1990

Boot am Jökulsarlon Eissee

Boat at Jökulsarlon icelake

Zwei VW Busse und ein Hanomag für´s Grobe...

Bereits auf den Färöer hatte sich das Team für den 1990er Urlaub gefunden. Die meisten Strecken konnten von den VWs befahren werden und nur selten wurde in den Hanomag umgestiegen.

     13. Juli 1990
Abfahrt morgens um 3 Uhr bei Kilometerstand 38433. Die Autobahn ist fast leer. Nur wenige Fahrzeuge sind um diese Uhrzeit auf der Straße. Hinter Würzburg beginnt die "Trabi Rennbahn". Rauf und runter fahren sie, bleiben plötzlich mitten auf der Autobahn stehen und steigen aus, um kurze Zeit später wieder zu überholen.
Mit vollem Tank lasse ich um 18 Uhr die deutsch / dänische Grenze hinter mir. Das Wetter ist den ganzen Tag schön sonnig bis leicht bewölkt. Nun beginnt es zu stürmen. In Dänemark halte ich auf einem Autobahnparkplatz bei Kolding, denn nach 16 Stunden und 910 km auf dem Bock bin ich ziemlich groggy.
     14. Juli 1990
Der Autobahnparkplatz ist ziemlich laut. Laufende LKW Motoren, Gegröhle und Fahrgeräusche der nahen Straße stören. Trotzdem habe ich recht gut geschlafen. Bei herrlichem Sonnenschein und absoluter Windstille zuckele ich im Hanomag Tempo vorwärts. Über Veijle, Skive und Thisted erreiche ich schließlich um 12 Uhr Hanstholm.
Am Fährhafen ist noch alles ruhig, deshalb begebe ich mich an den langen Sandstrand. Es ist mollig warm und viele Leute sind am Strand zum Sonnenbaden. Die Wasserströmung ist zu gefährlich zum Schwimmen. Um 16 Uhr kommt die Norröna in Sicht. Zwischenzeitlich hat sich der Parkplatz vor dem Check In gefüllt. Außer den üblichen Geländewagen ist ein weiterer Hanomag aus Rosenheim und zwei 6x6 Pinzgauer dabei. Lange unterhalte ich mich mit den anderen Hanofahrern. Sehr spät wird mit dem Beladen der Fähre begonnen. Die großen Fahrzeuge werden wieder im Bug verkeilt und bei blauem Himmel legen wir um 20.30 Uhr dänischer Zeit ab.
    15. Juli 1990
Der erste volle Tag auf See und wir haben einen stahlblauen Himmel ohne jegliche Wolken bei absoluter Windstille. Unter diesen Bedingungen ist das Sonnendeck bald überfüllt. Ohne besondere Vorkommnisse vergeht der Tag mit in der Sonne sitzen. Die Fähre passiert mehrere Bohrinseln und den nördlichen Teil der Shetlands. Abends ist der Nachtclub stark frequentiert. Noch sehr lange spielt die Musik. Beim Schlafen in der Kabine unmittelbar daneben ist dies allerdings etwas störend.
     16. Juli 1990
Um 5 Uhr heißt es Aufstehen. Die Fähre nähert sich den Färöer Inseln. Wie üblich liegt wieder einmal alles im Nebel. Der blaue Himmel drückt jedoch bereits vereinzelt durch die trüben Nebelschwaden. Pünktlich um 6 Uhr laufen wir in Torshavn ein, wo sich der Nebel schon bald lichtet. Beim Ausladen der Fähre wird vom "Kupfernagel" wieder das reinste Rangierchaos veranstaltet. Es dauert ewig, bis die im Bug stehenden Autos entwirrt sind. Danach wird im Hafengebiet bei tiefstehender Morgensonne eine richtige Fotosession veranstaltet.
Bei Traumwetter fahre ich auf der 10 über Kollafjördur bis nach Hvalvik. Eine schmale, einspurig ausgebaute Straße führt durch das Saksunardalur zu den Höfen Saksun. Am Ufer eines Flusses entlang wandere ich in die Bucht zum Meer hinaus. Dort findet man einen schwarzen Sandstrand mit brütenden Vögeln in den umgebenden Felsen und eine kräftige Meeresbrandung mit rauschenden Wellen vor.
Als nächstes Ziel steuere ich den wilden Campingplatz bei Eidi an- doch hier ist jetzt campen verboten. Zwischenzeitlich wurde im Ort bei einem Hotel ein offizieller Campsite eingerichtet. Wir bleiben deshalb nicht und fahren zu einem kleinen Schotterparkplatz hoch über den Felsen Risin und Kellingin. Dort parken wir direkt an einer wenig befahrenen Straße. Noch lange sitzen wir im Hano und ratschen. Axel und Karen aus Ostholstein und Jochen und Simone aus Bad Hersfeld- beide unterwegs mit einem alten VW Bus.

Torshavn

     17. Juli 1990
Auch heute Superwetter- Sonnenschein und über 20 °C. Wir beschließen gemeinsam den höchsten Berg der Färöer zu besteigen- den Slaettaratindur mit 882 Metern Höhe. Ausgangspunkt ist die Paßhöhe auf 450 m, von wo wir dann über eine steile Wiese mit Fels und Schotter aufwärts steigen. Durch die enorme Wärme werden viele Päuschen nötig. Oben am Gipfel sind bereits Leute zu sehen. Nach 1,5 Stunden sind wir kurz unterhalb des Gipfels. Jetzt ist leichtes Klettern gefordert. Pünktlich mit unserer Ankunft oben ziehen Nebelschwaden über den plateauartigen Berg. Nur für Augenblicke wird die Sicht auf die unter uns liegende Landschaft frei. Ein vollständiger Rundumblick bleibt uns leider versagt. Nach 30 Minuten haben wir segmentweise das ganze Inselreich gesehen. Der anschließende Abstieg geht mächtig in die Knie. Nach 45 Minuten sind wir wieder unten und der Gipfel ist jetzt wieder völlig frei von Nebel.
In Saksun herrscht vor der kleinen Kirche, die gerade mit Grassoden neu gedeckt wird, reger Betrieb. Dem hiesigen Bauern wird dies verständlicherweise etwas zu viel und er bittet uns doch auf der Straße zu parken. Deshalb begeben wir uns auf den Schotterstrand eines 1 km entfernten kleinen Sees. Von dort wandern wir durch die weitläufige Bucht ans Meer hinaus. Der Großteil der Mannschaft ist danach so geschafft, daß ich nur noch mit Jochen eine längere Nachtsitzung im Hano habe.
     18. Juli 1990
Nacheinander rücken wir morgens nach Torshavn ab. Nebel und Sonne wechseln sich in typisch färingischer Manier ständig ab. Vom Postamt in Torshavn muß ich meinen vergessenen Fahrzeugschein für den Hano anfordern. Eine Stunde später trifft eine Kopie per Telefax ein. Das Warten auf dem Hafenparkplatz zieht sich schier endlos hin und mit 45 Minuten Verspätung legt die Fähre ab. Im Nachtclub und in der Cafeteria müssen einige Sixpacks dran glauben.
     19. Juli 1990
Die isländischen Berge am Fjord sind noch reichlich mit Schnee bedeckt. An der Zollabfertigung staut sich der ganze Verkehr. Die Dieselsteuer für drei Wochen beträgt 12708 IKr. Bei Superwetter erklimmen wir den Paß nach Egilsstadir und durch mondartige Landschaft kommen wir an mehreren Abzweigungen ins Hochland vorbei. Unser Tagesziel ist der Campsite am Myvatn.
     20. Juli 1990
Frühstück im Freien. Blauer Himmel- was sonst. Im Hano brechen wir auf zur großen Myvatn Tour. Zuerst zur Grotagja- der Dampfgrotte. Die Wassertemperatur beträgt noch immer 55 °C und es ist absolut klar. Wie wild gestikulierende und fotografierende Franzosen glauben uns verscheuchen zu können. Der weitere Weg führt vorbei an einem milchigtrüben See zu dem donnernden Überdruckdampfrohr. Mit großem Druck, hoher Temperatur und ohrenbetäubendem Lärm dringt der Wasserdampf ins Freie.
Auch an der Krafla herrscht reger Betrieb. Der kleine Parkplatz ist voll belegt. Der Kratersee Viti leuchtet in pfefferminzgrün und die angrenzenden Schlammpfuhle brodeln und stinken. Vom etwas tiefer gelegenen Parkplatz führt ein Fußweg über Buckelwiesen und ein älteres Lavafeld zur Ausbruchstelle von 1984. Auf einer Länge von mehreren Kilometern hatte sich damals eine Eruptionsspalte geöffnet. Noch immer dampft es aus dem schwarzen Lavafeld. Die bizarren Steinformationen knirschen unter jedem Schritt. Etwas unheimliches liegt in der Luft. Wahre Touristenprozessionen werden durch diese unwirkliche Landschaft geführt. Es beginnt zu nieseln und bei den Pseudokratern regnet es recht stramm.
Zurück auf dem Campsite gibt es Spaghetti für alle. Danach entspannen wir bei einem einstündigen Bad im örtlichen Schwimmbad. In Erwartung eines Sonnenuntergangs besteigen wir den Hausberg des Campsite. Es nieselt ganz leicht und wir bekommen ein gigantisches Sonnenspektakel geboten. Ein riesengroßer, ovaler, sehr farbintensiver Regenbogen wölbt sich vor absolut kitschigfarbenen Wolken und wunderschön beleuchteten Kratern. Um 23.15 Uhr geht die Sonne unter. Immer neue Farbkompositionen entstehen. Viele Campingplatzbesucher befinden sich während dieses Naturschauspiels auf der Bergkuppe.

Wasserdampf in der Mitternachtssonne
Steam in the midnight sun

     21. Juli 1990
Ich fahre zum Solfatarenfeld Namaskard. Bei Traumwetter mache ich eine wahre Film- und Fotoorgie an den verschiedenen Blubberlöchern. Alle Löcher sind bestens zugänglich. Der Hano wird von den nach und nach eintreffenden Touristen von allen Seiten bestaunt.
Am Myvatn besuche ich die Lavaformationen, die man von einem kleinen Park am See bewundern kann. Es ist mollig warm. Die Fliegen fliegen und unzählige Enten schwimmen auf dem glasklaren See. Eine Gruppe Schweizer verschwendet mehrere "Phötili" als ein kleines "Böötli" am Ufer entlang fährt. Nach den Lavabergen Dimmuborgir beabsichtige ich ins Schwimmbad zu gehen- doch oh Graus es stehen mehrere Reisebusse mit Touristen davor. Also gehe ich zurück zum Campsite. Als die vier anderen von ihrer Tour eintreffen, beschließen Jochen und Mone morgen mit zur Askja zu fahren.
     22. Juli 1990
Wir düsen in kurzer Zeit bis zum Abzweig zur Askja. Durch Schotter und Sand geht es recht zügig vorwärts. Bei mir steigen drei deutsche Tramper zu. Am ersten Fluß wird der VW Bus zuerst wasserdicht abgeklebt und "duuuuurch". Der zweite Fluß ist etwa 30 m breit aber nicht sehr tief. Nach einem holprigen Lavafeld der dritte kleine Fluß und ein weiteres Lavafeld. Kurz hinter Herdubreidarlindir liegt der Wasserfall der Jökulsa a Fjöllum. Längere, tiefe Sandfelder schließen sich an. Jochens VW bleibt stecken. Schieben- nichts. Es kommt zum ersten Mal das Abschleppseil zu Ehren. Kurz dahinter ein weiteres Sandfeld. Nun bleibt Jochen an einem Hang stecken. Sie sehen das weitere Fortkommen mit ihrem VW Bus als hoffnungslos an und drehen um.
Ich fahre weiter bis zur Askja. Die letzten Kilometer durch ein frisches, spitzes Lavafeld sind brutal. Der Aufbau schwankt wahnsinnig. Nach 7,5 Stunden Gesamtfahrzeit stehen wir auf dem oberen Parkplatz. Bei sehr gutem Wetter und nach einem kleinen Fußmarsch in der Caldera, steigen wir in den nach Schwefel riechenden, warmen Kratersee Viti hinab. Das Bad im warmen Schwefelwasser tut gut. Die zwei Schorndorfer Pfadfinder zweigen zu einem Querfeldeinmarsch in Richtung Landmannalaugar ab. Zu zweit rumpeln wir zurück zum Campsite an der Askjahütte. Bei einer Routinekontrolle vermisse ich eine zentrale M16x1,5x35 Schraube an der Vorderfelge.
     23. Juli 1990
Es ist sehr warm auf dem Askja Campsite. Durch endlose Sandwüste, Schotterstrecken und Lavafelder kommen wir teilweise nur im Schrittempo voran. Der Hano ächzt und kracht. Mit motorhaubenhoher Bugwelle "presche" ich durch den 30 m breiten Fluß. Nach fünf Stunden ist die Ringstraße erreicht und die Holperei nimmt ein Ende.
Mein erster Weg führt mich nun ins Schwimmbad am Myvatn. 1,5 Stunden sitze ich im Pool zum Entspannen. Es herrscht wie üblich ein völliges Sprachengewirr. Plötzlich stehen Jochen und Mone am Zaun. Sie haben den Hano aus der Luft erkannt, denn sie waren zwischenzeitlich auf einem längeren Rundflug über der Askja und dem Kverkfjöll- Kosten 280 DM.
Am Campingplatz treffen wir noch das Lehrerehepaar Dieter und Petra aus Norddeutschland mit ihrem Syncro. Wir grillen deren Lammkotletts und Steaks. Danach wird es im Hano eine lange, feuchtfröhliche Nacht. Um 4.30 Uhr stellen wir unser Gelage ein.

Sonnenuntergang am Myvatn
Sunset at Myvatn

     24. Juli 1990
Auf der Ringstraße sind wir in einer Stunde am Godafoss. Auf Teerbelag "brettert" der Hano was der Motor hergibt. Über Akureyri, das Öxnadalur und das Nordurdalur machen wir ein Wettrennen mit den zwei französischen Pinzgauern. In Glaumbaer treffe ich den Rest der Gang wieder. Leider hat das Torfgehöft bereits geschlossen. Nur von außen kann ich das in den Boden gebaute und völlig grasbewachsene Gehöft bewundern, an dem an einer Stelle gerade das Dach ausgebessert wird. In Reykir lassen wir uns auf dem Campingplatz hinter dem Schwimmbad nieder. Zeitweise sind wir in dem kleinen Bad ganz alleine. Für 120 IKr kann man nicht meckern.
     25. Juli 1990
Nach dem Abzweig auf die Kjölur Piste erreichen wir hinter einigen weitläufigen Kraftwerksanlagen, mit großzügig angelegten Straßen, endlich die Piste. Mitten in der Pampa stehen eine Raupe, Lkws und einige Bauarbeiter graben ein Rohr ein. Viel lockeres, tiefes Geröll liegt auf der Piste. Der Hano zuckt, fährt aber problemlos durch. Bei Jochens VW kracht es ordentlich. Ein großer Stein reißt ihm eine Stoßdämpferaufhängung ab.
8 km vor Hveravellir erreichen wir die Blandaa. Es ist ein recht breiter, aber nicht sehr tiefer Fluß mit mehreren Inseln. Die VWs werden wasserdicht gemacht- und durch. In Hveravellir steigen wir zuerst einmal ins Schwimmbad. Es ist knallheiß- also heißer Schlauch raus und kalter Schlauch rein. "Jaaaaa das ist es". Mehr als eine Stunde sind wir völlig alleine im Pool. Allmählich füllt sich der Campingplatz. Wir grillen und kurz vor Mitternacht wird nochmals gebadet. Zusammen mit zwei Isländern leeren wir im Pool eine 1,5 Liter Flasche Wodka mit Cola.
     26. Juli 1990
Die Sonne scheint und das Thermometer zeigt 15 °C. Der Gang über das Solfatarenfeld lohnt sich. Wir wollen weiter zum Kerlingarfjöll. Die Fernsicht ist phantastisch. Plötzlich sehen wir vier Personen wild gestikulierend mitten in einem Fluß stehen. Es stellt sich als die schweizerische Besatzung eines völlig abgesoffenen, gemieteten Ladas heraus. Sie haben ihr Gepäck geborgen und sind klatschnass. Ich ziehe den vollgelaufenen Lada rückwärts an Land. Als die Türen geöffnet werden ergießt sich ein riesiger Wasserschwall ins Freie. Der Lada wird trockengelegt. Zündung, Luftfilter und Vergaser sind voll Wasser. Axel ist in seinem Element und er zerlegt alles. Mit Generator und Föhn wird der Motor getrocknet und wieder zusammengebaut. Nach mehreren Startversuchen läuft der robuste Motor wieder an und bei den Schweizern herrscht sichtbare Erleichterung.
Wir nehmen noch zwei Fahrradfahrer mit defektem Tretlager ins Kerlingarfjöll mit. An der Kreuzung dorthin steigen alle in den Hano um. Mit neun Personen beladen "düse" ich los. Vorbei am Gygjarfoss und einer weiteren Flußdurchfahrt tuckere ich hoch auf etwa 1100 m. Im Sommerskigebiet herrscht Traumwetter. Blauweißer Himmel und enorme Fernsicht. Eine Touristengruppe zieht im Gänsemarsch auf den Gletscher. Etwa 500 m unterhalb befindet sich ein Solfatarenfeld direkt am Rand eines mächtigen Schneefelds. Ice and Fire- Island pur. Am Ufer des Flusses zischt und brodelt es und warme Dampfschwaden ziehen über uns hinweg. Eine unwirkliche Stimmung macht sich breit. Auf holpriger Hochlandpiste kommen wir zum Gullfoss und zum Solfatarenfeld beim Geysir. In 1 km Entfernung beziehen wir unser Nachtquartier. Beim Hano hat sich eine Glühkerze verabschiedet- es wird doch nicht schon wieder los gehen?
     27. Juli 1990
Reisebusladungen von Touristen belagern fotobehangen und videobewaffnet die Wasserlöcher beim Geysir. Unser nächstes Ziel ist die Ebene von Thingvellir. Der kleine Öxarafoss fällt in die Allmännerschlucht hinab und fließt dort weiter. Wir wandern durch das Tal zu einer Kapelle und an wassergefüllten, tiefen Lavaspalten, sowie moosbedeckten Felsplatten vorbei, zurück. Auf dem Parkplatz steht ein riesiger MAN 630L2A.
Der Campingplatz in Reykjavik ist bereits total überfüllt. Was gibt es jetzt schöneres als in das bis zu 44 °C warme Wasser des benachbarten Schwimmbades zu steigen?
     28. Juli 1990
Wir frühstücken vor den Autos. Der Bosch Dienst hat geschlossen. Die VW Werkstatt ist geschlossen. Die Schrauber Werkstatt ist ebenfalls geschlossen. Deshalb machen wir einen Stadtbummel in Reykjavik. Flohmarkt, Fußgängerzone, Hallgrimskirche. Am Campingplatz treffen wir unseren Motorradfahrer aus Schwäbisch Gmünd wieder. Er hatte einen kapitalen Überschlag mit seiner Maschine. Packkoffer verbogen, Verkleidung abgerissen, Felge verbogen. Er ist völlig entnervt. Für 55 IKr lassen wir uns vom Bus in die Stadt fahren. Die ersten Autos kreisen bereits. In einer gemütlichen Kneipe bezahlen wir für 0,5 Liter Bier 500 IKr. Nach zwei Bierchen "torkeln" wir zur Bushaltestelle. Das "Cruising" ist in vollem Gange und eine Autoschlange steht dicht an dicht in der Innenstadt. Die ganze isländische Jugend ist auf den Beinen.
     29. Juli 1990
Mit Axels VW fahren wir zur blauen Lagune bei Grindavik. Überschüssiges warmes Wasser wird vor einem Kraftwerk zu einem Naturbad aufgestaut. Eintritt 240 IKr. Das ganze Areal liegt mitten in einem schwarzen Lavafeld und wird je nach Windrichtung in gespenstischen Wasserdampf gehüllt. Es kommt eine richtig irreale Stimmung auf. Die Tiefe und die Wassertemperatur des Bades variieren stark.
Immer an der Küste entlang gelangen wir zu einem kleinen Solfatarenfeld mit einer mächtigen Dampffontäne. Am Straßenrand stehen immer wieder Trockengestelle für Fische und die Körper und Köpfe baumeln und stinken in der klaren Luft.
     30. Juli 1990

Heute fahren wir in die Stadt. Einkaufen. Ein Sixpack Dünnbier kostet 690 IKr. Das Nationalmuseum hat leider geschlossen. Jochens defekter Stoßdämpfer findet endlich einen, der ihn repariert und Fossberg, der Laden für Schrauben und Werkzeug, hat auch M16x1,5x40. Beim abendlichen Bad im benachbarten Schwimmbad hat der heißeste Pool "nur" 44,4 °C.

     31. Juli 1990
Heute hat das Nationalmuseum geöffnet. Der Eintritt ist frei. Auf zwei Etagen werden alte Waffen, Gebrauchsgegenstände, Werkzeuge, Trachten, Pokale, Boote etc. aus der isländischen Geschichte gezeigt.
Wir verlassen Reykjavik im Konvoi auf der Ringstraße. In Hveragerdi werden unzählige Gewächshäuser mit Erdwärme beheizt und es gedeiht von Tomaten über Gummibäume und Weintrauben fast alles. Im Eden ist zusätzlich ein Souvenirverkauf, Restaurant und Café. Gegenüber ein überdachter Jahrmarkt mit Autoscooter, Losbude, Enterprise.
Das ganze Tal zur Thorsmörk ist mit Wasserläufen durchzogen. Am Anfang sind sie klar und recht schmal. Der Schwierigkeitsgrad steigert sich je weiter man in das Tal hineinkommt von trübe, schnellfließend mit steinigem Untergrund, bis recht breit mit darauf schwimmenden, kleinen Eisbergen. Die beiden VWs bekommen zusehends mehr Probleme mit den reißender werdenden Flüssen und dem grobsteinigen Untergrund. Es geht einen Fluß vor und zwei zurück. Deshalb übernachten wir am Gletschersee.

Brücke in der Thorsmörk

Bridge at Thorsmörk

     1. August 1990
Von der Seitenmoräne, die sich etwa 50 m über den See erhebt hat man einen phantastischen Rundblick auf die Thorsmörk. Trotz unseres Logenplatzes am See traut sich kein anderes Fahrzeug durch den Abfluß des Gletschersees. Es sind noch einige relativ tiefe Flüsse zu queren bis wir an einem völlig zerbeulten Range Rover vorbeikommen. Er ist die Krossa seitlich hinabgetrieben und steht nun als Warnung für allzu wagemutige Fahrer am Flußufer. In Sichtweite eines Campingplatzes müssen wir nun die Krossa durchfahren. An dieser Stelle ist sie ca. 20 m breit, wobei die ganze Gefährlichkeit ein 3-4 m breites Stück ausmacht, wo sie sehr schnell fließt und recht tief ist. Der Hano taucht bis zur Motorhaube ins Wasser. Am Aufbau reicht der Fluß auf der wasserzugewandten Seite bis 30 cm unter die Fenster. Der Aufbau ist an der Tür undicht und der Innenraum wird leicht überschwemmt.
Nach 30 Minuten kommt ein Wanderer klatschnass, ohne Hosen mit blaugefrorenen Knien aus Richtung Krossa. Sofort fährt ein Bus mit fünf Rettern flußaufwärts und es werden mehrere Leute aus der Krossa geborgen.
Am Ende des Tales wird ein reißender Fluß mit einer Holzbrücke überspannt. Ab sofort geht es nur noch zu Fuß weiter. Eine zweite, fahrbare Stahlbrücke ist fast in sich zusammengebrochen. Das Wasser unter der eingeknickten Brücke reicht bis zu den Schuhen. Auf der anderen Seite erschließt sich ein wildes, wasserreiches Tal zwischen Bergen und Gletschern.
     2. August 1990
Wir verlassen die Thorsmörk, nachdem auch am Morgen niemand "baden" gehen will. An der Ringstraße bestaunen wir den hintergehbaren Seljalandsfoss und den 60 m hohen Skogarfoss. Jeder stellt seinen Wagen zum Fototermin davor. Mit dem Hano nehmen wir die 14 km Jeep Track Strecke zwischen Eyjafjallajökull und Myrdalsjökull in Angriff. Der Weg führt auf viel Geröll steil nach oben. An der Strecke liegen mehrere Wasserfälle und eine Flußdurchfahrt. Die Sicht wird zusehends schlechter- Nebel hüllt die Landschaft ein. Auf 825 m Höhe ist die Hütte erreicht. Es hat 8 °C und ist windstill, aber die Sicht beträgt nur 50 m. Angeblich geht die Piste über das angrenzende Schneefeld weiter in die Thorsmörk.
Am Südkap, bei Dyrholaey, hat es massig Touristen. Die Brandung tost gegen die Küste und hat bereits mehrere Höhlen, die teilweise mit einer Natursteinbrücke überspannt sind, ausgewaschen.
Unsere letzte Tagesetappe bringt uns auf die F22 in Richtung Eldgja. Neben einem Fluß vor einem Lavafeld bauen wir eine Wagenburg für die Nacht.
     3. August 1990
Die Nacht war totenstill. Zuerst müssen mal wieder beide Kotflügel entklappert und das Standgas neu eingestellt werden. Nach kurzer Fahrt und 30 minütigem Fußmarsch stehen wir am Öfarufoss. In zwei Stufen fällt der Wasserfall in die Tiefe und auf halbem Weg hat er eine schöne Natursteinbrücke ausgewaschen.
Im leichten Nieselregen töltet eine große Herde Islandpferde über den Parkplatz. Nun schließt sich auf 30 km Länge eine der schönsten isländischen Hochlandstrecken an. Steile Anstiege, Sandstraßen, viele Wasserdurchfahrten und herrliche Bergkulissen laden zu vielen Stops ein. Plötzlich stehen wir vor einem regelrechten Flußgewirr. Man braucht fast einen Pfadfinder um den weiteren Weg am anderen Ufer ausmachen zu können.
Der Campsite in Landmannalaugar liegt in einer Art Sackgasse hinter einem letzten zu querenden Fluß. Der "Hahnomag" und der österreichische ÖAF machen für unerfahrene Islandtouris Bergungshilfe am Fluß. Unverständlicherweise bleiben jede Menge Touristen in diesem Flüsschen stecken. Wir jedoch freuen uns auf ein heißes Bad unter freiem Himmel. Denkste! Nur wenig heißes Wasser kommt aus der Quelle und alle Badenden drängen sich um den kleinen Zufluß. Der ganze Pool ist zudem voll mit umherschwebendem, losem Moos.
     4. August 1990
Hinter dem Campingplatz liegt ein mächtiges Obsidianlavafeld. Es erhebt sich 10-20 m vom Grund. Auf markierten Wegen irrt man durch ein Steinlabyrinth. Bei einem kleinen Solfatarenfeld dampft und stinkt es aus einer Steinhöhle heraus. An vielen Punkten des Irrgartens eröffnen sich schöne Ausblicke auf das davor liegende Tal mit all seinen Wasserläufen.
Auf dem Campingplatz hat der inzwischen eingesetzte Sturm schon einige Zelte abgebaut. Mit dem Fernglas beobachten wir aus dem winddichten Hano heraus, wie die Leute die Flußdurchfahrt am Eingang des Campingplatzes meistern. Prompt versenkt ein Touri seinen 4x4 Leihwagen. Der Rest ist Sturm, Sturm, Sturm.
     5. August 1990
Die Sonne weckt uns. Es ist absolut blauer Himmel, es hat 18 °C und ist windstill. Die F22 Hochlandpiste ist bei diesen Bedingungen natürlich noch attraktiver. Durch einen Bankholiday ist auf der Piste für hiesige Verhältnisse mächtig was los. In allen angrenzenden Wiesen wird campiert und gefestet.
Von weitem läßt der Vatnajökull- der Wassergletscher grüßen. Wenige Kilometer vor Skaftafell hat es erneut Jochen erwischt. Seine Windschutzscheibe wurde von einem entgegenkommenden Fahrzeug, auf der nur einspurig in der Mitte geteerten Straße, eingeworfen. Eine Plastikwindschutzscheibe ist schnell montiert. Auch der Campingplatz im Skaftafell Nationalpark ist durch den Feiertag hoffnungslos überfüllt. Deshalb verziehen wir uns zum nahegelegenen Gletscherarm Svinafellsjökull. Der Vollmond steht leuchtend über dem Gletscher.
     6. August 1990
Der Betrieb im Skaftafell ist immer noch enorm. Nach kurzem, bergwärts führendem Fußmarsch durch Wiesen und kleine Büsche stehen wir vor dem mit Basaltsäulen umrahmten Svartifoss. Am Boden bildet sich durch das Spritzwasser ein kleiner Regenbogen.
Der Vatnajökull mit kleinen Gletscherzungen und Eisseen beherrscht unser weiteres Vorankommen. Am Jökulsarlon ist Bilderbuchwetter, deshalb machen wir eine Rundfahrt mit dem Gummiboot. Eisberge in allen Formen, Farben und Größen ziehen an uns vorbei. Die Besichtigungstour dauert 40 Minuten.
Auf einer Anhöhe am See bilden wir wiederum eine Wagenburg und veranstalten ein kleines Grillfest mit ständiger Fotosession der Eisberge. Kleine "Eiswürfel" werden aus dem See gezogen- denn sie eignen sich hervorragend für einen letzten Rest Whiskey on the Rocks.

Eisberge am Jökulsarlon
Icebergs at Jökulsarlon

     7. August 1990
Immer entlang der Küste und in Sichtweite des großen, weißen Gletschers kommen wir nach Höfn. Das örtliche Schwimmbad ist allemal einen Besuch wert. Es hat ein 15 m Becken und zwei Hot Pots mit 37-39 °C und 39-41 °C sowie ein Kinderbecken.
An der Südküste stehen viele abgestufte Berge mit Schotterhalden am Grund. Die terrassenförmigen Abstufungen werden von Schwärmen verschiedenster Seevögel bevölkert. Wir umrunden Fjord um Fjord um schließlich auf einer Wiese direkt am Meer zu campieren. Ein Feuer aus Treibholz hält uns einige Zeit warm, bis wir bei Vollmond wieder einmal im Hano sitzen.
     8. August 1990
Es ist kühl und nebelig. Die Kupplung am Hano muß nachgestellt werden. Am Weg liegt das mit isländischen Steinen übervolle Grundstück eines passionierten Mineraliensammlers. Der ganze Garten und das Haus ist angefüllt mit Tausenden von Steinen. Jochen, als gelernter Geologe, ist begeistert- jedoch ist leider nichts zu verkaufen.
Von Fjord zu Fjord scheint die Sonne brillianter. Phantastische Berge, Klippen und blaues Meer wechseln sich ab. Am Ende des Reydarfjardur zweigt die 92 durch die Berge nach Egilsstadir ab. Dort ist der allgemeine Treffpunkt an der Tankstelle bereits eröffnet. Die 25 km lange Stichstraße nach Seydisfjördur steigt in Serpentinen bis auf 670 m an. Auf der Hochebene liegen immer noch kleine Schneereste am Straßenrand. In Seydisfjördur stellen wir uns an der rechten Fjordseite direkt ans Wasser.
     9. August 1990
Um 5 Uhr kommt die Sonne hinter den Bergen hervor. Der ganze Fjord glänzt im Morgenlicht. Um 8.30 Uhr läuft die Norröna in den Fjord ein. Majestätisch gleitet sie an uns vorbei.
Der Check Out bzw. Check In verläuft wie üblich leicht chaotisch. Als das Schiff ablegt stehen alle Passagiere mit etwas Wehmut über den beendeten Islandurlaub an der Reling. Drei im Fjord widerhallende "Tuuuuut" der Schiffssirene und wir verlassen Island.
Mit mehreren Isländern und Färinger stoßen wir auf Jamaika 85 an- ja, ja damals.
     10. August 1990
Das Schiff hat drei Stunden Aufenthalt in Torshavn. Erst als es wieder ablegt wache ich auf. "Foroya beer is good for you." Den ganzen Tag ist nichts los an Bord.
     11. / 12. August 1990
Jeder wartet sehnlichst auf die Ankunft in Hanstholm. Um 17 Uhr können wir die Fähre endlich verlassen. Mit vier Trampern als Unterhaltung düse ich Non Stop durch. Total groggy komme ich nach 4697 km in Rutesheim an.
 

8.1.2006