1992

Hanomag und Magirus in Brytalaekir

Hanomag and Magirus in Brytalaekir

Hanomag, Magirus und Toyota auf der Gasavatnaleid...
Bereits für den Anfang dieser Tour hatten wir uns die "legendäre" Gasavatnaleid ausgesucht. Die Piste hielt was sie versprochen hatte- extremes Gelände und teilweise keine Streckenmarkierungen.

     30. Juli 1992
Endlich ist es so weit!! Nach kurzer Rücksprache mit Ulli treffen wir uns um 19.30 Uhr in Wunnenstein. Ein Hano und der Highlander Magirus "düsen" noch bis kurz hinter Fulda.
     31. Juli 1992
Unsere Oldies zuckeln gemütlich über die Autobahn in Richtung oberer Rand der Landkarte. Am Hamburger Elbtunnel staut sich der Verkehr wie üblich. Die Temperatur beträgt um 30 °C. An der dänischen Grenze werden slowenische Trucker und türkische Reisebusse sehr genau kontrolliert, wir jedoch durchgewunken. Nach 30 km Dänemark bleiben wir auf einem Rastplatz an der Autobahn. Die Sonne scheint, also werden die Stühle ausgepackt und im Minifernseher Olympia geguckt.
     1. August 1992
In Hanstholm ist bei unserer Ankunft noch alles ruhig, aber es herrscht eine "Marienkäferplage". Unmengen dieser rot-schwarzen Krabbelkäfer bevölkern den Hafen und alles was sich darin befindet. Als die Fähre endlich einläuft kommt nur der Münchner Elefantenhano heraus und ich leihe mir bei ihm eine hintere Ersatzblattfeder aus.
Es sind nur sehr wenige Passagiere an Bord und schnell stellt sich die Fährlangeweile ein.
     2. August 1992
Fährtag- nichts los. Autodeck geschlossen. Sonnendeck. Wetter windig, nieselig und nebelig.
     3. August 1992
Um 5 Uhr läuft die Norröna bei ruhiger See in Torshavn ein. An der Straße 10 in Richtung Hvalvik frühstücken wir oberhalb eines Fjordes mitten im Nebel vor den Autos. Am Fjord in Saksun nieselt es von oben und von unten setzt die Flut ein. Deshalb gestaltet sich der Rückweg sehr feucht. Ohne Schuhe und manchmal hüfttief im Wasser marschieren wir über Sandbänke, Felsen und Wiesen zurück zu unseren Fahrzeugen an einem kleinen See.
     4. August 1992
Nebel wabert über den kleinen See. Olympia und faulenzen ist angesagt. Der schöne Aussichtspunkt oberhalb Risin und Kellingin bei Eidi ist bereits von einem wie ein rasender Kühlschrank aussehenden Unimog, mit fürchterlich zusammengeschustertem VW LT Aufbau, belegt. Kurz unterhalb ist ebenfalls an der Straße ein weiterer Parkplatz zu vergeben. Mit den einzigen Sonnenstrahlen des Tages unternehmen wir eine Querfeldeinwanderung durch Torfmoorwiesen zu den Klippen am Meer. Abends serviert TV Färöer Olympia mit herrlichem Blick aufs Meer.
     5. August 1992
Langsam fahren wir nach Torshavn zurück- es nieselt. Nach einem Spaziergang im Ort regnet es. Auf Spur 24 wartet der Hano auf die Fähre- es schifft fürchterlich. Mit 2,5 Stunden Verspätung verläßt die Fähre den "gastlichen Ort". Diesmal ist das Schiff bis zum Rand mit Passagieren vollgepackt. An der Bar trinke ich mit Sigi und Walter mehrere Schlafbierchen.
     6. August 1992
In der Kabine stinkt es saumäßig. Island ist bereits in Sicht, es liegt allerdings größtenteils im Nebel. Am Fjord vor Seydisfjördur hellt es auf. Anlegen. Rückwärts raus und am Zoll anstellen. Die Dieselsteuer beträgt für drei Wochen 16203 IKr. Der Zöllner winkt uns durch und wir haben unsere ganzen Lebensmittel umsonst versteckt. Sigi und Walter im Toyota HDJ80 schließen sich uns an. In einer wahren Prozession von Autos schlängelt sich der Inhalt der Fähre über den Paß nach Egilsstadir. Die ersten Kilometer Island sind wie immer genial.
Nach 130 km werden die Autos in Grimsstadir nochmals vollgetankt. Als Orientierung zur Askja dient uns der untere, nicht im Nebel liegende Teil des Herdubreid. Lavafelder und erste Flußdurchfahrten wechseln sich ab. In Herdubreidarlindir übernachten wir bei pfiffiger Kälte für 400 IKr auf dem Campingplatz. Gute Nacht Island. Es ist totenstill.
     7. August 1992
Der Herdubreid zeigt seine schneebedeckte Spitze, aber eine Nebelwand umhüllt den Rest. Ein Bach und die am Ufer wachsenden Blumen leuchten in der Morgensonne.
Unser Start verzögert sich, da beim Magirus ein Kabel zum Vorglühen losvibriert ist und der Hano durch die kalte Nacht Startprobleme hat. Ein neues Vorglühkabel wird provisorisch verlegt und der Hano unter Qualmwolken fremdgestartet.
Im anschließenden Lavafeld kracht und scheppert es und am Wasserfall der Jökulsa treffen wir den großen Landi von den Shetlands wieder. Die Strecke bis zur Askja ist nicht sehr schwierig bis auf die letzten 8 km durch ein frisches Lavafeld. Denkste! Die Piste wurde fast "autobahnähnlich" ausgebaut- keine spitzen Brocken oder Unebenheiten- nichts mehr.
Mit Badezeug marschieren wir los in Richtung Kratersee Viti. Die ganze Caldera ist innen abgetrocknet und es liegt kein Schnee mehr. Viti und Öskjuvatn strahlen um die Wette. Schwefeldämpfe liegen in der Luft- es ist Badetag. Das Wasser ist milchig trüb aber schön warm. An manchen Stellen versinkt man bis zu den Waden im Schlamm.
An der Askjahütte beginnt die "Gasa" Piste. Nach wenigen Kilometern erreicht man ein langes Tiefsandfeld. "Suuuuuper"! Der Toyo kann seine 200 PS ausspielen und er brettert über die teilweise topfebene, schwarze Sandfläche. Nach 26 km bleiben wir mitten auf der Piste in einem Sand- Lavafeld stehen und übernachten.

Askja mit Badesee Viti
Askja with bathing lake Viti

     8. August 1992
In der Nacht herrschte wieder absolute Stille. Ein weiterer phantastischer Hochlandtag beginnt. Im wahrsten Sinne über Stock und Stein geht es weiter. Sehr enge Lavafelder wechseln sich mit Sandpassagen und blockiger Steinwüste ab. Es folgen steile Aufstiege mit losem Geröll und Sand sowie Abfahrten mit großen Höhenunterschieden und Schwemmsandfelder, die allerdings kaum Wasser führen. Off Road pur! Ulli bleibt mit seiner Bereifung mehrmals an Aufstiegen mit weichem Sand hängen. Ich fahre nur mit Untersetzung und unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt teilweise weniger als 5 km/h. Am Vulkaneinbruch des Urdarhals sind wir auf 1025 m angelangt. Rechts und links liegen Kistufell mit 1446 m und Dyngjuhals mit 1013 m. Lange Zeit bewegen wir uns am Rand eines Gletschers entlang und in einer "Eisgarage" wird der Hano kurzerhand eingeparkt. Der höchste Punkt der Strecke liegt 1178 m hoch und ist mit Unmengen Steinmännchen dekoriert. Unser Tagesziel ist mit der Schutzhütte in der grünen Oase Gasavötn erreicht.
     9. August 1992
Auch heute hat der Hano morgendliche Startprobleme und der Toyo zieht mich über das Schotterfeld. Mit einer riesigen Qualmwolke läuft er widerwillig an. Auf den restlichen Kilometern bis zur Sprengisandur queren wir mehrere wasserlose Flußbetten. An der Nyidalurhütte prescht ein Reisebus nach dem anderen vorbei. Während der ganzen Gasa war nicht so viel Verkehr wie auf der Sprengisandur in fünf Minuten. An der mit einem Notstromaggregat betriebenen "Wüstentankstelle" tanken wir auf und mischen uns bei Kaffee und Kuchen unter das Touristenvolk.
Beim Sigalda Wasserkraftwerk zweigt die Strecke nach Landmannalaugar ab und schlängelt sich als Sandrennpiste durch ein Lavafeld. Die letzten Kilometer sind schlaglochübersät. Der Campingplatz ist gut besucht und viele Bustouris bauen für 400 IKr ihre "Hundehütten" auf.
Kurz vor Mitternacht gehen wir baden. Das Wasser ist angenehm warm, ganz im Gegensatz zum letzten Jahr. Mit mehreren stark angeheiterten Isis verbringen wir mehrere Stunden wodkatrinkend im Open Air Pool.
     10. August 1992
Erst um 10 Uhr kriechen wir nach unserem Nachtbad aus den Federn. Unsere isländischen Freunde singen und trinken bereits wieder. Nach ausgiebigem Glühen und mit Startpilot läuft der Hano widerwillig an. Durch phantastische Berge und Täler, mit viel Wasser und schönen hellgrünen Moosmatten geht es unterbrochen von unzähligen Fotostops nur langsam voran. Auf einer letzten Anhöhe blickt man in die Eldgja hinein und nach 3,5 km Anfahrt in der Eruptionsspalte passiert man zwei Flußarme und steht auf dem Parkplatz. Nach kurzem, steilem Aufstieg hat man vom Spaltenrand einen schönen Rundumblick.
Ein Isländer mit MB Wohnmobil bleibt im sandigen Untergrund des zweiten Flusses stecken und wird von Ulli mit Seilwinde ans Ufer gezogen. Nach mehreren Foto und Video Flußquerungen haben unsere Oldies Ruhepause.
     11. August 1992
Bei strahlend blauem Himmel ist der Öfarufoss nach 20 minütigem Fußmarsch erreicht. Sigi und Walter treffen auch nach längerem Warten nicht ein. Bei der Farm Snaebyli beginnt die Nordumrundung des Myrdalsjökull mit einem kurzen, steilen Anstieg. Einen ersten Höhepunkt der Stecke stellt der 1 km abseits gelegene Wasserfall Axlarfoss dar, der bis an den Canyonrand befahren werden kann.
Unseren Nachtstop legen wir im Quellgebiet Brytalaekir auf einer kleinen grasbewachsenen und von drei Seiten mit Wasser umgebenen Landzunge ein. Rundum quillt glasklares Wasser aus der Tiefe empor um dann in fast alle Richtungen gleichzeitig abzufließen.
     12. August 1992
Einige der in unserer Karte verzeichneten Pisten sind nicht zu finden. Kurz hinter dem Maelifell führt ein Abzweig an den Gletscher. Trotzdem, daß die Strecke landschaftlich sehr reizvoll ist, wird sie nur wenig befahren. Am Nachmittag beginnt es zu regnen und ich trenne mich von Ulli und Angelika. Mein weiterer Weg führt an der Markerflöt entlang- immer in Sichtweite der anderen Talseite. Eine versuchte Abkürzung- sprich Flußquerung- scheitert, da der Fluß trübe und sehr reißend ist. Der "offizielle" Weg in die Thorsmörk führt über Hvollsvöllur und die Ringstraße. Am Talende sieht es diesig aus und auf Höhe des kleinen Eissees regnet es. Der dort befindliche Gletscherarm ist in den letzten Jahren seitlich stark abgeschmolzen und man kann bequem an seinem Rand und vielen tropfenden Eishöhlen vorbei nach oben wandern. Der Übernachtungsplatz ist gigantisch.

Piste auf der Westseite der Markerflöt

Track on the west side of Markerflöt

     13. August 1992
Schon recht früh stehen die ersten zwei Busse am Abfluß des Eissees. Die Flüsse sind alle nicht sehr wasserreich und selbst die Krossa wird von Kleinbussen gemeistert. Ein MAN KAT 1 steht als neues Bergungsfahrzeug vor der Hütte am Campingplatz.
Am Talende hat es die vor zwei Jahren noch vorhandene, jedoch stark beschädigte Brücke endgültig weggespült. Auf dem Rückweg mache ich Halt am Eingang einer Schlucht. Hohe Felsen begrenzen ein am Anfang 100 m breites Tal mit bemoosten Hängen. Am Ende des breiten Tals gabelt sich die Schlucht und führt links in eine enge Spalte. Die Felsen verjüngen sich nach oben und es wird dunkel. Die Wände sind leuchtend grün. In einer Art Kessel mit Wasserfall endet dieses grandiose Naturschauspiel. Der rechte Abzweig ist für mich nicht begehbar und ich begegne nur einem Eisfuchs, der ungestört an mir vorbeihoppelt.
Auf der Ringstraße fliege ich vorbei an Hvollsvöllur, Hella, Selfoss und Hveragerdi um endlich am Kleifarvatn anzukommen. Auf einer Anhöhe über dem See beginnt es in der Nacht heftig zu regnen und zu stürmen. Der Hano wackelt, aber er fällt nicht.
     14. August 1992
Die ganze Nacht hat es mit Orkanstärke gestürmt und deshalb habe ich meinen Standplatz auf einem Felsvorsprung am See, an den Straßenrand in unmittelbarer Nähe des aufgewühlten Wassers verlegt. Regenschwaden werden waagerecht über die Landschaft getrieben und finden jede kleine Ritze am Hano. Bei diesem miesen Wetter kann man nur zum Baden nach Reykjavik fahren. Am Campingplatz neben dem Schwimmbad hat der Sturm auch schon reichlich "Opfer" unter den Zelten gefordert.
Für drei Stunden mache ich es mir abwechselnd in den Pools und im Dampfbad bequem- und das alles für lumpige 120 IKr. Nach dem Bad besuche ich den Shetlander mit seinem großen Landi und anschließend versumpfen wir bei deutschem und schottischem Bier im Hano.
     15. August 1992
Mein Weg führt in Richtung Nordwesten auf die Snaefellsneshalbinsel. Die ganze Südküste liegt ab 50 m Höhe im Nebel und deshalb sehe ich von der Landschaft und dem magischen Berg nichts. Am westlichsten Punkt der Straße klart es etwas auf und an der Nordküste sehe ich immerhin schneebedeckte Berge und Täler direkt am Meer.
Zwischen kleinen Fischerdörfern brüten Unmengen von Seeschwalben im Gras direkt neben der Hauptstraße. Beim Fotografieren eines Regenbogens greifen sie im Sturzflug mit heftigem Gekreische an. Irgendwo am Straßenrand, oberhalb eines kleinen Flusses, der sich tief in den Fels eingegraben, hat übernachte ich.
     16. August 1992
Am Nordufer der Hvita treten an einer wasserundurchlässigen Schicht die Hraunfossa aus und etwas flußaufwärts donnert die Hvita mit brachialer Gewalt durch ein kleines, ausgewaschenes Loch im Fels. Nach der Feriensiedlung Husafell und dem letzten Hof Kalmanstunga kommt man zu den Lavahöhlen Surtshellir inmitten eines 10-20 m dicken Lavafeldes. Auf der Kaldidalur F35 regnet es und der Hano wird auf einer miesen Schlaglochpiste richtig eingeschlammt. Eine in der Karte verzeichnete Abkürzung zum Gullfoss, durch ein weiteres Lavafeld, finde ich nicht. Vorbei an Thingvellir, Laugarvatn und dem Geysir erreiche ich den Wasserfall Gullfoss. Bei Vollmond und mit einem ständigen Getöse schläft es sich überraschenderweise gut.
     17. August 1992
Die Luft ist sehr wasserhaltig und die Gischt steigt weithin sichtbar auf. Plötzlich ist es jedoch vorbei mit der Ruhe- eine Busladung Franzosen bevölkert das Gelände. Nach einiger Zeit klatscht der Reiseleiter die Hände über dem Kopf zusammen und der ganze Spuk ist genauso schnell beendet, wie er angefangen hat.
Auf der Kjölur F37 biegt nach 12 km links eine Stichstraße zum Hagavatn ab. Bis zur Hütte ist es normales Gelände, danach kann man allerdings auf übler Piste noch 1,5 km weiter fahren. Am Fuße eines Wasserfalls ist an einer 45° Steigung Schluß für den Hano. 50 m oberhalb des zuerst einsehbaren Wasserfalls befindet sich ein Gletschersee mit einem zwei Meter breiten Abfluß, der von einer abenteuerlichen Brücke überspannt ist. Hier donnert das Wasser mit mächtigem Getöse in einem weiteren Wasserfall zu Tal.
Immer in Sichtweite des Langjökull kommt man nach 53 km an den Abzweig zum Sommerskigebiet im Kerlingarfjöll. Der Weg steigt bis zu einem Solfatarengebiet am Rande eines Schneefeldes in 1100 m Höhe steil an. Es zischt, qualmt und stinkt. Ein Fußweg führt im Sturm und bei 3 °C nach unten. Es ist mir zu kalt und zu windig und deshalb sind die restlichen 30 km bis Hveravellir schnell zurückgelegt. Dort ist "Full House", aber für ein 1,5 stündiges Bad kurz vor Mitternacht ist immer Zeit. .

Kerlingarfjöll

     18. August 1992
Ruhetag. Ich bleibe in Hveravellir. Ein tiefblauer Himmel mit dicken weißen Wolken lädt zum Gang über das glänzende Solfatarenfeld und zum Baden geradezu ein. Mit mir ist nur noch ein Isländer im Pool. Er erzählt von Islandfahrten im Schnee und der Nordumrundung des Hofsjökull. Momentan ist er mit einem riesigen Nissan mit 4,2 Liter Motor, zwei Untersetzungsgetrieben, Funk, Telefon und GPS unterwegs. Zum ersten Mal fahre ich selbst mit einem solchen Geschoß. Einfach genial!
Am Nachmittag glänzt der Gletscher in unbeschreiblichem Weiß. Reisebusweise kommen die Touristen zum 30 minütigen Badeaufenthalt. Mit zwei deutschen Motorradfahrern sitze ich noch sehr lange im Hano.
     19. August 1992
Die ganzen Reisebusse sind schon früh abgefahren und so können wir in aller Ruhe für zwei Stunden in den Pool steigen.
Der Rest der Kjölur ist zwischenzeitlich fast autobahnähnlich ausgebaut und ich begebe mich auf die F72 in Richtung Laugafell. Gleich am Beginn der Allradstrecke steigt die Piste in steilen Spitzkehren um 400 m an. Am oberen Ende der Steigung liegt ein großes Trümmerfeld mit riesigen Basaltsäulen. Dies ist allerdings auch der einzige landschaftliche Höhepunkt auf der ansonsten recht eintönigen Piste bis Laugafell. Laugafell selbst liegt mitten im Nichts und besteht aus drei Hütten und einem großen, mittelmäßig warmen Pool mit glitschig, moosigem Steinboden.
     20. August 1992
Um die Hütten herum ist ein regelrechtes Kreuzungsgewirr. Deswegen fahre ich entgegen meiner ursprünglichen Planung auf der F72 und nicht auf der F78 zur Sprengisandur. Der Weg führt durch ebene Sand- und Kieswüste. Die Kontraste zu den in der Ferne leuchtenden Gletschern sind enorm. Die Sprengisandur ist in einem schlechten Zustand und arm an Höhepunkten. Am Ende der Strecke kommt man zum Hrafnabjargarfoss und zum Aldeyjarfoss. Ein englisches Ehepaar erzählt über Frachtmöglichkeiten nach Island.
Mit der Ringstraße ist auch der Godafoss und 50 km später der Campingplatz am Myvatn erreicht. Bei Sturm melde ich mich für drei Tage an und begebe mich auf meinen Stammplatz.
     21. August 1992
Heute lasse ich es ruhig angehen. Zuerst wird der Hano gewartet und danach das Lavafeld an der Krafla besucht. Das schwarze Eruptionsfeld dampft und stinkt noch immer und der Sturm weht die Dampfwolken ins Nichts. Das Schwimmbad ist völlig überfüllt und auf dem Hausberg am Campingplatz bin ich Zeuge eines mickrigen Sonnenuntergangs.
     22. August 1992
Die Aktivitäten der Schlammpfuhle in Namaskard scheinen zugenommen zu haben. Nach drei Stunden habe ich alles im Kasten und ich stehe vor der "Dampfpfeife". Mit infernalischem Lärm donnert hier Wasserdampf aus einer Art Überdruckventil ins Freie. Nach einem Abstecher zur Dampfgrotte Grotagja komme ich zu den Lavafelsen von Dimmuborgir. Hier steigt plötzlich Joachim Fuchsberger aus einem Bus aus und wird sofort von vielen deutschen Touristen erkannt, umringt und fotografiert.
Ich mache die große Runde durch die bizarren Lavagebilde um anschließend wieder zwei Stunden ins örtliche Schwimmbad zu gehen. Auf dem Campingplatz sammeln sich nun bereits die Autos für die letzte Fähre in Richtung Kontinent. Ein Franzose ist begeistert vom Hano und ein LT28 Fahrer erzählt wie er bei einer Wasserdurchfahrt seinen Kühlerventilator geschrottet hat.
Die Statistik der Säugetiere in Island besagt für 92 folgende Reihenfolge:
1) deutsche Touristen
2) französische Touristen
3) Schafe
4) Islandpferde
5) Isländer
So geschrieben auf einer WC Türe am Campingplatz.
     23. August 1992
Bei Grimsstadir zweigt die 864 zum Dettifoss ab und ein Straßenschild prophezeit auf 43 km unebene Fahrbahn. Kleine Fahrzeuge haben Probleme mit diesem Wellblech- ich merke es jedoch kaum. Anfangs wechseln sich Wolken und kleine Sonnenperioden am Detti ab. Dann nach drei Stunden Wartezeit zieht eine große blaue Lücke über den wasserreichsten Wasserfall Europas.
Ein weiterer Abstecher führt zum Hafragilsfossparkplatz hoch über dem Canyon. Vom höchsten Felsen hat man einen herrlichen Blick auf die Schlucht und die abstürzenden Wassermassen. Im abendlichen Zwielicht stehe ich nach einem weiteren Besuch des Detti auf dem Parkplatz und lasse die Kulisse auf mich wirken.

Dettifoss

     24. August 1992
An der Ringstraßenabfahrt zum Kverkfjöll juckt es nochmals im "Off Road" Gasfuß. Ich gehe jedoch kein Risiko mehr ein und fahre auf der 1 nach Egilsstadir. Bei einem 1,5 stündigen Bad im Superwhirlpool werde ich von einem Engländer völlig vollgelabert- er erzählt, erzählt, erzählt. Auf dem Campingplatz treffe ich Sven und Thomas. Svens Landi mußte nachdem er von der Straße abgekommen war die letzten 50 km geschleppt werden. Bei einer Flasche Himbeergeist im Hano wird es 3 Uhr morgens.
     25. August 1992
Der Landi wird von Sven provisorisch repariert und anschließend unternehmen wir einen Rundgang durch die Hinterhöfe, wo ungeahnte Autowrack Raritäten herumstehen. Ein Unimogfahrer berichtet von Schnee im Hochland und am Abend schneit es auf dem Paß nach Seydisfjördur.
     26. August 1992
Die Kuppe des Passes ist schneebedeckt- es stürmt, schneit und ist ziemlich kalt. Im Tankstellencafe von Seydisfjördur trifft man sich und wartet, wartet, wartet. Am Abend machen wir im Hano fast alle Alkoholvorräte nieder. Spät nachts kommen noch weitere Besucher und so wird es mal wieder 4 Uhr früh.
     27. August 1992
Die Fähre legt "pünktlich" mit einer Stunde Verspätung in Seydisfjördur an. Es werden unter anderem vier Hanomag und ein Unimog in den Bauch der Fähre gelotst, während die ganzen Motorräder mit einem nicht sehr Vertrauen erweckenden Kran auf das Sonnendeck gehievt werden. Bei der Abfahrt fliegen unsere letzten Sektkorken in Richtung isländisches Festland.
     28. August 1992
Um 5 Uhr morgens durchfahren wir die Inselwelt der Färöer und Torshavn liegt ausnahmsweise nicht im Nebel. Nach einem kurzen Landgang herrscht auf der Weiterfahrt, außer bei der Besichtigung des Maschinenraums und der Brücke, totale Langeweile an Bord. In den Bettenbunkern ist es nicht auszuhalten, deshalb übernachten wir auf Liegestühlen im Freien.
     29. August 1992
Der Deckschrubber weckt und vertreibt uns um 8 Uhr aus unseren Liegestühlen. Nach "unendlicher" Überfahrt erreichen wir um 16.30 Uhr Hanstholm und somit festen Boden unter den Rädern. Am Rasthof Hüttener Berge, hinter der dänisch / deutschen Grenze ist für heute Ruhe.
     30. August 1992
Non Stop, nur mit kleinen Tankpausen erreiche ich nach weiteren 12 Stunden Fahrtzeit meinen Ausgangspunkt der Reise.
 

24.12.2003