1993

Unterwegs im Hochland
Travelling the highlands

Hochland mit einigen Pannen...

Zum ersten Mal versuchten wir die Strecke nach Hrafntinnusker zu bewältigen. Ein gebrochener Schaltknüppel und ein fast verlorenes Verteilergetriebe haben dies jedoch vereitelt. Auch sonst verlief der Urlaub nicht ganz pannenfrei.

     22. Juli 1993
Nachdem alles verstaut ist beginnt bei Kilometerstand 63425 um 17.45 Uhr mein Urlaub. Im Hanomag Eiltempo "rase" ich nordwärts und werde nach 180 km mangels Vortrieb gebremst. Zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt ist der Zusatzfilter verstopft- also wechseln und nach 225 km ist das erste Etappenziel erreicht.
     23. Juli 1993
Stau bei Hannover. Etwas weiter läuft eine Oma mit Krückstock auf der Standspur spazieren. Die Elbe wird im Tunnel unterquert und bei Harrislee ein letztes Mal getankt. Vorbei an schönen friesischen Bauernhöfen und den Hinweisschildern nach Sylt und Amrum gelangt man über Leck nach Tönder in Dänemark. Bei Hjerpsted liegt ein Übernachtungsparkplatz direkt am Meer.
     24. Juli 1993
An der Küste entlang habe ich mächtigen deutschen Gegenverkehr, aber trotzdem nähere ich mich langsam aber sicher Esbjerg. Der dortige Fährhafen ist um einiges größer als der in Hanstholm. Der "Smyrilkai" ist nirgends ausgeschildert- doch da steht bereits ein Hanomag. Es sind Jürgen, Carsten und Werner aus Remscheid. Warten, warten, warten. Total ungeordnet wird vor dem Eingangstor des Fähranlegers geparkt. Allrad Ruhland trifft ein. Warten, warten, warten. Mit Verspätung kommt die Fähre um 19 Uhr endlich an. Es folgt das übliche chaotische Entleeren der Fähre, wobei durch eine Ampelanlage zusätzlich ein Rückstau verursacht wird. Als das Schiff leer ist beginnt das Einchecken. Auf ein Startkommando drängen mindestens zehn Spuren Autos auf zwei Spuren zusammen. Jetzt herrscht wirklich absolutes Chaos und Faustrecht. Wir warten. Hinter uns stehende Wohnmobilisten werden ungeduldig und ausfällig. Es beginnt ein regelrechter Kampf beim Einordnen. Walter Ruhland bekommt fast einen Schock als er erfährt, daß er in Torshavn rückwärts aus der Fähre fahren muß. Um 23.30 Uhr bin ich endlich an Bord und um 0.15 Uhr startet die Fähre durch.
     25. Juli 1993
Bordlangeweiletag. Ich treffe den Autor des Reiseführers "Island erfahren", Karl Wiktorin, mit Frau Annelie.
     26. Juli 1993
Land in Sicht- die Färöer sind erreicht. Oberhalb Eidi stelle ich mich auf meinen Aussichtsplatz auf Risin und Kellingin. Ein Toyo aus Freiburg und der andere Hanomag sowie ein PKW gesellen sich dazu. Einer Prozession gleich fahren die frisch auf den Färöer gelandeten Touristenautos um die Insel.
     27. Juli 1993
In der Nacht kam der Nebel und die Felsen im Meer sind verschwunden. Um 11 Uhr wollen wir starten. Hanomag 1- läuft nicht, Hanomag 2- läuft ebenfalls nicht. Ich baue den Filter an der Einspritzpumpe aus- er ist voll Öl und Dreck. Einbauen- läuft. Bei den Remscheidern hat es den halben Pol einer Batterie abgeschmolzen- Kurzschluß an der Klemme. Die Klemme wird getauscht- läuft.
Der kleine Fischerort Gjögv ist auch am zweiten Tag von Touristen überlaufen, die die Papageientaucher über dem Naturspaltenhafen bewundern. Der Tunnel nach Torshavn ist wegen CO Alarm nicht befahrbar und auf dem Weg über den Berg ist es völlig nebelig. An der Südküste nächtigen wir an einer wenig frequentierten Straße auf einer Wiese am Meer. Es gibt Tee mit Geschmacksverstärker.
     28. Juli 1993
Morgens steht eine Kuhherde im Windschatten unserer Autos. Gemütlich tuckern wir nach Torshavn, wo Ruhland und "die Rosenheimer" bereits am Fähranleger stehen. Die "Dinos" werden alle im Bug der Fähre verkeilt.
     29. Juli 1993
Nach zwei Stunden Wartezeit am Zoll haben wir unsere Dieselsteuer bezahlt und düsen los. An der nächsten Tankstelle treffe ich Dieter im Münchner I-Trupp. Seine vier Wochen Urlaub in Island waren angeblich nur kalt. Trotzdem nehmen wir guten Mutes den folgenden Paß in Angriff. Eine Armada holländischer Caravaner zieht eine kilometerlange Schlange hinter sich her.
Der Aufstieg zum Hengifoss auf der Westseite des Lagerfljot dauert eine Stunde. Auf halbem Weg sieht man zwei Wasserfälle, wobei der untere mit hohen Basaltsäulen umrahmt ist. Um den Hengifoss, den mit 118 m Fallhöhe dritthöchsten Wasserfall Islands, richtig einsehen zu können, ist einige Kraxelei erforderlich. Auf einem hoch oben liegenden Felsvorsprung hat man den besten Ausblick.
Die autobahnmäßig ausgebaute Strecke zum Snaefell beginnt mit einem scharfen Anstieg um mehrere hundert Meter. An der 18 km vom Gletscher entfernten Hütte übernachten wir. Die Berge sind noch voll mit Schnee und es beginnt bei 2 °C leicht zu schneien. Eine zwischen die Autos gespannte Plane hält die Eingänge trocken, während wir im Hano sitzen und es uns gut gehen lassen.
     30. Juli 1993
Am Morgen liegt eine dünne, geschlossene Schneedecke. Am Hano fehlt fast das ganze Motoröl und er hat zudem enorme Startschwierigkeiten. Nun fahren zwei Hanos, ein Toyo und ein Nissan mit Kabine in Richtung Vatna.
An der freigeschobenen Durchfahrt durch eine Schneewehe ist ein großes Matschloch entstanden. Schräg schaukelnd fahren wir alle hindurch bis auf Philippe mit dem Nissan. Er bleibt mehrmals im Matsch stecken und ich ziehe ihn jeweils wieder heraus. Wie sich später herausstellte ist dies seine erste Allradtour mit diesem Auto und er wußte nicht, wie man den Allrad einlegt. Das erste Auto wird zurückgelassen. Durch Schotterfelder erreichen wir eine verschneite Bergkuppe mit unbeschilderter Kreuzung. Der gerade Weg führt an ein 15 m langes, bergauf liegendes Schneefeld. Hier bleibt der zweite Hano mit seinen hinteren Zwillingsreifen im Schnee stecken. Ich versuche ihn bergauf zu ziehen- vergeblich. Dies ist aber gleichzeitig die Geburtsstunde des horizontalen Hanomag Bungee Jumpens. Das zweite Auto wird zurückgelassen. 1 km weiter ist das Ende mit einem 50 m langen und sehr weichen, bergauf liegenden Schneefeld erreicht.
5 km vor dem Gletscher drehen wir ohne es zu probieren um. Das Matschloch in der Schneewehe ist bergauf noch interessanter zu fahren und eignet sich hervorragend für Videoaufnahmen. Direkt hinter der Matschpassage steht ein Toyota Landcruiser im 90° Winkel zur Piste mit total abgesackter Hinterachse und Plattfuß. Auch ihn ziehe ich heraus. Die Besatzung wollte nur wenden und hat dabei den tückischen Untergrund unterschätzt.
An der Hütte wärmen wir uns zuerst auf, wobei die Hüttenwirte von 1 m tiefen Flüssen nach Bru erzählen. Dies schreckt uns jedoch nicht ab. An einer 30 m langen Matschpassage traut sich Philippe nicht so richtig und er bleibt prompt stecken. Nochmals kommt das Abschleppseil zum Einsatz und eine steile Abfahrt ins Hrafnkelsdalur bis ans Ufer der Jökulsa a Bru beendet unseren erlebnisreichen Tag. Dort schlagen wir direkt am Fluß erneut ein Planenlager in Wildwest Manier auf.

Festgefahren im Matsch
Stuck in the mud

     31. Juli 1993
Heute legt Hano einen richtigen Blitzstart hin. Nach 3 km steht die letzte und mit 90 cm tiefste Flußquerung an. Null Problemo. Eine schmale, schwankende Hängebrücke Marke Eigenbau benutzen wir als willkommene Abwechslung. In Bru wird aufgetankt und auf guter Piste donnern wir zur F98. In einer ebenen Schotterwüste mit wetterbedingt wenig Sicht begegnen uns nur ein Fahrradfahrer und ein Bus.
Beim Hangeln an einem Seil über die Kreppa verliert "Crocodile Rainer "seinen berühmten Filzhut. In einer hufeisenförmigen Aussparung eines angrenzenden Lavafeldes schlagen wir etwa 100 m vom Fluß entfernt unser Nachtquartier auf.
     1. August 1993
Schock!!! Wir werden von der Sonne geweckt. Nachdem Philippe den durch eine steinige Wasserdurchfahrt verschobenen Aufbau seines Nissans wieder justiert hat fahren wir ab zur Askja, während Rainer und Sandra zurück nach Egilsstadir müssen um einen weiteren Passagier abzuholen.
Die letzten Kilometer durch das junge Lavafeld bis zur Caldera sind seit letztem Jahr sehr gut befahrbar. Die Isis haben eine richtige Rennpiste angelegt. Doch was ist das? 2 km unterhalb des normalen Askjaparkplatzes liegt noch ein mächtiges Schneefeld. Nur ein isländischer Bigfoot fährt weiter und zieht reihenweise normale europäische Geländewagen aus dem Schnee, da es ja jeder den Isländern nachmachen will. Dieser Spielplatz ist jedoch gänzlich den Isländern vorbehalten. Nur kleine Stellen der Caldera sind schneefrei, sonst ist alles bis zu 2 m eingeschneit. Mühsam marschieren wir in einer schmalen, ausgetretenen Spur an den Kratersee. Nach einem glitschig, schlammigen Abstieg mitten in einem kleinen Bach stürzen wir bei beginnendem Regen in die warmen Fluten des Viti. Dies ist wohl einer der ungewöhnlichsten Badeplätze, die man sich vorstellen kann- tief unten in einem milchigtrüben, 25 °C warmen und nach Schwefel stinkenden Krater. Die wenigsten Touristen trauen sich in den Krater und deshalb stehen sie alle am Rand und starren hinab.
Kurz vor der Ringstraße bleiben wir auf einem großen, ebenen Lavaplattenfeld stehen.
     2. August 1993
Ein Italokonvoi kann es nicht fassen, daß die Gasa gesperrt ist. Mit Höchstgeschwindigkeit brettern zwei Hanos bis Namaskard. Das Solfatarenfeld liegt unter gespenstisch wirkenden Rauchwolken und man hat das Gefühl, der Entstehung der Erde sehr nahe zu sein.
Im Schwimmbad wird bei 20 °C Lufttemperatur richtig entspannt- fast alleine sitze ich zwei Stunden in den Hot Pots. Nach den üblichen Wartungsarbeiten auf meinem Stammplatz am Campsite wandere ich zu der neben der Hauptstraße gelegenen Dampfgrotte Storagja. Auf Leitern und mit Seilen gelangt man in die Höhle, die leider nicht mehr zum Baden geeignet ist.
     3. August 1993
Die Westseite des Dettifoss ist interessanter als die Ostseite und auf einer nicht stark befahrenen Jeeppiste zu erreichen. In der Gischt des Dettifoss wölbt sich ein phantastischer Regenbogen über den Canyon. Die Fernsicht ist gleichzeitig so gut, daß der in 80 km Entfernung liegende Herdubreid unwirklich nahe erscheint. Der im gleißenden Sonnenlicht liegende Wasserfall ist von dieser Seite aus betrachtet noch mächtiger anzusehen, als von der gegenüberliegenden Seite.
Auch hoch oberhalb des Hafragilsfoss steht ein leuchtender Regenbogen. Lange sitze ich am Rand des Canyons und genieße den Ausblick ins Tal, wo ab und zu Wanderer vorbeikommen.
Ein um einen großen Felsen gewickeltes Tau führt etwa 30 m senkrecht in die Schlucht hinab und man kann auf einem schmalen Pfad am Fluß entlanggehen.
Beim Standgas einstellen bemerke ich, daß der Ölstab des Kompressors fehlt und ich deshalb eine richtige "Ölpest" unter der Motorhaube habe. Eine M8 Schraube, mit Teflonband umwickelt, behebt das Problem.
Kurz vor der Ringstraße treffen wir uns alle wieder und errichten ein Camp am Pistenrand. Der abendliche Ausblick reicht zum Herdubreid und weiter zum in 120 km Entfernung liegenden Vatnajökull. Bei Vollmond machen wir ein Feuer aus alten, abgestorbenen Wurzeln und genießen noch sehr lange die imposante Kulisse.

Regenbogen im Jökulsa Canyon

Rainbow in Jökulsa canyon

     4. August 1993
Sonne pur. Im kleinen Park am Myvatn schwirren am Wasser Myriaden von kleinen Mücken umher. Die ganze Luft ist von einem Surren erfüllt und die im See umherpaddelnden Enten leben wie im Schlaraffenland. Die Lavaformationen im See, mit dem davor wachsenden Riesenengelwurz und die etwas weiter im See liegenden Pseudokrater bilden wirkliche Bilderbuchpanoramen.
Die Laxa, einige Hochlandseen und der Godafoss sind wunderschöne Fotomotive. Hinter Myri beginnt die Holperpiste der Sprengisandur. Am Aldeyjarfoss hält sich zunächst eine dunkle Wolke hartnäckig über dem Wasserfall und verschwindet erst nach längerem Warten. So ist der Blick frei auf den Aldeyjarfoss mit Basaltsäulen und Regenbogen. Am Hrafnarbjargarfoss stehen wir in einer Mulde, die uns aber nicht vor dem aufkommenden Sandsturm schützt. Harry mit seinem 404 Unimog gesellt sich dazu und mit Obstler und Wodka trotzen wir den Widrigkeiten des Wetters.
     5. August 1993
Sandsturm- der Wind bläst mit Orkanstärke. Ein Aussteigen aus dem Fahrzeug ist fast unmöglich. An der Nyidalurhütte steht eine Kompanie GI's in voller Kampfmontur im Sturm. Die Szenerie hat etwas unwirkliches und scheint einem Science Fiction Film auf einem fremden Planeten entlehnt zu sein. Nach der Wüstentankstelle Versalir wird die Piste besser und die Geschwindigkeit kann erhöht werden. Es sind jedoch immer wieder heimtückische Schlaglöcher und ausgewaschene Straßenränder in der Piste.
Beim Kraftwerk Sigalda biegen wir in Richtung Landmannalaugar ab. An einer Steigung macht es in meinem Getriebe "Ratsch"!! Das war's!! Lagerschaden- das Getriebe läßt sich nicht mehr schalten. Die Remscheider schleppen mich zurück zum Kraftwerk. Wir versuchen das Kraftwerkspersonal um Hilfe zu bitten, aber es scheint nachts nicht besetzt zu sein. In der gläsernen Eingangshalle befindet sich ein Telefon und wir rufen 505. Lange unterhalten wir uns mit einem 30 km entfernt wohnenden Isländer, der uns aber bei Nacht nicht weiterhelfen kann.
     6. August 1993
Wir rufen den Notruf 601 in Reykjavik an. Dort wird uns gesagt, daß das Personal vom 30 km entfernt liegenden Kraftwerk bereits zu uns unterwegs ist. Der erste ankommende Isländer kann nur wenig Englisch, aber er versucht sofort anhand der internationalen Lagerbezeichnungen passende Lager in einer Ersatzteilliste ausfindig zu machen. Er erlaubt uns ebenfalls, auf die ebene Betonplatte direkt vor die Eingangshalle des Kraftwerks zu fahren und zu reparieren.
Wir haben das Schaltgetriebe noch nicht einmal ausgebaut, da bringt ein weiterer Isländer bereits vier Lager mit. Zwei davon passen die anderen beiden haben leider keine Nut. Aber auch das ist für das Organisationstalent der Isländer kein Problem. Sie rufen in Reykjavik an, wo die fehlenden Lager vorrätig sind. Sie werden dem öffentlichen Bus mitgegeben und nach Hella an der Südküste in eine Werkstatt gebracht. Nachdem wir das Getriebe ausgebaut haben stellen wir tatsächlich den vermuteten, kapitalen Lagerschaden fest. Ein Lager hat es völlig zerlegt. Käfig, Außenring, Innenring und mittig zerrissene Kugeln liegen separat im Getriebegehäuse. Mit dem zweiten Hano fahren wir ins 100 km entfernte Hella. 15 Minuten bevor die Werkstatt schließt treffen wir ein und 10 Minuten später kommt der Bus mit den Lagern an. Kostenpunkt 3800 IKr. Einen fehlenden Sprengring erhalten wir weit nach Feierabend gegen eine Dose Bier in einer 500 m entfernt gelegenen Werkstatt. Nun reicht es uns sogar noch auf einen Kurzbesuch im örtlichen Schwimmbad. Vorbei an der Vollmond beschienenen Hekla sind wir um Mitternacht zurück am Kraftwerk. Dies war der erste Teil des isländischen Organisationswunders.
     7. August 1993
Die Kraftwerksbesatzung erlaubt uns, das Getriebe in der Turbinenhalle auf einer Werkbank direkt vor dem Leitstand zusammenzubauen. Unvorstellbar hilfsbereit fragen sie ständig, ob uns etwas fehlt und ob sie uns helfen können. Im Untergeschoß des Kraftwerkes haben sie wohl die am besten ausgerüstete Werkstatt im weiten Umkreis. Alle Lager passen und am frühen Nachmittag unternehme ich bereits die erste vorsichtige Probefahrt. Als Dank gebe ich den Isländern zwölf Dosen Bier und ich brauche die beiden Lager aus den Kraftwerksbeständen nicht einmal zu bezahlen. Die Isländer freuen sich und ich bin überglücklich, daß diese Aktion in so kurzer Zeit und so absolut perfekt abgelaufen ist. Dies wäre in Deutschland völlig unmöglich gewesen.
Am Campsite in Landmannalaugar ist das Bad auch kurz vor Mitternacht noch vollständig mit Holländern und Schweizern überfüllt.
     8. August 1993
Der Riesen GAZ taucht wieder auf. Die Karosserie ist russisch, die Technik mit V8 Motor und 300 PS amerikanisch, aber der "Spirit" ist, wie uns sein Besitzer versichert, isländisch.
Die Hochlandstrecke zur Eldgja ist auch im Nieselregen wunderschön. An der Eldgja bestätigen sich die Gerüchte, daß die Natursteinbrücke über den Öfarufoss eingestürzt ist. Geheimnisvoll liegt der Wasserfall im Nebel.
Eine in der Karte eingezeichnete Abkürzung zur Maelifell finden wir leider nicht und so folgen wir einer Hochspannungsmastenpiste. Im ersten Gang mit Untersetzung kämpfe ich mich einen sehr steilen Anstieg hoch. Von oben hat man einen Blick ins nächste Tal, aber ein Weiterkommen ist nicht möglich. Ein nun notwendig werdender bergab liegender U-Turn in einem Weichsandfeld um einen Strommasten bringt den Hano fast zum Kippen.
Bei Dunkelheit, Regen und Nebel stellen wir uns auf den Parkplatz einer kleinen, beleuchteten Kirche am Beginn der Myrdalsjökull Nordumrundung.
     9. August 1993
Die Trolle und Elfen haben uns in der Nacht nicht besucht. Hinter dem letzten Hof steigt es gleich steil zur Hochebene an. Auf einer unverständlicherweise kaum befahrenen Piste fahren wir immer in Sichtweite des allgegenwärtigen Myrdalsjökull durch eine phantastische Bergwelt. Der Axlarfoss, das Quellgebiet von Brytalaekir und ein über die Piste abstürzender Wasserfall beim Öldufell sind unsere ersten Stationen.
Eine kleine Piste führt durch ein schwarzes Tiefsandfeld. An einer Steigung und an einem Aufstieg aus einem Flußbett muß ich den anderen Hano mit seiner schmalen hinteren Zwillingsbereifung hochziehen.
Kurz hinter dem Vulkankegel des Maelifell kann man in einem ausgetrockneten, aber festen Flußbett in Richtung Gletscher abbiegen. Zwei deutsche Geländewagen folgen uns. Kurz vor dem Gletscher bleiben wir auf hartem Untergrund stehen und in diesem Moment fährt einer der Geländewagenidioten "Full Speed" an uns vorbei und versenkt seinen Wagen in der folgenden, tückischen Matschlandschaft. Der zweite Geländewagen will ihn herausziehen. Denkste- purer Matsch und kein Power. Für den Hano ist das Herausziehen kein Problem.
Mit Pickel und Steigeisen erklimmen wir den Anfang des mächtigen Gletschers. Das abfließende Schmelzwasser gurgelt in unzähligen Ritzen und Spalten talwärts.
Eine ebene Sandfläche, ein Plattenlavafeld und der Abzweig zum Alftavatn schließen sich an. Mangels Standgas bleiben wir auf halber Berghöhe stehen und genießen den Sonnenuntergang.

Am Laufafell

At Laufafell

     10. August 1993
Auf wunderschöner Piste fahren wir nordwärts. Plötzlich stehen zwei Anhalter mit vollem Gepäck mitten auf der Piste. Sie haben ihr Auto in einer Furt verlassen müssen und sind nun bereits seit fünf Stunden auf der Suche nach Hilfe, ohne daß ihnen auch nur ein Fahrzeug begegnet wäre.
An einer Steigung bemerke ich, daß das Verteilergetriebe völlig lose ist. Alle Schrauben sind losgerüttelt und zwei Schrauben fehlen bereits. Ein Unglück kommt selten allein und deshalb bricht mir bei der Ausfahrt aus einem Flußbett der Schalthebel oberhalb des Getriebedeckels ab. Mit einer Handbohrmaschine wird ein Loch gebohrt und die beiden Teile notdürftig mit einem Splint verbunden. Carsten und Werner bergen derweil den gemieteten Isuzu der beiden Anhalter. Bedingt durch meine "Rührschaltung" fahren wir, ohne viel zu schalten, mit Untersetzung die 65 km zurück nach Hella.
     11. August 1993
Mit ausgebautem Schaltknüppel stehe ich vor der mir bereits bestens bekannten Werkstatt. Für 1980 IKr wird er sofort abgeschliffen, geschweißt und hartgelötet. Danach funktioniert er wieder perfekt.
Am Abzweig der 30 verabschiede ich mich von den Remscheidern, denn sie haben eine Woche länger Zeit und fahren deshalb in eine andere Richtung.
Der Campingplatz in Reykjavik wird von einer Armada italienischer Wohnmobile belagert- Rom, Island, Grönland steht darauf zu lesen. Nach ausgiebigem Bad im benachbarten Sundlaug treffe ich Karl Wiktorin und seine Frau mit ihrem Toyo auf dem Campingplatz. Zusammen mit einem Isländer unterhalten wir uns noch lange über unsere bisherigen Islanderfahrungen.
     12. August 1993
Ein Deutscher poliert stundenlang seinen 1300 Unimog und wir können das Lachen kaum verbergen. Meine linke Batteriehalterung hat sich losgerüttelt und die Batterie kippt auf die Lenkung. Wiederum sehr zügig schweißt Sigis Garage für 800 IKr die Halterung fest.
Reykjavik ist Hauptstadt und dennoch Dorf geblieben. Die letzten Modeschreie sind aber auch hier längst angekommen und eine Heavy Metal Band findet in der Fußgängerzone viele Zuhörer.
Der Warmwasserspeicher bei Öskjuhlid ist Kulturzentrum, Restaurant und Aussichtspunkt zugleich. Im Innern erhebt sich alle paar Minuten ein künstlicher Geysir bis unter die Hallendecke.
Zusammen mit den Wiktorins, Bernd und Asgeir fahren wir um 22.30 Uhr nochmals in die Stadt ins Café Paris. Ein kleines Tuborg kostet 480 IKr (12 DM). Asgeir und Bernd sind Fremdenführer und erzählen von ihren Erlebnissen mit den Touristen.
     13. August 1993
Ich verlasse Reykjavik auf der Ringstraße in nördlicher Richtung um kurz hinter Mosfellsbaer nach Thingvellir abzubiegen. Am Geysir stürmt es ordentlich und am Gullfoss wird die Gischt direkt ins Objektiv der Kamera getrieben. Durch den Sturm liegt die Kjölur Route unter einer braunen Sandwolke.
Durchgehender Nebel bedeckt das Kerlingarfjöll und bei Hveravellir haben die Außentemperaturen den Gefrierpunkt erreicht. Um Mitternacht ist der Parkplatz in eine geschlossene Schneedecke gehüllt.
     14. August 1993
Badetag. Die Temperatur im Pool beträgt nur etwa 38 °C. Ich bin absolut alleine, also kalter Schlauch raus und warten. Nach 1,5 Stunden beträgt die Temperatur je nach Aufenthaltsort 40 °C bis 44 °C. Touristenbusse kommen, fotografieren und gehen wieder, aber keiner hat Zeit zum Baden. Nur zwei Isländer wagen es- heiß, sehr heiß. Drei Stunden Badetag sind genug. Vorbei am Blöndulon kommt man über die Kraftwerksrennpiste, die Ringstraße, Varmahlid, Nordurdalur, Öxnadalsheidi, Akureyri bis zu einem Übernachtungsplatz in der Nähe des Godafoss. Außer dickem Nebel ist nichts zu erkennen.
     15. August 1993
Die Nordumrundung des Myvatn ist nicht befestigt. Innerhalb weniger Kilometer wird der Hano mit einer dicken Schlammschicht überzogen.
In Namaskard besteige ich den sehr steilen Schwefelaussichtsberg. Von mehreren Punkten hat man eine geniale Rundumsicht auf den Myvatn, die Krafla, die Vulkane und die Solfataren. Die Farben sind überwältigend. Rot, grün, gelb, schwarz, weiß- alles ist vorhanden.
Langsam schlendere ich zum Auto zurück, wo bereits ein Fahrradfahrer, den ich an der Südküste mitgenommen habe, auf mich wartet. Er ist total durchgefroren und will bei mir im Auto pennen oder besser noch bis zur Fähre mitgenommen werden. Nein!
     16. August 1993
Am Ausbruchgebiet der Krafla von 1984 dampft es noch immer gewaltig. An manchen Erdöffnungen ist es warm wie im Dampfbad. Am Rand des Kratersees Viti liegen teilweise noch 3 m Schnee vor dem pfefferminzgrünen Wasser.
Im Schwimmbad herrscht Jubel, Trubel, Heiterkeit. Mehrere Busse kommen gleichzeitig an. Eine Gruppe erzählt von morgendlichen 40 cm Schnee an der Askja. Am Campingplatz hat das italienische Wohnmobilgeschwader meinen Stammplatz belegt.
     17. August 1993

Bei blauem Himmel und 20 °C steige ich nochmals auf den Schwefelberg bei Namaskard. Drei Stunden lasse ich die Farbenpracht auf mich wirken, um dann langsam in Richtung Egilsstadir zu fahren. Die Fernsicht ist enorm. Am Horizont stehen schneebedeckte Berge. Kurz hinter der Kreuzung F98 zum Kverkfjöll steigt die Straße zu einem Aussichtspunkt mit vielen Steinmännchen an. Der Rundumblick auf mondähnliche Landschaft ist einzigartig.
Bei Egilsstadir hat sich der Kreis geschlossen. Auf dem Campingplatz stehen bereits "die Rosenheimer" Günter und Sieglinde mit ihrem Hano. Bis weit nach Mitternacht werden Reiseerlebnisse ausgetauscht.

     18. August 1993
Wir fahren nochmals am Lagerfljot entlang zum Hengifoss. Der untere Wasserfall liegt kurzzeitig in der Sonne, wogegen der Hengifoss selbst direkt unter einer dunklen Wolke liegt. Der Sturm peitscht kleinere Wasserfälle nach der Absturzkante sofort wieder in die Luft, ohne daß das Wasser den Boden erreicht.
Am gegenüberliegenden Ufer des Sees kommen wir durch den größten Wald Islands mit vielen Ferienhäusern und Campingplätzen. Von 30 m führt der Anstieg auf die Fjardarheidi innerhalb weniger Kilometer auf 600 m über dem Meer. In Seydis stellen wir uns auf einen Platz am Fjord, wo nach kurzer Zeit auch Allrad Ruhland eintrifft.

Hengifoss

     19. - 22. August 1993
Mit vielen Motorrädern und sogar Autos auf dem Sonnendeck legen wir mit 1,5 Stunden Verspätung ab. An Bord treffe ich österreichische Bekannte vom Urlaub 1989.
Am Samstag gegen 20 Uhr läuft die Fähre in Esbjerg ein. Nach 16 Stunden erreiche ich auf dem Zahnfleisch, mit großen Öl- und Kupplungsproblemen, Rutesheim.
 

24.12.2003