1989

Die erste Tour 1989 in Islandfarben
The first tour 1989 in icelandic colours

Die erste große Tour mit Hanomag A-L28...

Nachdem im letzten Jahr mehrere Pisten mit einem Toyota Hiace nicht befahrbar waren, erwarb ich einen Hanomag A-L28, der sich in diesem Urlaub als nicht ganz unproblematisch herausstellen sollte- sämtliche passenden Glühkerzen Islands wurden aufgekauft.

     4.  August 1989
Abfahrt in Rutesheim um 3.30 Uhr morgens bei Kilometerstand 25265. Überraschenderweise zügig läuft der Hano, aber durch die Rhön und die Kasseler Berge schnauft der Oldie doch recht kräftig. Das Wetter ist den ganzen Tag ziemlich durchwachsen. Sonne, Regen und Nebel. Gegen 14.30 Uhr ist Hamburg und der Elbtunnel in Sicht. Ein 10 km langer Stau zieht sich in die Gegenrichtung. Unter dem Staunen der Grenzer komme ich nach Dänemark. Kurz vor Veijle halte ich nach einer Tagesetappe von 920 km. Auf dem Nachbarparkplatz steht ein alter Borgward B 2000.
     5. / 6.. August 1989
Über die flachen Straßen Dänemarks geht es flott voran. Das Wetter ist anfänglich saumäßig und stürmisch. Vorne regnet es ins Führerhaus hinein. Um 10 Uhr erreiche ich Hanstholm. Die See ist sehr rauh- meterhohe Wellen rollen an den Strand. Na denn gute Überfahrt. Der Himmel wird zusehends blauer. Ich stelle mich an der Fähre an. Das erste Gerät in der Reihe ist ein Borgward B 2000 Faltverdeck, des weiteren mehrere italienische und deutsche Geländewagen, aber auch ein kleiner Ford Fiesta- wo der wohl hin will?
Beim Einchecken stehen zwei Hanomag, zwei Borgward und ein Unimog. Mit einer Stunde Verspätung legt die Fähre an und kurz vor 21 Uhr beginnt die Überfahrt. Schnell kehrt die übliche Bordlangeweile ein.
     7. August 1989
Um 5.30 Uhr läuft die Norröna im Nebel in Torshavn ein. Das Ausladen der Fahrzeuge geschieht wider Erwarten nicht so chaotisch wie letztes Jahr. Als eines der letzten Fahrzeuge rolle ich rückwärts aus der Norröna heraus. Die erste Steigung außerhalb Torshavns ist für Hanomag Verhältnisse enorm und auf einem Parkplatz beginnt der Alptraum- eine Glühkerze muß gewechselt werden.
Über Berg und Tal, mal mit Sicht mal ohne geht es über die Sundbrücke von Streymoy nach Eysturoy. In Sichtweite der beiden Felsen Risin und Kellingin stiefle ich querfeldein bis zur Steilküste. Der Fels fällt schätzungsweise 300 m bis ins Meer ab. Ständig werde ich von einer Schar Möwen bewacht und als ich zu nahe an deren Nester komme, greifen sie im Sturzflug in Hitchcock Manier an.
Ein kurzer Abstecher über die Berge führt mich nach Gjögv, wo ich fast hoffnungslos eingekeilt am Ende der Straße stehe. Mit viel Kurbeln kann ich das Fahrzeug auf engster Stelle wenden.
In Eidi bleibe ich wieder auf dem wilden Campingplatz am Meer und schaue auf den umliegenden Felsen den Möwen und Papageientauchern zu.
     8. August 1989
Es ist windstill und die Sonne blinzelt ab und zu durch die großen, weißen Wolken. Mit zwei ausgemachten Nordlandfans aus der Steiermark besteige ich den hinter uns liegenden Berg. Über Klippen, Geröll und Wiesen kraxeln wir aufwärts, wobei wir eine tolle Aussicht auf die umliegenden Inseln, das Meer und die beiden Sagenfelsen Risin und Kellingin haben. In den senkrecht abfallenden Felswänden nisten Möwen, Papageientaucher, Krabbentaucher und andere Seevögel. Auch hier greifen die Möwen und Seeschwalben im Sturzflug an, wenn man ihren Nestern zu nahe kommt.

Die Felsen Risin und Kellingin
The rocks Risin and Kellingin

     9. August 1989
Beim Aufstehen stürmt und regnet es in Strömen. Gemütlich zuckle ich die 60 km zurück nach Torshavn, wo ich mich auf einen Parkplatz im Hafen stelle. Ohne erdenkliche Hast und ohne Schirm oder ähnliche Instrumente bewegen sich die Einheimischen durch den Regen. Inselfähren kommen und gehen.
Um 14.45 Uhr läuft die Norröna im Hafen ein. Beim Einchecken müssen die großen Fahrzeuge wieder bis zum Schluß warten. Ich werde im Bug des Schiffes verkeilt. Bei ruhiger See schlängelt sich die Fähre durch die färingische Inselwelt in Richtung offenes Meer.
     10. August 1989
Im morgendlichen Nebel erkennt man die ersten schneebedeckten Bergspitzen Islands. In Seydisfjördur scheint die Sonne und wir kommen sehr schnell aus der Fähre heraus. Die Autos werden wieder in einzelne Spuren aufgeteilt. Ich stehe eine Stunde am Zoll an, um die fällige Dieselsteuer für drei Wochen von 11553 IKr zu bezahlen. Der Wechselkurs am Zoll beträgt 300 DM für 9250 IKr und die Zöllner sind sehr stark an meinem Hano interessiert. Zu dritt werde ich im Auto nach Lebensmitteln "kontrolliert". Obwohl sie meine Bierbüchsen sehen- keine Beanstandungen. An der ersten Tankstelle bunkere ich 115 Liter Diesel für je 14,6 IKr .
Mit dem Borgwardfahrer Hermann Josef und seiner Familie breche ich auf in Richtung Kverkfjöll. Hinter Egilsstadir dröhnt es plötzlich wie bei einem Panzer. Meine Auspuffaufhängung ist gebrochen und der Auspuff hat sich zweigeteilt. Das ganze wird mit Draht notdürftig zusammengeflickt. Kurz darauf startet der Borgward nicht mehr. Die Verteilerkontakte sind völlig korrodiert. Schließlich können wir die Fahrt doch fortsetzen und biegen auf die Hochlandpiste F98 zum Kverkfjöll ab.
Unterwegs helfen wir einem französischen Mietwagenfahrer mit Benzin aus, da er den Durst seines Fahrzeuges im Gelände unterschätzt hat. Der erste Tag in Island durch Wüste, Lavafelder und Sandflächen neigt sich dem Ende entgegen. In Sichtweite des Herdubreid übernachten wir oberhalb eines kleinen Sees mitten in einer Schotterwüste.
     11. August 1989
Es regnet bei 5,6 °C und trotzdem macht es irre Spaß zu fahren, wobei wir durch schier endlose Aschewüste kommen. Links und rechts türmen sich schwarze Berge. Es folgen Flüsse, Schotterwüste, Lavafelder und ausgedehnte Sandstrecken. Hier benötigt man teilweise Allrad. Führerhaus und Aufbau verschränken sich enorm. Es ächzt und kracht, aber meine Einrichtung hält. Wir passieren zwei Abzweigungen zur Askja. Kurz vor der Kverkfjöllhütte fällt die Piste steil und sehr uneben bergab und der Hano nimmt abenteuerliche Schräglagen ein. Der Hüttenwirt meint, daß wetterbedingt keine Besichtigungen der heißen Quellen im Gletscher möglich wären. Auch wären die Eishöhlen am Gletscheranfang wegen Einsturzgefahr nicht zugänglich.
Nach weiteren 5 unwegsamen Kilometern stehen wir vor dem Gletscher. Nieselregen. Trotzdem schimmert es in allen Farben. Teilweise ist der Gletscher mit Asche und Geröll bedeckt. Aus unzähligen Spalten drückt das Schmelzwasser heraus.
Wir bleiben nicht, sondern machen uns auf den Weg zur Askja. Die Strecke ist recht schwierig, aber für unsere Oldies kein Hindernis. Mehrmals müssen aus meinen hinteren Zwillingsreifen große Steine entfernt werden.
Mondähnliche Landschaften begeistern uns. Auf der Zufahrt zur Askja ist reger Verkehr und der Campingplatz am Fuße der Askja ist recht gut belegt. Wir zahlen jeweils 200 IKr für die Übernachtung.

Wegweiser in der Wüste
Signs in the desert

     12. August 1989
Morgens wandere ich ein gutes Stück in den von einem Fluß ausgehöhlten Canyon beim Askjaparkplatz hinein. Am Ende der Schlucht liegt noch Schnee.
Hano hat enorme Startschwierigkeiten und der Auspuff dröhnt schon wieder. Auf halber Länge ist das Auspuffrohr auseinandergebrochen. Mit einer leeren Dose Erbseneintopf und einigen Schlauchbändern wird er geflickt.
Die letzten Kilometer durch junge, spitze Lava sind absolut kriminell. Nach 40 Minuten haben wir die Tortur hinter uns und ein Fußmarsch durch die kohleartige Caldera und matschigen Schnee führt uns zum Kraterrand des Viti. Nebel zieht auf. Es beginnt heftig zu stürmen. Am Kraterrand sieht man kaum bis zum See. Nebel. Es beginnt zu regnen und ist eisig kalt. Vornübergebeugt kämpfen wir uns gegen den Wind zurück zu den Autos. Nun hagelt es auch noch. Wir sind völlig durchnäßt. Trotzdem machen sich andere Gruppen auf in Richtung Kratersee.
Durch Lava, Sand, Schotter und Wellblechpiste kommen wir zum Campingplatz Herdubreidarlindir. An einem Fluß gibt ein Hochlandbus eine Sondervorstellung in Sachen Flußdurchquerungen. Zwei österreichische Motorradfahrer queren den Fluß ebenfalls. Einer stürzt in die kalten Fluten. Ein "richtiger" Motorradfahrer muß das aushalten. Nach einem weiteren Fluß und viel Wellblech erreichen wir Grimsstadir an der Ringstraße. Der Hano läuft immer schlechter an, trotzdem fahren wir im Eiltempo bis zum Campingplatz am Myvatn. Eine tolle Abendstimmung mit irrem Licht legt sich über die Solfatarenfelder.
     13. August 1989
Heute ist Reparaturtag. Die Glühkerzen werden ausgebaut. Die zweite Glühkerze ist defekt. Der Benzinhauptfilter wird geöffnet. Jede Menge schwarzer Sand befindet sich darin. Ebenso im Vorfilter an der Einspritzpumpe. Es ist also kein Wunder, wenn der Hano so schlecht läuft. Startversuch- er läuft wieder fast normal an. Am frühen Nachmittag fahren wir zum "Kamin " in der Erde, wo der Wasserdampf mit brachialer Gewalt aus dem Erdinnern strömt. Am Solfatarenfeld Namaskard blubbert, stinkt, zischt und kocht es, wobei die meisten aktiven Löcher großräumig mit Seilen abgesperrt sind.
An der Dampfgrotte Grotagja werden ganze Busladungen Touristen zum kurzen Fototermin entlassen. Am Abend erleben wir die zweistündige Vulcano Show, wo Vulkanausbrüche aus ganz Island und viele seismologische Meßgeräte gezeigt werden.
     14. August 1989
Am Solfatarenfeld an der Krafla zischt und brodelt es aus kleinsten Poren und bei einer 1,5 stündigen Wanderung durch das Lavafeld Dimmuborgir könnte man sich zwischen haushohen Lavaformationen ohne Orientierungshilfe durchaus verirren. Nach einem kurzen Abstecher zu den Pseudokratern im Myvatn gehen wir ins Schwimmbad. Die beiden Hot Pots sind mollig warm. Der heißere hat 43 °C. Die Lufttemperatur beträgt 8 °C und über uns ist blauweißer Himmel. Nach zwei Stunden im Bad kommen wir zurück auf den Campingplatz. Wir drehen mehrere Runden und unterhalten uns mit verschiedensten Leuten über alles mögliche, so auch mit dem arroganten "Zugvogel Hanomag".
     15. August 1989
Vorbei an den Pseudokratern fahren wir auf der Ringstraße in Richtung Godafoss und über Berg und Tal erreichen wir schließlich "Assekuranzi"- Akureyri. Ich suche in mindestens acht Geschäften und kleinen Werkstätten nach einer Ersatzglühkerze- vergebens. Palmen hat einen richtigen Spitzenelektriker für seine defekte Standheizung ausgemacht- er hat keine Ahnung. Ständig meint er "Maybe I can fix it". Nach einem Hot Dog zu horrendem Preis und einem riesigen Softeis düsen wir weiter. Durch das Öxnadalur und über relativ hohe Berge biegen wir schließlich ab auf die Kjölur Hochlandpiste. Nach 20 km über heideartige Landschaft rasten wir auf einem kleinen Grasplatz neben einer Flußbiegung mit schönem, schwarzem Sand.
     16. August 1989
Zuerst muß wieder einmal das Standgas neu eingestellt werden. Wir durchqueren die Flußarme der Blandaa und erreichen nach weiteren 8 km Hveravellir. Es ist eisig kalt und es nieselt. Nach einer kleinen Runde über das Solfatarenfeld begeben wir uns zum Aufwärmen in das mit Natursteinen gemauerte Schwimmbecken. Es hat zwei Plastikrohre als Zuläufe. Der eine ist eiskalt und der andere hat 85 °C. Es ist einfach herrlich, bei 4 °C Lufttemperatur im 40 °C warmen Wasser zu sitzen. Der Kontrast ist irre- hier die Badenden und außerhalb des Beckens tief vermummte Gestalten mit Anorak, Kapuze und Handschuhen. Die Sprachen im Pool sind international. Immer mehr Busse und Reisegesellschaften treffen ein, jedoch nur Wenige trauen sich ins Wasser.
Da nun auch meine Standheizung nicht funktioniert, nehme ich einen 20 Liter Kanister mit heißem Wasser als Heizung mit ins Auto. Zusätzlich wird innerlich mit irischem Whiskey eingeheizt.
     17. August 1989
Recht früh verlassen die ersten Reisegesellschaften Hveravellir. Wir starten um 12 Uhr durch und fahren direkt ins schöne Wetter hinein. Blauer Himmel läßt Lang- und Hofsjökull in brilliantem weiß erstrahlen. Palmen fährt mit dem Borgward zum ersten Mal offen. Vorbei am Hvitarvatn erreichen wir das Ende der Kjölur und den Wasserfall Gullfoss. Er liegt im strahlenden Sonnenschein mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund und einem sehr intensiven Regenbogen davor.
Wiederum ist am Hano eine Glühkerze defekt. Er muß angeschleppt werden.
Ein paar Kilometer weiter liegt das Solfatarenfeld beim Geysir. Das "Butterfaß" Strokkur ist sehr aktiv. Regelmäßig springt dieser "kleine Geysir" etwa 20 m in die Höhe. Schließlich führt unser Weg nach Reykjavik auf den Campingplatz neben dem Schwimmbad.
     18. August 1989
Zum wiederholten Mal baue ich die Glühkerzen aus. Nun sind die Kerzen des ersten und dritten Zylinders defekt. Beim Bosch Dienst in Lagmuli bekomme ich Ersatz. Sechs Stück zum Preis von je 931 IKr (30 DM).
Dort werden wir von einem Isländer angesprochen, der auch einen großen Borgward fährt. Nach einem kurzen Gespräch vereinbaren wir mit einem Dritten ein Minitreffen auf dem Campingplatz. In Reih und Glied werden die Fahrzeuge fotografiert. Der Isländer, ein passionierter Bastler, repariert notdürftig Palmens Standheizung und noch lange fachsimpeln wir über unsere Fahrzeuge.
In der Stadt stellen wir den Borgward beim Klapperstigur ab und gehen kreuz und quer durch die Innenstadt. Schließlich landen wir in einer Kneipe, wo wir uns Fish und Chips sowie ein paar Löwenbräu Bier genehmigen (0,5 Liter für 375 IKr). Draußen fahren die Isländer Runde um Runde. Als wir die Kneipe verlassen sehen wir eine endlose Karawane von Autos, inklusive mehrerer Polizeifahrzeuge, die ewig im Kreis fahren. Die ganze Jugend ist auf den Beinen, um beim "Cruising" teilzunehmen. Unglaublich, was hier los ist. Unter dem Staunen der Isländer fahren wir mit dem Borgward eine halbe Runde mit.
     19. August 1989
Sundlaugtag- Badetag. Wir vergnügen uns im benachbarten Schwimmbad- bei bis zu 45 °C lassen wir uns stundenlang einweichen. Danach verlassen wir Reykjavik in Richtung Südküste. Das Wetter ist traumhaft- blauer Himmel. Aus 70 km Entfernung sehen wir zum ersten Mal die Gletscher im Süden. Je näher wir kommen, um so imposanter sind sie. In Hvollsvöllur wird ein kleiner Tankstop eingelegt und wir biegen in die Thorsmörk ab, dabei passieren wir den einsam in der Landschaft stehenden, mächtigen Felsblock Stora Dimon, sowie mehrere Pferdekoppeln. Zu Anfang sind viele kleine Flüsschen in grüner Landschaft zu durchqueren.
Vorbei an einem kleinen Eissee kommen wir an die berühmt, berüchtigte Krossa. Nachdem uns von der anderen Uferseite die richtige Durchfahrt gezeigt wird, queren wir sie beide problemlos. Viele große, isländische Geländewagen stehen am anderen Ufer. Der Campingplatz ist jedoch nicht ganz nach unserem Geschmack, deshalb beschließen wir einen anderen Platz im Tal anzufahren., der wieder auf der gegenüberliegenden Seite der Krossa liegt. Palmen fährt vor. Gegen den Strom ist er machtlos- mitten im Fluß streikt der Motor. Palmen klettert aufs Dach und ruft nach Hilfe. Ich starte, doch da kommt schon ein übergroßer isländischer Van und zieht ihn unter den Augen sämtlicher Camper nach einiger Zeit aus dem nassen Element. Viele gute Ratschläge schließen sich an. Die Zündung und das Wageninnere werden einigermaßen trockengelegt. Nun probiert es Palmen nochmals- jedoch flußabwärts.
Der andere Platz ist super. Es ist eine große Wiese mit kleinen Büschen. Singsang, Gegröhle und Lagerfeuer. Nach einem herrlichen Mondaufgang über dem Gletscher und einem Rundgang über den Platz verkrieche ich mich in den warmen Schlafsack.

Festgefahren in der Krossa
Stuck in river Krossa

     20. August 1989
Wir haben alle Wetter gleichzeitig. Sonne, Regen, Nebel und Wind. Die ganze Luft ist sandhaltig. Die Isländer haben anscheinend keine Lust unter diesen Wetterbedingungen zu campieren. Fast alle reisen ab. Gegen Mittag dringen wir noch tiefer in das Tal vor. Ein 10 m breiter, reißender Gletscherfluß versperrt uns schließlich den Weg. Über eine Fußgängerbrücke kommen wir ans andere Ufer, wo sich eine weitere, fahrbare Brücke anschließt. Das Tal wird immer enger und wir queren mehrere kleine Flüsse. Links und rechts türmen sich kunstvoll erodierte Berge. Man scheint überall Figuren zu erkennen. Am Fuß der Berge sind viele kleine ausgewaschene Höhlen. Der vor uns liegende Gletscher zieht langsam mit Nebel zu. Es kommt ein sehr starker Wind auf und das Flußwasser und der Sand werden emporgewirbelt. Nun fängt es auch noch an zu regnen. Wie an der Askja werden wir halbseitig klatschnass. Dieses Mal von hinten.
Am Campsite scheint noch die Sonne. Wiederum haben wir in Sichtweite mehrere Wetterlagen. Hinter uns Regen. Auf dem Gletscher Schneesturm. Vor uns Sandsturm und über uns Sonnenschein mit starken Sturmböen. Durch die wasserhaltige Luft wölbt sich ein wunderschöner Regenbogen im Tal. Der Warden kassiert 500 IKr für zwei Übernachtungen. Nachts steht zu meiner vollkommenen Verwunderung erneut ein Regenbogen im Tal- verursacht durch den vor uns am Horizont aufgehenden Vollmond.
     21. August 1989
Der Tag der Regenbogen. Schon frühmorgens spannt sich ein geschlossener Regenbogen über das Tal. Er kommt und geht ständig. Mal regnet es, mal scheint die Sonne, manchmal beides gleichzeitig. Nochmals fahren wir die 2 km bis zur Krossa. Durch den Regen in den Bergen ist sie mächtig angeschwollen und führt fast doppelt so viel Wasser wie bei unserer Durchquerung. Sämtliche Flüsschen sind zu Flüssen geworden. Ein mitteltiefer Fluß wird wieder zum unfreiwilligen Standplatz des Borgward. Palmen klettert wieder aufs Dach und das Flußwasser läuft quer durch das Auto. Ich muß ihn aus den Fluten ziehen. Aus allen Ritzen rinnt das Wasser. Beim nächsten Fluß ist Palmen vorsichtiger und er läßt sich vorsorglich von mir durchschleppen.
In Hvollsvöllur hat der Hano wieder zwei Glühkerzen durchgebrannt. Deshalb fahren wir nicht nach Landmannalaugar sondern in Richtung Eissee. Vorbei am Seljalandsfoss und am Skogarfoss treffen wir am Vogelfelsen Dyrholaey ein. Die Brandung donnert mit Urgewalt gegen die Felsenküste. In einem ausgewaschenen Felsloch spritzt die Gischt empor. Von einem Leuchtturm hat man einen schönen Blick auf den unten liegenden, schwarzen Sandstrand mit geheimnisvoll aufsteigendem Nebel, die diesigen Berge im Hintergrund und die im Meer stehenden Felsen. Viele Vögel brüten in den Klippen. Zum Übernachten verlassen wir das Vogelschutzgebiet und bleiben 200 m vom Wasser entfernt hinter einem Felsen stehen.

Tag der Regenbogen
Day of rainbows

     22. August 1989
Die Ringstraße führt durch schwarze Sanderflächen und die dick mit Moos bewachsene Eldhraun. Der Wagen fährt mal mit 45 km/h, mal mit 70 km/h- ein eindeutiges Zeichen von Verstopfung. In Kirkjubaerklaustur hängt das hintere Nummernschild samt Licht nur noch am Stromzufuhrkabel und wird in einer Volvo Werkstatt für 700 IKr geschweißt.
Durch die Skeidarasandur und über viele Brücken erreichen wir die Zufahrt zum Skaftafell Nationalpark. Wir fahren jedoch immer in Sichtweite des allmächtigen Vatnajökull Gletschers bis zum Eissee Jökulsarlon. Die Aussicht ist trübe, trotzdem schwimmen auf dem See grandiose Eisberge. Am Ufer posieren ein Hanomag, ein Borgward und ein Unimog für ein Gruppenbild.
In Höfn besuchen wir das Minischwimmbad mit den zwei ständig blubbernden Pools. Direkt über das Schwimmbad spannt sich erneut ein sehr intensiver Regenbogen. Zum Übernachten stellen wir uns etwas außerhalb von Höfn auf eine Landzunge am Wasser.
     23. August 1989
Für zwei Stunden scheint die Sonne und wir nehmen die letzte Etappe in Angriff. Immer entlang an der Küste und unterhalb schön abgestufter Berge geht es vorbei an Djupivogur und um den Berufjördur. Hier holpern wir durch 12 km sehr schlechte, frisch hergerichtete Ringstraßenkilometer. Zwei weitere Fjorde werden umrundet und durch das größte Tal Islands, das Breiddalur, mit einem serpentinenförmigen Anstieg am Ende, sowie weiteren Pisten bergauf und bergab erreichen wir den See Lagerfljot. Der Hanomag läuft erbärmlich schlecht. Ein kurzes Stück Teerstraße bringt uns nach Egilsstadir und nach kurzem Aufenthalt schnaufen wir über den letzten Paß nach Seydisfjördur.
Hier stehen bereits zwei andere Hanos. Glühkerzenwechsel. Diesmal sind "nur drei" Stück defekt und es müssen die notdürftig geschweißten Kerzen eingebaut werden. Wir fachsimpeln und kochen im Regen hinter dem Zollgebäude.
     24. August 1989
Schon sehr früh frage ich bei der Smyril an, ob eine Vorbuchung um eine Woche möglich ist. Ich warte bis alle Fahrzeuge eingecheckt haben und laufe nervös über drei Stunden kreuz und quer über den Platz vor der Fähre. Die Autoschlange scheint endlos. Endlich, das letzte Fahrzeug ist durch. Nochmals frage ich nach. Tatsächlich, ich kann auf die Fähre. Ohne gültige Boarding Card komme ich an Bord. Um 13 Uhr legen wir ab. Schnell kehrt das übliche Bordleben ein.
     25. August 1989
Wecken um 5 Uhr Bordzeit. Die Norröna läuft in Torshavn ein und wir gehen zu einem Morgenspaziergang an Land. Wir schlendern durch die Altstadt mit ihren bunten, teils grasgedeckten Häusern. Nachdem wir wieder an Bord sind wird zuerst gefrühstückt und dann weitergeschlafen. Langeweile. Langeweile. Abends sitzen wir in der Cafeteria und beobachten zwei Schweizer mit ihren Lenkdrachen.
     26. / 27. August 1989
Wir stehen bei schönem Wetter an der Reling und Hanomag- fachsimpeln. Mehrere andere Dieselfahrer hatten ebenfalls enorme Startprobleme und Schwierigkeiten mit den Glühkerzen.
Endlich ist dänisches Land in Sicht. Recht flott wird das Schiff geräumt. Nun heißt es fahren, fahren, fahren. Palmen überholt mich unterwegs mehrmals. Sein Benziner Borgward ist doch erheblich schneller als der Hano. Am Morgen machen wir noch eine gemeinsame Kaffeepause. Danach düse ich ohne Stop bis nach Hause. Ankunft Sonntag um 14 Uhr nach 4456 gefahrenen Urlaubskilometern.
 

24.12.2003