahren und einem Treffen im Hochland kennt. Als wiederum letztes Fahrzeug entere ich die halbleere Fähre.
     12. Juli 1996
Widerwillig schlafe ich in der stinkenden Kabine so lange es geht. Danach Islandgespräche und der normale, langweilige Fähralltag.
     13. Juli 1996
Endlich! Pünktlich um 17 Uhr verlasse ich als zweites Fahrzeug die Fähre in Esbjerg. Nach der dänischen Grenze wird es langsam dunkel. Viele Autos blinken mich an oder schalten das Licht aus. In den Außenbezirken von Hamburg lotst mich ein freundlicher Geländewagenfahrer von der Autobahn, denn meine beiden Rücklichter sind tot. Also überbrücken- es ist wohl wieder der Lichtschalter. Um 4 Uhr lege ich eine kurze Rast neben der Autobahn ein.
     14. Juli 1996
Ohne weitere Vorkommnisse erreiche ich nach 5012 km wieder meinen Ausgangspunkt der Urlaubsreise. .
 

24.12.2003