1994

Auf der Maelifell Piste
At Maelifell track

Hofsjökull Nordumrundung ...

Vor dieser Umrundung wird wegen Treibsand und viel Wasser gewarnt- nicht umsonst. Die Hrafntinnuskerpiste war auch dieses Jahr nicht zu bezwingen.

     28. Juli 1994
Um 18.15 fahren wir vollbeladen mit Kilometerstand 70237 los. Es ist sehr heiß. Bei geringem Verkehrsaufkommen ist unser erstes Tagesziel der Rasthof Rhön, wo nach zwei kühlen Weißbier eine laute Nacht verbracht wird.
     29. Juli 1994
Morgens ist es im Auto nicht mehr auszuhalten- zu laut und zu warm. Die Parkplätze werden gesäubert und einer der Wärter vom Straßendienst interessiert sich für unsere Fahrzeuge. "Fahrt ihr damit nach Moskau?" "Nein, nach Island." "Das geht doch garnicht, da ist doch Wasser dazwischen- oder können die Dinger auch noch schwimmen?"
Es wird wieder furchtbar heiß und bei unserem ersten Stop bemerke ich, daß sich der Gummi an den Vorderrädern gewaltig abrubbelt. Richtige Fetzen hängen an den Noppen und das Laufbild ist unmöglich.
Bei Harrislee verlassen wir die Autobahn und suchen auf kleinen Landsträßchen nach einem Übernachtungsplatz, den wir auf Anraten eines Försters beim Freibad in Ladelund finden. Es ist ein kleiner Badesee mit teilweise schön unter Bäumen gelegenen Parkplätzen.
     30. Juli 1994
Nach kurzen Fahrzeugchecks sind wir zum Einkaufen in Süderlügum. Der Wochenendverkehr staut sich hier 6 km von der dänischen Grenze zurück, was uns dazu bewegt an einem kleinen Grenzübergang in der Nähe nach Dänemark zu fahren. Durch das dänische Binnenland gelangen wir bei Ribe wieder auf unsere geplante Route und 8 km vor Esbjerg an einen kleinen Rastplatz mit See und Windanlage. Viele längliche, kleine, schwarze Käfer bereichern unsere Grillplatte.
Im Hafen von Esbjerg gibt es ein freudiges Wiedersehen mit Karl und Annelie Wiktorin. Auf dem Parkplatz stehen bereits zwei protzige Actionmobilfahrzeuge. Nach einiger Zeit treffen auch Ulli und Alex ein. Die Fähre legt einigermaßen pünktlich im Nachbarhafenbecken an. Ein Offizieller auf einem Fahrrad gibt den Startschuß. "Follow me". Nun bricht das reine Chaos los. Alle geparkten Fahrzeuge wollen gemeinsam losfahren. Wir bleiben stehen. Als die letzten vier Autos holen wir unsere Boarding Cards und werden in das Schiff verladen. Unter den Augen aller Islandreisender entere ich die Fähre als allerletztes Fahrzeug. Um 23.45 Uhr legen wir ab.
     31. Juli 1994
Ich unterhalte mich den ganzen Tag mit Karl und Annelie über Island, Island, Island.
     1. August 1994
Um 10 Uhr Färöer Zeit laufen wir im obligatorischen Nebel in Torshavn ein. Durch das neue Zollgebäude verlassen wir unkontrolliert das Hafengebiet. Unser Frühstück findet auf Bergeshöhe oberhalb eines Fjordes statt, wo Nebel aus dem Nichts und Regen sich ständig abwechseln.
In Saksun marschieren wir, wasserdicht eingepackt, von dem kleinen See bis zum offenen Meer hinaus. Das Wassertreten in der Brandung erfrischt bei strahlendem Sonnenschein.
     2. August 1994
Vom See in Saksun sind es nur ein paar Kilometer bis zur Brücke nach Eysturoy. Nach einem kurzen Anstieg kommt man durch einen düsteren Natursteintunnel und schließlich nach Elduvik- einem netten, kleinen Dorf mit Naturspaltenhafen. Das Wasser ist glasklar und gemähtes Gras verbreitet einen würzigen Duft.
Zurück in Eidi klettern wir auf den Felsen am Meer entlang und suchen von oben einen Blick auf Risin und Kellingin zu werfen. Dabei werden wir ständig von brütenden Vögeln attackiert.
     3. August 1994
Bei etwas Sicht brechen wir auf nach Torshavn und nehmen dabei den kürzeren Weg durch den Tunnel und nicht über die nebelverhangenen Berge. Im Hafengebiet blitzt bereits die Sonne durch die Wolken, wodurch die hübschen, bunten Holzhäuschen in der Altstadt richtig zur Geltung kommen.
Weit vorne im Bauch des Schiffes verlassen wir pünktlich um 15 Uhr Torshavn und kreuzen noch 1,5 Stunden durch die Inselwelt der Färöer.
     4. August 1994
Um 5 Uhr morgens ist Island bereits in Sicht, jedoch bis auf halbe Höhe in Nebel gehüllt. Auf den Bergen im Fjord liegt vergleichsweise wenig Schnee.
Die Zollmannschaft steht am Kai und beobachtet das chaotische Treiben beim Entladen der Fähre. Uns sondert man ganz links am provisorisch aufgestellten Zaun aus. Die Dieselsteuer beläuft sich für drei Wochen auf 430 DM. Am Zoll besitzt man nun auch bereits einen Drogenspürhund, der allerdings nur faul herumliegt. Einige Autos werden richtig durchwühlt. Die meisten und so auch wir, werden durchgewunken.
Bei strahlendem Wetter zuckeln wir am Lagerfljöt entlang zum Hengifossparkplatz. Dort herrscht Hochbetrieb und beide Wasserfälle liegen im gleißenden Sonnenlicht. Von der oberen Aussichtsplattform hat man einen gigantischen Blick auf den 118 m hohen Hengifoss mit einem kleinen Regenbogen in der Mitte der Felswand. Für die ganze Tour sollte man sich mindestens 2,5 Stunden Zeit nehmen.
Der alles beherrschende Berg im weiten Umkreis ist der Snaefell. Nach einem kurzen serpentinenartigen Anstieg führt eine sehr gut ausgebaute Piste bis zur Snaefellhütte. Auf den letzten 18 km bis zum Gletscher erkenne ich einige markante Punkte vom letzten Jahr, jedoch hat es weder Matsch noch Schnee, sondern nur Sonne pur. Es weht ein eiskalter Wind vom Gletscher herab, den einige Italiener versuchen mit ihren Autos zu befahren. Wir stapfen auf den breiten Reifenspuren von isländischen Monstergeländewagen, die irgendwo am Horizont verschwinden, nach oben. Mit der untergehenden Sonne sind wir wieder zurück an der Hütte am Snaefell.
     5. August 1994
Beim Abstieg von der Hochebene ins Hrafnekalsdalur muß ich unter Einsatz des ganzen Körpergewichts bremsen, da der Kompressor nicht den notwendigen Druck aufbaut. Wir kommen an der schmalen Hängebrücke vorbei und queren die mit enttäuschenden 40 cm Wasser gefüllte Tunga. Hinter der letzten Versorgungsstation bei Bru beginnt mit Wüste, ausgewaschenen Sandstücken, Auf- und Abstiegen sowie Flußbetten das erste richtige Geländestück.
In einer Querrinne sitzt Stefan auf und muß herausgezogen werden. Eine weitere brisante Stelle ist ein mit einem Rohr kanalisierter kleiner Fluß, dessen Boden links und rechts stark ausgewaschen ist. Nach langem Suchen finden wir die grüne Oase im Laugarvalladalur. In einer großen, grünen Wiese wird ein heißer Bach aufgestaut und das überfließende Wasser bildet weiter unten einen 3 m hohen, heißen Wasserfall.
Auf der anderen Talseite führt ein Weg fast direkt und ohne Serpentinen nach oben. Ein Isländer mit Riesenvan sagt zur Befahrbarkeit "It's possible". Wir gehen den Weg zu Fuß ab. Es ist der absolute Wahnsinn. Steilstücke mit kopfgroßem, losem Geröll und starke Seitenlagen sind für unsere Autos nicht passierbar. Es gibt auch noch eine Nebenpiste, die allerdings noch steiler ist.
Bei Weißbier setze ich mich in die warme Erdspalte und genieße die entspannende Wirkung des Wassers. Es ist einfach genial.

Steilpiste

Steep track

     6. August 1994
Nach dem ersten Bild aus der Serie "Sommer in Island 1994" geht es los. Auf dem Bergrücken zweigt tatsächlich eine Piste in Richtung Kverkfjöll ab. In einem trockenen, jedoch sehr holprigen Flußbett reißt mein Standgaszug und wird mit einem Schweißdraht notdürftig ersetzt.
Mitten in einem Lavafeld liegt eine sandige Felsschlucht mit dem Fluß Kreppa und dem Herdubreid im Hintergrund. Es ist eine Kulisse wie aus einer anderen Welt, die jede Menge Fotomotive bietet.

Sommer in Island
Summer in Iceland

     7. August 1994
Frühmorgens ist bereits strahlend blauer Himmel und es hat über 20 °C. Auf phantastischen Hochlandpisten mit kleinen Lavafeldern, langen Weichsandstücken, Canyons und schier endlosen Wüsten erreichen wir nach 4,5 Stunden die Hütte am Kverkfjöll. Noch sind es 4 km bis zum Gletscher, auf dessen Anfahrt ein kleiner, reißender Fluß zu passieren ist.
Ein schmaler Trampelpfad führt am Gletscherrand entlang zu einigen eingestürzten Eishöhlen, aus denen auf einem Fluß kleine Eisbrocken ins Freie gespült werden. Nach 1 bis 2 km auf dem Gletscher beginnen große Gletscherspalten. In unzähligen Rinnen, Löchern und Spalten fließt das Schmelzwasser bergab. Auf dem Gletscher weht ein richtig warmer Föhn und unter jedem Schritt knirscht das in allen Farben schillernde Eis.
Der kleine Gletscherfluß auf dem Rückweg zur Hütte ist zwischenzeitlich für normale Touristengeländewagen durch das viele Schmelzwasser zu einem unüberwindlichen Hindernis geworden. Wir bleiben am abschüssigen und steinigen Campingplatz an der Kverkfjöllhütte zum Übernachten.
     8. August 1994
Zusammen mit einem amerikanischen Studenten, der bereits seit Ende Mai in Island ist und fast alle Berge zu Fuß erklommen hat, fahren wir auf der rechten Piste nach Hvannalindir- einer grünen Oase entlang eines Flusses und bei Sonne und Sandsturm weiter zur Askja. Die Kontraste von weißem Schnee, schwarzer Lava und blauem Himmel sind immens. Im "Badesee" Viti ist bei diesem Wetter natürlich Hochbetrieb. Also "hineiiiiin", denn es stinkt ja so herrlich.
An der Askjahütte bildet ein kleiner Fluß in der Drekagilschlucht nach 800 m einen schönen Wasserfall.
Nun wird es Ernst, die Gasa ist angesagt. In der Abendsonne kommen wir durch ein Bimssteinfeld bis zum Dyngjuvatn und anschließend in ein 16 km langes, schwarzes Tiefsandfeld. Im Hintergrund liegt die Askja und der Herdubreid, links der Snaefell, voraus das Kverkfjöll und rechts der Schildvulkan Trölladyngja. Die Kulisse ist phantastisch. In einem Feld aus Sand und Lavabrocken richten wir uns direkt neben der Piste für die Nacht ein.
     9. August 1994
Ein weiterer Hochlandtag beginnt mit Sandsturm und blauem Himmel. Der Abstieg zum Schwemmland erfolgt durch ein teilweise sehr enges Blocklavafeld im wahrsten Sinne über Stock und Stein. Das Schwemmland ist völlig trocken und in der Ebene toben heftige Sandstürme mit Sichtweiten unter 5 m, was erhöhte Vorsicht erfordert, um nicht gegenseitig zu kollidieren. Der Aufstieg zum Urdarhals ist sehr gut ausgepflockt- ohne jegliche Sucherei rumpeln wir bergwärts. Auf 1050 m renne ich "kilometerlang" hinter einer davongewehten Landkarte her.
Beim Aussichtspunkt mit den vielen Steinmännchen hat man das Schlimmste hinter sich und die Abfahrt zu den Gasavötn, einer grünen Oase, und weiter zur Sprengisandur ist ein Kinderspiel. Mit Höchstgeschwindigkeit fahren wir noch bis 20 km südlich der Wüstentankstelle Versalir, wo 1 km von der Hauptpiste entfernt oberhalb einer Flußkaskade ein schöner Übernachtungsplatz ist.
     10. August 1994
Auf Höhe des Torisvatn hat man auf einer Kuppe einen phantastischen 360 Grad Rundumblick. Am ganzen Horizont stehen imposante Berge. Vorbei an zwei Kraftwerken und auf einer Brücke über den mächtigen Gletscherfluß Tjorsa kommt man auf einer kleinen Piste zum Haifoss. Es sind zwei Wasserfälle, die 122 m in einen Canyon fallen mit einem bizarren Tal davor. Nach längerem Warten wölbt sich ein großer Regenbogen vor dem unteren der beiden Fossis.
Bei Gjain finden wir eine kleine, fast paradiesische Landschaft mit zwei Wasserfällen, vielen aus dem Berg austretenden Quellen, kleinen Kaskaden und Bächen, Hügeln, Höhlen, Lava und Basaltformationen vor. Alle Wasserläufe sind mit Riesenengelwurz umrandet. Wir starten eine stundenlange Fotoorgie. Vom Parkplatz des 1 km entfernten, alten Gehöfts Stöng führt ein Fußweg zur anderen, genauso imposanten Seite bei Gjain. In kleinen Birkenhainen wachsen riesige Birkenpilze, die sich gut zum Kochen eignen.
Nach dem Gehöft führt ein Weg durch zwei Gatter sowie Wiesen mit rötlichem Gras, vorbei an Pseudokratern und einer Furt zu dem Schwimmbad Reykir. Ein wahrer Highway endet am Schwimmbad, das am Fuße eines Berges hinter einem schwarzen Bretterzaun liegt. In einem großen Schwimmbecken und einem heißen Sitzpool tummeln sich gerade mal zehn Leute. Den Tag beschließen wir auf dem Parkplatz neben einem Fluß beim Gehöft Stöng.
     11. August 1994
Die Steigung mit dem letztjährigen Getriebeschaden passiere ich unbeschadet und inmitten von Bergen liegt der Campingplatz von Landmannalaugar. Durch das Obsidianlavafeld und kleine Solfataren steige ich bei Sonne, Sturm und Hagel auf einem sehr steilen Bergpfad auf die Spitze des 943 m hohen Blahnukur. Von einem Aussichtspunkt mit Windrose hat man trotz Sturm in Orkanstärke und eisiger Kälte einen überragenden Fernblick. Beim anschließenden 30 minütigen Abstieg wird man fast vom Bergkamm geweht und kann vor sandhaltiger Luft kaum die Augen öffnen.
Die 30 km Hochland zur Eldgja sind sehr wasserreich, aber nicht tief. Noch am späten Abend marschieren wir zum brückenlosen Öfarufoss und fahren weiter bis zum Abzweig zur Maelifellpiste.
     12. August 1994
Es beginnt der schönste Islandtag in sechs Jahren. Bei Snaebyli steigt es steil an und kurz darauf steht man vor einem 1 m tiefen Fluß, dem Axlarfoss und dem vor Gletscherkulisse in der Sonne liegenden Quellgebiet Brytalaekir. Kurz nach dem Quellgebiet führt ein Weg durch ein Sandfeld mit bizarren Lavaformationen zum Öldufell und nach Öldufellaekir. Auf dem Weg dorthin liegt unterhalb hoher, schwarzer Sanddünen eine grüne, moosbewachsene Oase mit glasklaren, blau schimmernden Wasserläufen. Bei Öldufellaekir vereinigen sich mehrere Flüsse. Ein Fluß stürzt über die Piste und bildet einen Wasserfall. Davor fließen weitere Bäche und der Hauptstrom rauscht mit großem Gefälle in kleinen Kaskaden talwärts. Daneben fließt ein trüber Gletscherfluß und verschwindet im Fels um kurz darauf in einem tiefen, brodelnden Pool wieder ans Tageslicht zu gelangen.
Der Vulkanberg Maelifell ragt weit aus der Hochebene heraus. Am Bergfuß stelle ich den Hano ab und versuche den Vulkan zu erklimmen. Durch Sand, Asche und Moospolster steigt es steil an. Auf losen Steinplatten und Geröll wage ich mich bis 30 m unter den Gipfel, um dann wegen der Steilheit der oberen Flanke doch auf allen Vieren den Rückweg antreten zu müssen. An einer kleinen Felsschlucht mit Fluß und vorgelagertem Plattenlavafeld vorbei kommt man zu einem weiteren Fluß mit Fußgängerbrücke. Am Alftavatn kreuzt man zeitweise den Wildniswanderweg aus der Thorsmörk. In überragender Bergkulisse mit Fluß und Lavafeld bleibe ich am Fuße des Laufafell stehen.

Im Hochland

In the highlands

     13. August 1994
Hraftinnusker ruft. Auf der rechten Gabelung des "Kringla" wird es fahrerisch immer schwieriger. Starke Steigungen, Bodenwellen, Löcher, kleine und große Querrillen, Wasserdurchfahrten und abenteuerliche Schräglagen wechseln sich ab. 8 km nach der Hauptkreuzung beginnt ein erstes, weiches Schneefeld. Ich mache zwei Querungsversuche und versinke dabei nach 5 m bis zur Radnabe im Schnee. Es ist aussichtslos weiter zu fahren, deshalb marschiere ich zu Fuß weiter.
Nach 3 km muß ich barfuß einen breiten Fluß durchqueren, erreiche die ersten Solfataren und weitere, bergauf liegende Schneefelder mit tiefen Matschlöchern am Beginn. Hier beginnt das Terrain, das nur noch von Isländern befahren wird. Mit riesigen Amischlitten, teilweise mit Anhängern und Schneescootern, ballern sie hier oben herum.
4,5 km vor Hraftinnusker liegen mehrere sehr fotogene Solfatarenfelder am Rande von tief ausgehöhlten und begehbaren Schneefeldern. Diese Eishöhlen und die waschmaschinenartigen und bedrohlich dröhnenden heißen Quellen werden von keinen Touristen besucht.
Zurück am Hano treffe ich den Isländer von unserer Übernachtung beim heißen Wasserfall wieder. Sie kommen gerade mit drei Ford Econolinern und einem Pajero mit Schwung über das Schneefeld gebrettert. Die Reifen bilden an der Aufstandsfläche regelrechte Wülste, so niedrig ist der Luftdruck. Nun wird der Reifendruck wieder erhöht und zwischendurch ein Schluck aus der Brennevinflasche genommen.
Nördlich des Tindfjallajökull beende ich zwischen Bergen und Lavafeldern meine erste, lange Hochlandetappe und erreiche bei Hella die Ringstraße. Die anschließenden 100 Ringstraßenkilometer bis Reykjavik Campsite sind eine angenehme Abwechslung zu den vorangegangenen Hochlandpisten.
     14. August 1994
Ruhetag. Ich gehe vier Stunden in das benachbarte Schwimmbad und sitze abwechselnd im Whirlpool, den Hot Pots und im Dampfbad. Es ist einfach genial und entspannt ungemein. Nach einem solchen Badetag ist man allerdings richtig geschafft.
     15. August 1994
Zuerst werden kleinere Wartungsarbeiten und Reparaturen am Hano durchgeführt und danach verlasse ich Reykjavik auf der Ringstraße nordwärts. In den ausgedehnten Birkenhainen am Thingvallavatn sammle ich jede Menge Birkenpilze, passiere den Laugarvatn und treffe am Geysir auf wahre Heerscharen von Touristen.
Als einziger Tourist stehe ich nach einem kurzen Fußmarsch von der Parallelstrecke zur Kjölur auf der "falschen" Seite am Gullfoss. Eine Basaltsäulenfront in der Schlucht ist nur von dieser Seite einzusehen.
Der Rest der Strecke bis zum Kerlingarfjöll ist allerdings ohne landschaftliche Höhepunkte und um 22 Uhr stehe ich auf 1100 m oberhalb des Solfatarenfeldes.
     16. August 1994
Recht früh steige ich auf dem schmierigen Pfad hinab zu den Solfataren. An einem Nebenarm des Baches kann man in ein schmales Tal hinein gehen, bis ein weiteres Solfatarenfeld an einem Schneefeld das Weiterkommen verhindert. Beim rückwärtigen Queren des Baches bleibe ich knietief im grauen Matsch stecken. Nach einem weiteren Anstieg kommt man zur Hütte am Sommerskigebiet, wo drei Skilifte und eine Schneekatze die Skiläufer in Position bringen. Unter größten Schwierigkeiten steige ich zu Fuß den vereisten Steilhang hoch. Von oben hat man einen hervorragenden Ausblick auf die Umgebung und die Skiläufer, die das über 45 Grad steile Abfahrtstück bewältigen.
In Hveravellir ist die Hölle los und das kleine Bad ist völlig überfüllt.
     17. August 1994
Nach einem kurzen Gang über das Solfatarenfeld zieht es mich zum Einstieg der Hofsjökullnordumrundung. Die dreisprachige Warnung vor Treibsand und reißenden Gletscherflüssen schreckt mich nicht ab, die Strecke alleine zu befahren. Die meisten zu durchfahrenden Gletscherflüsse sind nicht sehr tief, jedoch die riesigen Flußbetten zeugen von großen Wassermassen im Laufe des Jahres. An einem Punkt der Strecke ist man sehr nahe am Gletscher und den davorliegenden Endmoränen. Vermeintliche 500 m bis zum Gletscher dehnen sich auf 1,5 km aus. 30 m vor dem Gletscher versacke ich urplötzlich auf einer sehr matschigen Schottermoräne bis zu den Knien.
An schwarzen Sandkegeln vorbei komme ich zum letzten Fluß vor der Hütte, die als Ausgangspunkt der Nordumrundung von dieser Seite gilt. Er ist 20 m breit, sehr steinig, reißend und 1 m tief. Nach sehr langem Beobachten des Flusses stellt sich die Durchquerung wirklich als recht schwierig heraus.
Von der unbewohnten, aber offenen Hütte führt eine Piste bis zur F72, wo mir nach 65 km das erste Fahrzeug begegnet. An der Laugafellhütte zweigt die F82 nordwärts ab.
Drohende Wolkenformationen, Regen, Hagel, Nebel und ein halbkreisförmiger Superregenbogen verbreiten eine irreale Stimmung. Im Nebel, mit geringster Sicht, fahre ich durch mächtige Steinbrocken in mehreren Serpentinen in das Eyjafardardalur hinab. In diesem sehr engen, rund ausgeschliffenen Gletschertal hat es am Beginn nur Platz für einen Fluß und eine schmale Piste. Irgendwo auf der Strecke bleibe ich am Fluß mangels Licht stehen.
     18. August 1994
Ich fahre nochmals die Serpentinen hoch bis zum Beginn des Tales. Talabwärts ist die wunderschöne Strecke mit wassergefüllten Schlaglöchern übersät oder der Fluß fließt teilweise ganz auf der Piste. Immer wieder fallen von den seitlichen Bergwänden Wasserfälle ins Tal. An diesen Stellen ist alles mit leuchtend grünem Moos bewachsen. Nach 25 km öffnet sich das Tal und der erste Hof kommt in Sicht. Die großen Höfe haben riesige Landmaschinenfuhrparks und liegen vor schneebedeckten Bergkulissen. Das Vorderteil eines Autos mit Kardanwelle dient als Antrieb für irgendein Silo- Ideen muß man haben. Nach 50 km erreicht man mit Akureyri das Ende des Tales.
In der zweitgrößten, mit Bergen umgebenen Hafenstadt Islands riecht es streng nach Fisch. Die Ringstraße schneidet das Ende des Fjords ab und ist deshalb ein beliebter Ort für Angler. Folgt man dem Fjord, so kommt man nach Grenivik. Dieser Ort liegt oberhalb des Fjordes und ist von schneebedeckten Bergen eingerahmt. Diesen Blick genießt man, wenn man in das kleine, blitzsaubere Schwimmbad am Ortsrand geht. Die Duschen und Umkleidekabinen befinden sich in der 50 m entfernten Schule. Das Auto steht unmittelbar neben dem 20 m Becken und dem auf Knopfdruck mächtig sprudelnden Whirlpool. Zwei Stunden sitze ich unter blauweißem Himmel im Hot Pot und es ist "heiiiiß".
Danach bringt mich die Ringstraße zum Godafoss und weiter zum Myvatn. Ich buche zwei Übernachtungen und begebe mich auf meinen Stammplatz am hinteren Ende des Campingplatzes.
     19. August 1994
Es regnet leicht und ist bedeckt- überhaupt kein Myvatnwetter. Deshalb führe ich wieder Wartungsarbeiten durch. Öl einfüllen, Reifendruck erhöhen, Radschrauben nachziehen, Verteilergetriebeschrauben- es fehlen mal wieder zwei von sechs Schrauben und der Rest ist lose, ebenso die Tellerfederabspannung beidseitig vorne am Koffer. Weiterhin ist eine Gummihohlfeder oberhalb der Blattfedern gerissen und hinten rechts und vorne links sind die Stoßdämpfer undicht.
Anschließend fahre ich noch kurz nach Namaskard, wo es um die Solfataren sehr schmierig ist und zur Dampfgrotte Grotagja. Mit Kartenstudium für die letzten fünf Islandtage verbringe ich den Rest des Tages.

Am Myvatn

At Myvatn

     20. August 1994
Kurz hinter Namaskard wird von Straßenbautrupps ein richtiger Highway angelegt. Eine neue Trasse wird aufgefüllt.
Auf dem Jeep Track erreiche ich die Westseite des Dettifoss. Der Wind treibt die Gischt voll auf diese Seite und innerhalb kürzester Zeit ist man klatschnaß.
Am Hafragilsfoss seile ich mich an einem um einen großen Fels gewickelten Tau senkrecht ab. Ein schmaler, ungesicherter "Gönguleid" führt bis an den Wasserfall heran.
Ein anderer Abzweig von der Hauptpiste geht nach Holmatungar. Der Fußweg zur Jökulsa endet bei kleinen Wasserfällen und Riesenengelwurz vor schroffen Felswänden.
Bei Hlodaklettar hat es mächtige Felsgebilde aus Basalt in allen Formen. Es ist nebelig und die ganze Szenerie hat etwas gespenstisches. Hier könnte man durchaus auch einen Science Fiction Film drehen. Bei Asbyrgi verläßt man den Nationalpark und als die 85 das Meer erreicht biege ich links auf eine Sandpiste ab. Es geht direkt bis ans Meer, wo Unmengen Treibgut am Strand liegen und viele Entenschwärme in der Brandung umherschwimmen.
     21. August 1994
In der Nacht hat es geregnet, so daß der tiefe, schwarze Sandstrand oberflächlich hart geworden ist. Ich fahre mehrere hundert Meter am Strand entlang, um endlich umdrehen zu können und an einem zerwühlten Aufstieg nach zwei Versuchen auf die Hauptstraße zu gelangen.
Der Leuchtturm am nördlichsten Punkt des Festlandes, Hraunhafnartangi, ist 1,5 km vom Polarkreis entfernt. Meinen Entschluß auf die Langanes Halbinsel zu fahren nehme ich angesichts der wenig abwechslungsreichen Landschaft zurück- nur Buckelwiesen und ebenes Gelände.
Ab Vopnafjördur wird die Landschaft wieder interessant, denn hinter dem Ort steigt die Straße innerhalb kurzer Distanz in Serpentinen auf 630 m zur Hellisheidi an. Der obere Teil des Passes liegt im Nebel und die Strecke fällt genauso schnell wieder auf Meereshöhe ab, wobei man einen schönen Blick auf die ausgedehnten schwarzen Sander der Jökulsa a Bru hat.
Bei Reydarfjördur komme ich in den Ostfjorden ans Meer und an einem kleinen, den Berg herunterkommenden Bach, gibt es gegrillte Lammkotletts.
     22. August 1994
Ein Leuchtturm, vorgelagerte Felsen im Meer, Vogelfelsen, abgestufte Berge mit Vogelnistkolonien, Pferde und Wasserfälle sind lohnenswerte Motive in den Ostfjorden.
Mehrere kleine Fischerdörfer liegen am Weg und in Stodvarfjördur kann man den Ausstellungsraum eines begeisterten isländischen Mineraliensammlers besichtigen. Nach dem Leuchtturm bei Kabanes führt ein Weg an den Fjord hinunter bis zum Kiesstrand. Der Unterschied zwischen Ebbe und Flut beträgt 1 m und die Kieselsteine rollen bei jeder Welle auf und ab.
     23. August 1994
Als ich am Ende des Berufjördur die kleine Hochlandpiste Öxi angehe, löst sich der Nebel gerade rechtzeitig auf. Holprig, steil und teilweise eng am Berg entlang geht es nach oben. Viele kleine Wasserfälle liegen am Weg und rückwärtig sieht man die drei Berge des isländischen "Monument Valley". Auf 530 m Höhe zweigt eine weitere, sehr wellige, steile und mit Felsbrocken übersäte Stichstraße nach links auf einen Bergrücken ab. Von dort hat man einen phantastischen Rundblick auf die Berge und den unten liegenden Fjord. Plötzlich zieht vom Fjord eine dicke Nebelschwade empor und Nebelfetzen wabern über den Talrand. In Hanomaggeschwindigkeit gewinne ich das Rennen gegen den vorrückenden Nebel und erreiche nach 21 km die Ringstraße und kurz darauf Egilsstadir.
     24. August 1994
Auf der Hochebene lassen sich bei einer Sichtweite unter 10 m gespenstische Nebelbilder aufnehmen. Beim Blick ins Tal auf Seydisfjördur kommt und geht der Nebel in rasanter Geschwindigkeit. Der ganze Ort wimmelt bereits mit Touristen und ich stelle mich an der Tankstelle in den hartnäckigen Nebel am Fjord.
     25. - 28. August 1994
Um 8 Uhr läuft die Norröna ein und ich warte an der Smyril Info auf Stefan und mein Fährticket. Verhältnismäßig früh stehen wir weit vorne im Bug des Schiffes.
Der Bordalltag ist sehr schnell eingekehrt und viele Urlaubserlebnisse werden ausgetauscht.
Samstag Abend um 19.45 Uhr brechen wir von Esbjerg in Richtung Heimat auf und nach einer kurzen Nachtruhe bin ich nach 4536 km zurück in Rutesheim.
 

24.12.2003