2003

Festgefahren auf dem Weg nach Hrafntinnusker

Stuck on the way to Hrafntinnusker

"Light nights", Torfaera und ein festgefahrener Hanomag 

Alles und jeder geniesst die langen, isländischen Sommernächte. Ansonsten gab es in Hella Torfaera vom Feinsten und ein weiterer Versuch den Hrafntinnusker zu überqueren hat "kläglich" in einem Schlammloch geendet- aber Hilfe durch Beggi und seinen Landrover kam bald.....

     26. Juni 2003

Fast pünktlich um 21.16 Uhr hebt der Flieger ab um nach ruhigem Flug um 22.18 Uhr isländischer Zeit bei wolkenlosem Himmel und 11°C in Keflavik zu landen. Der Flybus bringt eine volle Busladung neuer Touristen in die Stadt und ich breche sofort in Richtung Hafen bzw. Eimskip auf. Schon aus der Ferne sehe ich den Hano im vorderen, völlig umgebauten Hafengelände stehen. Fünf Minuten Bürokratie und ich habe die Schlüssel und die notwendigen Papiere. Auf direktem Weg geht´s dann auf den spärlich besetzten Campingplatz. "Light nights"- das ist Island um diese Jahreszeit.

     27. Juni 2003

Nun heiß es Fahrzeug aufrüsten und alles wieder an den gewohnten Platz verstauen. Ich lasse es gemütlich angehen und melde mich bei Ingo dem "Eskimo" oder auch "Highland Puffin". Er kommt mit seinem Bruder Stefan vorbei, der ein Interview und Bilder für die Tageszeitung Morgunbladid macht. Veröffentlichung vermutlich Anfang nächster Woche. Ingo lädt mich zum Quadfahren am nächsten Tag in die Nähe von Borgarnes ein. Der Campsite ist auch heute nur minimal besetzt- es ist eben noch Vorsaison.

Um 23 Uhr steht die Sonne noch stramm am Himmel. Alles sitzt noch vor den Zelten und werkelt herum. Im benachbarten Park schwimmen jede Menge Enten und Gänse mit einer Vielzahl von Jungvögeln in allen Größen umher. Gegen Mitternacht ist künstliche Verdunkelung angesagt und ich krieche in meinen Schlafsack.

     28. Juni 2003

Adios Reykjavik- nach dem Auftanken verlasse ich die Stadt in Richtung Norden. Der Tunnel durch den Hvalfjördur würde stramme 3000 IKR kosten und so zuckle ich um denselben herum. Bei meiner Kaffeepause werde ich plötzlich von einer Gruppe Wohnmobile "eingekreist". Der Reiseleiter hatte selbst mehrere Hanomags und musste deshalb unbedingt anhalten. 

Auf der Nordseite des Fjords biege ich ab zum Skorradalsvatn, einem langen, schmalen und leicht bewaldeten See mit vielen Wochenendhäuschen. Am Ende befindet sich die Farm Indridastadir. Schon aus der Ferne winkt Ingo und ich parke mitten unter seiner neu erworbenen "Quadarmada". 11 Fahrzeuge stehen frisch gewaschen vor einer Koppel mit Pferden. Im leicht einsetzenden Regen machen wir auf dem privaten Farmgelände eine erste Ausfahrt auf den Quads. Die hochgeländegängigen Maschinen "gehen wie Schmidts Katze"- wir fahren bergauf, bergab durch Sumpf und Wasser. Immer wieder kreuzen umherrennende Vogelküken den Weg und wir werden von Skuas im Sturzflug attackiert. Zurück an der Farm geht Ingos Promotionveranstaltung weiter und die "Models" für die Werbebilder treffen ein. Im nun heftigeren Regen düsen wir nochmals durchs Gelände. Nach einigen Stunden in Ingos neuem Reich mit mehreren Führungen im und um den Hanomag verlasse ich diesen gastlichen Ort um etwas Spannung auf die Batterie zu bringen. Ein nicht ganz auszumachender Wackelkontakt an der zweiten Lichtmaschine hält mich auf Trab. 

Auf Nebenstrecken erreiche ich wieder die Ringstrasse und die 60 steigt im Nebel mit Sichtweite unter 10 m auf nahezu 400 m auf. Etwa 20 km vor Budardalur bleibe ich vor einem eingezäunten Wäldchen gegen 23 Uhr bei vollkommener Helligkeit stehen und ich schraube noch etwas an der "Sch....elektrik" herum.

Quad statt Hanomag?

Quad instead of Hanomag?

     29. Juni 2003

Die Elektrik verfolgt mich noch immer. Fahren am Stecker wackeln, fahren.....

Am Damm durch den Gilsfjördur spiegeln sich die umliegenden Berge und nun geht sie los, die kostenlose isländische Fjordkreuzfahrt. Der Weg führt am Wasser entlang oder in teilweise starken Steigungen über mehrere hundert Meter hohe Bergrücken. Die vom nächtlichen Regen nasse Piste verpasst dem Hano untenherum eine schöne, dicke Dreckschicht......und so geht es weiter fjordaus, fjordein.....

Vorbei an der Anlegestelle der Fähre aus Stykkisholmur geht es am Bardaströnd über die 400m hohe Kleifaheidi mit Riesensteinmann. Am Patreksfjördur passiert man den Flugplatz inmitten großer, heller Sanddünen. Für das kleine Westfjordmuseum ist es bereits zu spät und pünktlich um 20 Uhr stehe ich am Leuchtturm bei Latrabjarg. Schon aus der Ferne sieht man die Papageientaucher auf der oberen Grasnarbe sitzen. Nach wie vor ist es möglich sich ihnen auf kürzesten Abstand zu nähern. Völlig unbeteiligt watscheln sie etwas unbeholfen umher um dann doch oftmals dem "ungeliebten Fotografen" im letzten Moment davonzufliegen. Nun scheint auch noch die Abendsonne auf die Vogelkolonie und so wird Bild auf Bild verschossen. Immer höher wandere ich auf dem Felsen und das Vogelgeschrei wird immer lauter. In den steil abfallenden Klippen sitzen unzählige Vögel auf kleinstem Raum. Viele segeln im heftigen Aufwind dahin und beobachten den Publikumsverkehr. Schließlich ist das Schauspiel zu Ende und eine Wolkenfront nimmt das tiefstehende Licht. Auch gut- so komme ich gegen Mitternacht endlich in den Hano zurück.

     30. Juni 2003

Bereits um 8 Uhr stehe ich zum ersten Mal für heute an den Vogelklippen. Die meisten Papageientaucher haben wohl die Nacht durchgemacht und deshalb verpennt- vielleicht und wahrscheinlicher sind sie aber auf dem Meer "zum Fischen". Am frühen Nachmittag und mehreren Gängen zu den Klippen kann ich mich endlich losreißen und es geht weiter. Die 46 km bis zur Hauptstrasse ziehen sich ganz schön in die Länge. In Patreksfjördur wird getankt und auf der Verbindungsstrecke nach Bildudalur erreiche ich mit 501 Höhenmetern  den höchsten Punkt des Tages. Bildudalur liegt wunderschön inmitten einer regelrechten Fjordkreuzung. Berge und Wasser zu allen Seiten. Am Reykjarfjördur liegt ein kleines, mittelmäßig warmes Schwimmbad fast unmittelbar am Fjord. Dieser ist jedoch schwer zu erreichen, da er von brütenden Seeschwalben bewacht wird.

Die Bergstrecke über die Dynjandisheidi führt mitten durch eine karge Landschaft, die aber ungemein reizvoll ist- und wo bleiben jetzt die Indianer? Auf Serpentinen kommt der Fjord immer näher und schließlich steht man auf der Campingwiese vor dem imposanten Wasserfall. 

Heerscharen lästiger Mücken attackieren jede freie Stelle am Körper und verstopfen Augen und Ohren- nichts wie zurück ins Auto. Um 23 Uhr steige ich trotzdem an den vielen Einzelwasserfällen vorbei bis zum Dynjandi hinauf. Mächtig donnert er die abgestufte Felswand herunter und dieses Geräusch begleitet auch die ganze Nacht.

Papageientaucher in Latrabjarg

Puffin in Latrabjarg

     1. Juli 2003

Die Mucken, "die Hundsviecher- die Misrabligen" verjagen mich vom Dynjandi. Am Borgarfjördur entlang kommt man zur Einfahrt der Halbinselumrundung , die dann in Tingeyri endet. Zuerst muß man aber an den Seeschwalben vorbei, die mal wieder den Eingang bewachen und auch Hanomags im Sturzflug angreifen. Auf der Südseite des Arnarfjördurs hat man als ständigen Begleiter ein schönes Bergpanorama. Die Piste ist feldwegartig und gut befahrbar. Die ehemalige Furt durchs Meer ist zwischenzeitlich massiv aufgefüllt und eingeebnet- trotzdem ist der Standort unter den stark überhängenden Brandungsfelsen einmalig und die umherfliegenden Seevögel zeigen, daß man dem Meer sehr nahe ist. 

Hohe, schichtartig aufgebaute Berge mit vielen umherfliegenden Meeresvögeln liegen zur Rechten. Am Umkehrpunkt auf der Halbinsel steht ein Leuchtturm zwischen Fjord und Bergen. Danach folgt noch eine kurze in den losen Berggrund geschobene Serpentinenpiste und der Rest bis Tingeyri ist schon wieder Autobahn. 

Es folgt eine Fjordumrundung, eine Bergüberfahrt und vor Isafjördur ein mehr als 9 km langer Tunnel mit Abzweig nach Sudureyri. Isafjördur liegt malerisch am Fjord, aber ich nutze die Helligkeit und fahre noch bis auf die Aussichtsstelle auf der Landspitze bei Kambsnes, wo ich Fjordblick auf drei Seiten habe.

Piste am Meer entlang

Track along the sea

     2. Juli 2003

Erst gegen 8.30 Uhr treibt es mich aus den Federn. Es folgt Fjord auf Fjord auf Fjord auf Bergquerung. Am Fjord schwimmen Unmengen Enten und vereinzelt auch Graugänse und Schwäne umher. Aus der Ferne sieht man am gegenüberliegenden Ufer und halb im Nebel den Gletscher Drangajökull. Der Isafjördur ist der letzte Fjord in der langen Reihe, bevor es über die Steingrimsfjardarheidi geht. Mitten im Anstieg nehme ich im Regen einen Fahrradfahrer aus Westfriesland mit. An der Kreuzung nach Holmavk biege ich auf die Küstenstrecke nach Drangsnes ab. Auf der Nordwestseite dieser Halbinsel liegt viel Treibgut an den Stränden herum. Es ist Ebbe und viele, grünbealgte Steine kommen zum Vorschein und dreht man sie um, so wuselt es nur so mit Minikrebschen und sonstigem Getier.

Das Kaldbakshorn und die folgende Strecke liegt im Nebel. Beim Überqueren der Kamburhalbinsel bin ich bereits auf 90 Höhenmetern im Nebel des Grauens verschwunden. Kurz  danach passiert man die alte Heringsfabrik Djupavik mit noch immer stark vom Rostfraß befallenen Kahn davor. Ich stoppe an einem kleinen Hafen mit am Strand sitzenden Enten und schaue mal wieder Fjordfernsehen.....

     3. Juli 2003

Nach dem Bezahlen von 200 IKR lehne ich bereits um 9 Uhr als einziger Badegast am Beckenrand des Schwimmbades in Krossnes und schaue im leichten Nieselregen auf die an den Kieselstrand rollenden Wellen des Nordatlantiks. Bei geschätzten 35 °C lümmelt es sich besonders gut in der warmen Brühe. Ich schwimme rauf und runter und während vier Stunden habe ich nur zwei Mal je zwei Mitschwimmer- doch plötzlich tritt eine jähe Veränderung ein- ein Kleinbus mit laut gröhlenden Touristen trifft ein, die teilweise im Bad und teilweise außerhalb alles belagern- jetzt ist es Zeit für mich zu gehen.

Die gestrige Strecke nur in entgegengesetzter Richtung bringt nicht viele neue Ansichten, zumal das Wetter noch immer nebelig bis leicht regnerisch ist. Fast ständig führt die Piste an "entenbesetzten" Fjorden entlang. Erst auf der Bergüberfahrt 643 vor Holmavik kommt die Sonne zum Vorschein und das Thermometer zeigt 18 °C. 

Der weitere Weg südwärts passiert viele Strände mit Unmengen, teilweise aufgeschichtetem Treibholz. Am Eingang des Hrutafjördurs bleibe ich an einem solchen kleinen Grasstrand stehen und lausche der Brandung und dem Wind. Westfjord TV zeigt eine altbekannte Wiederholung- Enten, Enten, Enten......

Treibgut am Strand

Drifting goods at the beach

     4. Juli 2003

"It´s a long way to Tipparary" und an den Myvatn ist es fast genau so weit- aber alles schön der Reihe nach. Am Morgen regnet es noch immer leicht und so ist es relativ einfach einen Fahrtag einzulegen um Strecke zu machen. Am Ende des Hrutafjördur trifft man auf die Ringstrasse, was man direkt am Verkehrsaufkommen merkt. Ich orientiere mich während der Fahrt nur noch mit den GPS Längengraden und den "vertikalen Strichen" auf der Karte-und wieder 30 Minuten geschafft. 

Blönduos und Varmahlid sind Durchgangspunkte. Auf der Öxnadalsheide steigt die Strasse auf maximal 554 m an und das nächste Zwischenziel ist Akureyri, wo gleich zwei Kreuzfahrtschiffe im Fjord liegen. Da am Godafoss zusammen vier Busse stehen, lasse ich auch ihn rechts liegen und erreiche schließlich auf schlaglochübersäter Piste den Myvatn. 

Eine kurze Fahrt bringt mich an das Solfatarenfeld Namaskard, aber das Licht ist nicht gut und so gehe ich zu Aktivitäten über, bei denen das Licht weniger wichtig ist- nämlich zum Baden auf eigene Gefahr in der milchigtrüben, warmen Lagune. Nebelschwaden ziehen unwirklich über die Wasseroberfläche. Beim Verlassen des Wassers bläst der Wind ganz ordentlich und das kann nur durch einen kurzen Spurt an den Hano abgestellt werden. 

Camping an meinem Stammplatz kostet zwischenzeitlich 600 IKR pro Nacht.

     5. Juli 2003

Ein erster kleiner Hanomagservice ist angesagt. Öl, Wasser, Frontscheibe mit Silikon abdichten, diverse losgerüttelte Schrauben nachziehen- nichts Gravierendes.

An der Tankstelle habe ich eine Begegnung der besonderen Art und zwar mit einem schwarzen isländisch/deutschen Hummer- imposant. Als ich zur Badelagune komme, bin ich ganz alleine- also nichts wie hinein in die milchige Brühe. Nach etwa einer Stunde reichts mir und nun "laure ich mit dem Foto die anderen Badegäste auf". Schlammpackungen- oder ist es wirklich intergalaktischer Schleim?- sind besonders beliebt.

In Namaskard ist wie immer sehr viel Betrieb und Reisegruppe auf Reisegruppe wird durchgeschleust. Den Rekord halten auch hier die Japaner- raus aus dem Bus, Solfatarenfeld umrunden und wieder rein in den Bus- Abfahrt.... und das alles in 10 Minuten.

Gegen 16.30 Uhr fahre ich ab in Richtung Landesinnere. Im Schneckentempo schleiche ich über die frisch gerichtete Piste in Grobrichtung Askja. Im zweiten Fluss hätte ich fast einen Strafzettel wegen Geschwindigkeitsüberschreitung erhalten- hier sind per Schild nur 5 km/h erlaubt. In Herdubreidarlindir halte ich an und harre der Dinge die da kommen....

Schlamm macht schön

Mud makes beautiful

     6. Juli 2003

Die Übernachtungshütte wird fast rundum von Wasser umflossen und die Ufer sind vollständig mit Pflanzen bewachsen.

Nach dem ersten Lavafeld mache ich den obligatorischen Stop an der Jökulsaschlucht. Ohne jeglichen Verkehr biege ich auf "leichter Wüstenpiste mit Lavaeinstreuungen" auf die F910 ab, wo die Jökulsa und die Kreppa jeweils auf Brücken gequert wird. Kurz nach dem 16. Längengrad zweige ich nach Süden in das Vikradalur ab. Die Piste führt auf über 700 m Höhe durch schwarze Wüstenlandschaft. 

Am Abzweig zu den Graegasavötn fahre ich links Richtung Havrahvammar. An der Schlucht Dimmugljufur ist schwerstes Baugerät in Sonntagsarbeit unterwegs. An mehreren Stellen wird heftig an dem neuen Staudamm gebaut und die Piste wird nun fast vierspurig. Eine riesige Trasse mit mächtig Verkehr wurde hier mitten in die Landschaft geschoben- ich bin einigermaßen geschockt.

Durch die neue Trasse ist meine Karte wertlos geworden- ich finde den Abzweig nicht, um mich von der Westseite dem Snaefell zu nähern. So fahre ich notgedrungen auf dem mehrspurigen "Schepperhighway" weiter um auf der Hochebene immer wieder in den Nebel einzutauchen. Bei den Strassenbauarbeiten wurden auch einige Strassenschilder "entwurzelt" und sie liegen nun nutzlos am Boden herum. Die Temperatur bewegt sich um die 7 °C und was ist das- kein Vortrieb? An einer leichten Abfahrt im vollen Nebel geht mir doch glatt der Sprit aus. Also nachpumpen und entlüften- läuft.

Der Abstieg ins Tal um wenigstens 500 Höhenmeter geschieht in mehreren Serpentinen auf kürzester Entfernung. Unten angekommen geht es links zum nur wenige Kilometer entfernten Hengifossparkplatz- und jetzt is a Ruh.

     7. Juli 2003

Gegen 9 Uhr kommen die ersten Busse zum Hengifoss und so mache ich mich auf der Westseite des Lagerfljot Sees auf nach Egilsstadir. Die etwa 30 km sind schnell geschafft und so führt mein erster Weg an die Tankstelle. Diese Esso Tanke wird auch- wie mir bekannt- von einer Webcam "beobachtet". Als nächstes suche ich das Internetcafe neben dem Supermarkt auf um meine erhaltenen Nachrichten anzusehen- und was ist das? Markus war genau zu meiner Tankzeit im Internet und sieht mich dort an der Zapfsäule stehen. Als Beweis schickt er mir das Bild zu. So klein ist die Welt.

Ich beobachte die Leute und die Fahrzeuge an der Tankstelle und unterhalte mich mit vielen Bekannten. Schließlich treffe ich noch Helene, eine französische Radfahrerin, die nun wieder langsam über Norwegen, Schweden.......auf dem Heimweg ist- und das alles per Rad.

     8. Juli 2003

Das ist fast ein Ruhetag. Ein bißchen Internetcafe und mit blauer werdendem Himmel "wagen wir" die große Lagerfljot Rundfahrt. Prompt ist es natürlich beim Aufstieg an den Hengifoss bewölkt und als wir dann wieder unten sind ist der blaue Himmel auch dort angekommen.

In Egilsstadir treffen mehr und mehr Leute für die nächste Fähre ein. Man unterhält sich mit jede Menge Leute und schließlich sitzen wir wieder bis in die Puppen im Hano......

     9. Juli 2003

Erst gegen 10 Uhr komme ich aus den Federn und meine Zeltnachbarin ist nach langer Nacht noch viel weniger fit. Erst langsam kommen die Lebensgeister zurück. Schließlich wird im einsetzenden Regen doch zusammengepackt und Helene besteigt tatsächlich ihr Fahrrad.

Ich düse los in Richtung Süden und kürze natürlich über die gut befahrbare Öxi ab. Das Wetter bleibt konstant- nämlich regnerisch. Die Berge am Meer stehen fast alle in den Wolken und zusätzlich entwickelt sich an den Seitenhängen viel Nebel. Djupivogur mit strengem Fischgeruch und auch Höfn lasse ich links liegen und gegen 20 Uhr stehe ich mal wieder am Eissee und hoffe auf den Sonnenschein am kommenden Tag.

Radfahren in Island

Cycling in Iceland

     10. Juli 2003

Bereits kurz nach 8 Uhr geht der Touristenverkehr los. Als ich den Kopf zum ersten Mal aus der Tür stecke, stehen bereits 8 Busse auf dem Parkplatz. Direkt voraus findet ein Photoshooting mit irgendwelchen "dürren, aufgetakelten Modepüppchen" statt.

Ein älterer Herr erklärt seinem Nachbarn: "Das war da drüben bei den Möwen,....den...den...Stukas". Vielleicht meinte er ja die Skuas.

Ich laufe zuerst rechtsherum am See entlang und dann unter der Brücke hindurch an den wellenumtosten Strand. Die Seeschwalben in der benachbarten Wiese kreischen um die Wette.

Über die Brücke und am linken Teil des Sees entlang liegen wesentlich mehr Eisberge vor Anker. Weiß, blau, schwarz und klar durchsichtig sind die bevorzugten Modefarben. Meist schleiche ich alleine am Ufer entlang, aber ab und zu tauchen auch größere Reisegruppen zum Beispiel aus Sachsen auf: "Da müsste man jetzt den ganzen Deil abschießen, dann würde der Aisberg umgibben".

Erst kurz vor 18 Uhr bin ich wieder am Hano zurück und fahre am See entlang. Die erste Schotterstrasse rechts weg führt fast 6 km durch die Moränenfelder bis nahe an den Gletscher. Ich überquere jedoch den nächsten Fluss an der Ringstrasse und biege dann wieder rechts ab bis an einen weiteren, kleinen Eissee. Der Wind bläst in Sturmstärke und der Hano wackelt gewaltig in den Böen.

Jökulsarlon Eissee

Jökulsarlon icelake

     11. Juli 2003

Die Nacht war begleitet vom heftigsten Sturm an den ich mich seit langem erinnern kann. Aber er hatte auch etwas Gutes- er brachte nämlich den blauen Himmel mit. Die Eisberge wurden alle auf meine Seite geweht und nun steht der zerfurchte Gletscher im strahlenden Weiß hinter mir. Der kleine Gletschersee Fjallsarlon gibt bei diesem Licht natürlich auch viel her. Nach zwei Stunden Fotoorgie reiße ich mich schließlich los und entwickle mich nun zum richtigen Ringstrassentourist, da es bis Hella keine Alternative gibt. 

Skeidararsandur, Kirkjubaerklaustur, Eldhraun, Myrdalssandur und Dyrholaey sind Durchgangsstationen bis ich am Skogarfoss mal wieder einen Stop einlege. Die Sonne steht schon fast hinter dem linksseitigen Berg und so fehlt mal wieder der Regenbogen am Wasserfall. Den habe ich aber am Seljalandsfoss. Die reichlich vorhandene Gischt zaubert das Farbgebilde in die Luft. 

Kurz nach 20 Uhr habe ich mein Tagesziel Hella erreicht. Ein Flugzeug führt Kunstflug aus und Fallschirmspringer segeln am Himmel. Bis weit nach Mitternacht treffen die Isis ein und alles sitzt und steht vor den Behausungen.

Ein Wikingerschiff im Eis

A Viking ship in the ice

     12. Juli 2003

Torfaeratag. Nichts in Hella deutet auf dieses Ereignis hin, aber kurz vor 12 Uhr trifft Kay ein und kurz darauf auch Ingo. Mit dem Hanomag fahren wir auf die "isländische Spielwiese" aus schwarzem Sand, Wasser und Sumpf, die fast komplett unter der Grasnarbe liegt. Knapp 20 "Fahrmaschinen" stehen am Start. Sektion auf Sektion ist eine Steigerung der Schwierigkeit inbegriffen. Im Mittelteil ist gar eine fahrerische Aufgabe, die keiner bewältigt. Die Fahrzeuge hängen am Hang, der zu Fuß oftmals nicht begehbar aber befahrbar ist. Immer weiter wandern die Zuschauer in Richtung Wasser. Die beiden letzten Sektionen sind die interessantesten. Mehrere Wasserpassagen mit fast 50 m Länge sind zu queren, oder man sinkt gnadenlos ab. Nur Wenige schaffen den ganzen Weg mit dreifacher Wasserfurtung. Zum Schluß geht es durch den Sumpf und hier bestehen wirklich nur noch die Besten. "Schlammopfer" werden hier nicht mehr mit dem Unimog sondern mit einem Raupenfahrzeug geborgen. Hier stellt sich schließlich auch der Gesamtsieger heraus- Haraldur Petursson. Zusammen mit meinem gestrigen Campingnachbarn- Gunnar Gunnarson machen wir dann noch das Siegerfoto des Tages.

Siegerfoto

Victory picture

     13. Juli 2003

Die Isis nebenan haben bis nach 5 Uhr durchgemacht und bei meiner Abfahrt ist noch keine Spur von ihnen zu sehen. Nach Hvollsvöllur biege ich auf die Parallelstrecke zur Thorsmörk ab, um als ersten markanten Wegpunkt den Einhyrningur oder Einhornberg zu passieren. Nach der F261 folge ich der F210 in östliche Richtung. Die Bergpanoramen werden bei stark wechselndem Licht und Wetter immer phantastischer. An einem grünen Berg mit vorgelagertem Wasserfall und Brücke warte ich auf Licht. Immer wieder scheint die Sonne durch kleinere Wolkenlöcher.

Ich befinde mich teilweise auf dem Fernwanderweg von der Thorsmörk nach Landmannalaugar. Ein belgische Gruppe hat eine "fußkranke Wanderin" dabei und so nehme ich sie mit einigem Gepäck bis zur Hütte Hvanngil mit. Kurz danach umfährt man den Alftavatn und nähert sich dem Laufafell. Eine Furt ist tiefer als sie ausgesehen hat und ich habe einen leichten Wassereinbruch an meinem Seiteneinstieg. 

Plötzlich ein Schreck- brrrrrrrrrrrrrr- wieder einmal hat sich mein Auspuff auseinandervibriert. Im einsetzenden Fisselregen stecke ich ihn wieder zusammen und schraube ihn fest. Nach dem Lavafeld am Laufafell liegt ein kleiner See und es riecht nach Schwefel. Dort parke ich für heute ein und benutze bei angenehmen 10 °C meine Außendusche- was für ein Panorama bei einer solch profanen Tätigkeit.

Gegen 22.30 Uhr laufe ich einmalig um den ganzen See, der übervoll mit ständig springenden Fischchen ist. Ich stehe bei absoluter Windstille lange "vor der Haustüre" und man hört nur das ständige Plätschern der Fische- ansonsten ist absolute Ruhe.

     14. Juli 2003

Wie wenn ich es geahnt hätte, daß es ein anstrengender Tag wird, fahre ich bereits kurz nach 8 Uhr los. Das Laufafell wird weiter umrundet und der erste größere zu durchfahrende Fluss bildet wenige hundert Meter flussabwärts einen etwa 20 m hohen Wasserfall. Eine erste Querung schlägt fehl, da sich schon wieder meine Auspuffrohre getrennt haben- also befestigen. 

Der steile Anstieg und eine Hangfahrt mit ordentlich Schräglage sind mir noch gut von letztem Jahr in Erinnerung. Die auserodierte Piste führt weiter nach oben und rechts ist bereits das teilweise schneebedeckte Lavafeld von Hrafntinnusker mit den dampfenden Solfataren zu sehen. Die letzten 100 m bis zu meinem geplanten Stop bei den direkt am Weg liegenden heissen Quellen bieten zwei Fahrmöglichkeiten- ich entschließe mich für die rechte Spur. Ein leichter mit Steinen aufgefüllter Graben führt nach links- ich bleibe rechts und etwa 5 m weiter steht der Hano voll im gelbschwarzen Modder. Vorwärts geht nichts mehr, aber ich kann etwa 3 m zurücksetzen. Dann driftet das hintere rechte Rad in einen weiteren Graben ab. Nun geht gar nichts mehr und der Wagen hängt erbärmlich schief. Ich hole Schaufel und Sandbleche vom Dach und fange an zu graben und aufzufüllen. 

Nach etwa 30 Minuten kommt ein erstes Fahrzeug- ein Landrover mit Anhänger. Es ist Beggi ein alter Bekannter aus vorherigen Islandurlauben. Er will mich mit der Winde herausziehen, aber er findet das Fernbedienteil nicht. So versuchen wir den Hano etwas bergab zu ziehen. Er will jedoch nicht in die vorgegrabene Spur und sackt hinten rechts noch mehr ab. Das hintere Differential liegt im Dreck auf und das Kofferende berührt fast den Boden.

Wir versuchen ihn nach oben zu ziehen. Dazu benutzen wir auch mein Abschleppseil. Der Landrover zieht mehrfach und plötzlich reißt mein Seil und einer der daran befindlichen Schäkel fliegt wie ein Geschoß durch die hintere Scheibe des Landrovers und wird erst durch eine ebenfalls zerberstende Vorderscheibe gestoppt. Ich sitze wie versteinert im Fahrerhaus und erst als beide Personen aus dem Landi steigen kraxle ich die mehr als 1 m auf den Boden hinunter. Mann oh Mann das hätte auch schief gehen können. Beggi bleibt völlig cool und meint, das sei alles kein Problem.

Wir graben etwa zwei Stunden weiter und hauen regelrechte Gräben für die Räder in den weichen Untergrund. Ein weiterer Versuch rückwärts und der Hano steht wieder auf festem Grund. 

Wir tauschen die Adressen für die Schadensregulierung und Beggi verschwindet zu seiner eigentlichen Gletschertour in den Bergen. Ich habe die Schnauze voll, drehe um und fahre wie in Trance wieder zurück nach Hella und schwöre mir dabei nie wieder irgendwelchen "billigen Mist" an Ausrüstung zu kaufen, der angeblich etwas taugen soll.

Die Hilfe naht- Beggi mit dem Landrover

Help is on the way- Beggi with the Landrover

     15. Juli 2003

Nur langsam komme ich heute in die Gänge und fahre in Richtung Hekla aus Hella ab. Meterhoch liegt das Sand und Aschegemisch am weiten Fuße des leider hinter Wolken fast unsichtbaren Vulkans. Von der 26 biege ich 4 km ab zur Tjorsa, die in einer Kehre vor dem Burfell eine Schlucht bildet und so den Tjofafoss entstehen lässt. Mächtig viel trübes Gletscherwasser rauscht in Richtung Meer. 

Nicht viel weiter nördlich ist die kleine Schlucht Gjain mit viel Pflanzen, Wasser, Lava,  Höhlen und nicht zu verachten Mücken, Mücken, Mücken .....und einer deutschen Reisegruppe. Auf Wunsch mache ich mit diversen Fotoapparaten Gruppenbilder, da ja jeder auf dem Bild sein will und das mit dem Selbstauslöser nicht so richtig klappen will.

Über den Fluss bei Stöng komme ich schließlich zum Ende meiner "Fosstour" an den mit viel Basalt umstandenen Doppelwasserfall- Hjalparfoss. Auch hier wird man direkt am Wasser von den Mücken fast aufgefressen. Am Parkplatz darüber rauscht das Wasser ständig und monoton-schschschschsch............

     16. Juli 2003

4.15 Uhr, Sonnenschein, blauer Himmel und 9 °C- Aaaaaaufsteeeehn! Es ist Heklatag. 

Bereits aus der Ferne steht der Vulkan mächtig, teilweise schneebedeckt und unbewölkt in der Landschaft. Vom Landmannaleid F225 biegt die Heklapiste ab. Man steigt höher und höher und immer neue Panoramen gibt es zu fotografieren. Nach einem ersten PKW Parkplatz führt die Piste weiter am Hang entlang nach oben. Auf etwa 750 m Höhe und hart an der Schneegrenze wird mir der Weg zu steil und so marschiere ich noch etwa 100 Höhenmeter weiter bis auf eine Kuppe. Von dort sieht man Langjökull, Kerlingarfjöll und den Hofsjökull. Die Isis fahren von hier noch geschätzte 2 km bis auf eine weitere Anhöhe. 

Die Piste führt nun immer um die Hekla herum- und das in schwarzem Sand und Lava bei teilweise 25 °C. Die dicken Brocken bleiben zur Rechten und schließlich steht man vor der etwa 10 m hohen schwarzen Lavawand mit Kreuzung.

Die Piste in Richtung Krakatindur ist jedoch nur schwer auszumachen und so so fahre ich die gleiche Strecke zurück. Eine kurze Abzweigung führt nach Raudaskal- einem riesigen Loch mit dort ankommendem, steilen Wanderweg. 

Kurz streife ich wieder den Landmannaleid um dann nach Valagja- einem weiteren Riesenloch mit Sicht auf mehrere schneebedeckte Berge abzubiegen. 

Gegen 23 Uhr verschwindet die Sonne hinter mir an einem kleineren Hügel und mit der Zeit färbt sich der Himmel in dieser Richtung in immer kitschigeren Farben ein- das ist die letzte Stunde des Fotografen und erst nach Mitternacht ist das Schauspiel beendet.

Fahrt um die Hekla

Tour around Hekla

     17. Juli 2003

Ich fahre zurück auf den Landmannaleid und an der Abzweigung nach Krakatindur laufe ich querfeld zum roten Wasserfall- leider steht die Sonne noch auf der verkehrten Seite des Wasserfalls. 

Durch Sand, Lava und einige kleinere Flüsse mit Sicht auf die allseits vorhandenen Berge schleiche ich langsam bis Landmannalaugar. Ich besuche Nina und Smari in ihrem Verkaufsbus Cafe Fjallafang und als erstes zeigen sie mir den ausgerissenen Artikel aus dem Morgunbladid- muß wohl am letzten Sonntag erschienen sein. 

Wie immer ist viel Betrieb auf dem "Steinacker Camping" und nur mit großem Gerät sind die Heringe in den Boden zu klopfen.

Die Berge im Hintergrund leuchten in allen Farben und bei dieser Kulisse wird nebenan an den hinteren Achswellen eines Mercedes Buses herumgeschraubt- ist doch glatt nach 38 Jahren das Endstück mit der Verzahnung abgeschert. Kurz vor Mitternacht wird die Probefahrt gemacht- alles wieder klar und es kann weitergehen.

     18. Juli 2003

Booaah- Hitzewelle in Island- wir haben mehr als 25 °C und alles stöhnt. Schon früh sind die meisten Busse abgefahren und so gehe ich bei dieser Bullenhitze und Sonnenschein zur Strafe noch für etwa vier Stunden in die "Badewanne"- sprich in das warme Wasser. Als es mir dann gegen Mittag doch zu bevölkert wird laufe ich kreuz und quer über den Platz und unterhalte mich mit "Hinz und Kunz". 

Dann geht nichts mehr und ich setze mich in den Schatten des Hanomags. Dabei ist eine schöne Beschäftigung den vielen ankommenden Touris zuzusehen. Unimogtour für den Geldadel, Unimog und Landi mit "Abenteurern " aus Italien oder Natuurreizen mit zwei Landis und 18 Personen aus Holland. Die Geschmäcker sind eben völlig verschieden. 

Mächtig schwarze Wolken zur Hälfte über dem Platz verziehen sich wieder- und wieder war es nichts mit Abkühlung.

     19. Juli 2003

Um 8 Uhr ist bereits Getöse vor meiner Haustüre. Was ist denn da los? Mehrere Busse sind angekommen und Läufer in kurzen Hosen, Startnummern und Verpflegungsgürteln laufen aufgeregt hin und her. Um 9 Uhr wird durch Herunterzählen von Zehn der 50 km Marathonlauf Landmannalaugar - Thorsmörk gestartet- eine lange Läuferschlange windet sich ins Lavafeld...........

Eine Stunde später fühle ich mich richtig animiert und ich starte die Landmannalaugar Rundtour. Zuerst hinauf auf den Blahnukur- natürlich wegen der genialen Rundumaussicht und da oben gibt es auch Netz zum telefonieren mit Lutz und Ingo. 

Recht steil geht es dann teilweise wieder hinab und bei geschätzten mindestens 30 °C durch das schwarze Lavafeld. Man sieht fast nur Leute mit kurzen Hosen und nacktem Oberkörper. Da falle ich mit meinem "Iceland" T-Shirt auf und ein Entgegenkommender meint: "This is not anymore Iceland- tooooooo warm"

Nach etwa vier Stunden bin ich wieder zurück an meinem Standplatz. Der komplette Parkplatz ist zeitweise mit Fahrzeugen belegt. Am späten Nachmittag geht ein kurzer Platzregen nieder und die im Hintergrund befindlichen Berge fangen an sich leicht in Nebel zu hüllen.

Pferdetouren in Landmannalaugar

Horse tours in Landmannalaugar

     20. Juli 2003

Endlich- das ist wieder Island mit akzeptablen Temperaturen. Neuerlich wird neben mir an einem Bus herumgeschraubt. Das Ersatzrad für einen total zerfetzten Reifen wird montiert. 

Die Spannung auf meiner Zusatzbatterie ist nicht mehr berauschend- sie liegt um die 10V. Deshalb fahre ich etwas in Richtung Eldgja um wieder unter Strom zu kommen. Die Lichtmaschinenelektrik ist noch immer nicht in Ordnung. Nach etwa zwei Stunden bin ich wieder zurück und dort baue ich nochmals die Zusatzlima aus und biege an den Kontakten herum. 

Ein Isländer, der Filme macht, will ein Interview und so stehe ich mal wieder Modell vor dem Hano und erzähle dessen Geschichte....

Eine weitere Probefahrt und dann stelle ich mich auf meinen Platz und höre dem Hämmern beim Aufstellen der Zelte zu.

     21. Juli 2003
....und noch ein Faulenzertag. Kurz nach 9 Uhr ist der Platz recht aufgeräumt- sprich kaum noch Leute hier und das ist genau die Stunde des "Extrembaders". Bei ganz leichtem Niesel sitze ich mal wieder für etwa drei Stunden im Wechselbad von Landmannalaugar- mal heiß und mal kalt- gerade so wie die Strömung ist. Trotz der recht wenigen Leute im Wasser hört man doch deutsch, holländisch, schweizerisch und auch etwas isländisch. Am frühen Nachmittag habe ich dann noch ein nettes Gespräch mit Tonbandaufzeichnung über Island und den Hanomag mit einer Mitarbeiterin des bayerischen Rundfunks- mal sehen was daraus wird. 

Im etwas stärker werdenden Fisselregen führe ich den Hano noch etwas Gassi und fahre an den immer trüber werdenden Gewässern in Richtung Eldgja entlang. Teilweise steht das braune Wasser bereits in großen Lachen auf dem Fahrweg und verpasst dem Hano eine gesunde Urlaubsfarbe, die aber im Regen schnell wieder abgewaschen wird.

Gegen 21 Uhr trifft Ingo mit 4 Fahrzeugen von "Landrover Experience" ein und sie bauen in üblicher Manier zwischen den Autos eine Zeltplane auf. Er betätigt sich mal wieder als Meisterkoch mit feinsten Lammspezialitäten und "endlich" erhalte ich auch ein paar Exemplare des Morgunbladid vom 13.7.2003 mit dem Artikel über den "Islandhanomag". 

     22. Juli 2003

...und tschüß- um 9 Uhr fahren die Landis in Richtung Sprengisandur und ich über den Landmannaleid nach Westen. Auf daß es mir nicht langweilig wird öffne ich alle 10 km die Motorhaube, um mich über meinen Wackelkontakt an der Lima zu ärgern. 

Der Asphalt tut jetzt richtig gut und schnell ist die Ringstrasse hinter Hella erreicht, wo gerade über die Tjorsa eine neue Brücke gebaut wird. Leider finde ich in Selfoss keine warmen, gefütterten Overalls mehr- zur Zeit verkaufen sich wohl Badehosen besser. Mit Zwischenstation Eyrarbakki komme ich schließlich wieder auf dem Campingplatz in Reykjavik an, wo ich nach dreistündiger Badeaktion im benachbarten Pool mal wieder völlig geschafft am Hano ankomme.

     23. Juli 2003
Ein letztes Mal fahre ich mit dem Hano in die Stadt. Der Parkplatz auf Höhe des Klapperstigur an der Seeseite liegt noch immer optimal. Im Stadtzentrum wird die Strasse neu gerichtet und die "Fußbodenheizung" verlegt. 

Ich verziehe mich für eine Stunde ins Internet Cafe und nehme Kontakt zur Welt auf. Es gibt jede Menge emails als Reaktion auf den Artikel im Morgunbladid. Im einsetztenden Fisselregen gehe ich durch das Hafengebiet, wo gerade das deutsche Forschungsschiff Meteor auf dem Weg ins Eismeer und nach Kanada vor Anker liegt. Gegenüber und ebenfalls aus Hamburg ein Dreimastsegler- Pippilotta. Am anderen Ende des Hafens liegt die aus vier Schiffen bestehende, eingemottete isländische Walfangflotte. 

Ich mache mich für den Endspurt bereit und bringe den Hano zurück auf den Campingplatz. Dubliner oder Celtic Cross- der neue Irish Pub- das ist nun die Frage. Dubliner hat gesiegt und erst nach Mitternacht erreicht die Stimmung mit Einmannband und zusätzlichen Gastsingern den Höhepunkt und gegen 1 Uhr auch das jähe Ende, da dann aufgestuhlt wird.

Der Marsch zurück zum Campingplatz dauert 40 Minuten und die Stadt scheint wie ausgestorben.

Meteor aus Hamburg- Zwischenstop in Island

Meteor from Hamburg- interim stop in Iceland

     24. / 25. Juli 2003

Kurz nach 12 Uhr ist das Fahrzeug bei Eimskip abgegeben und es wird am 5. August in Hamburg eintreffen. Langsam wandere ich am Wasser entlang in Richtung Innenstadt. Sonnenschiff, Hafen mit "Plattfischangler", eine sehenswerte Großbildausstellung mit weltweiten Luftaufnahmen von Yann Arthus Bertrand, Stadtsee mit Massenvogelfütterung und Perlan sind die Zwischenstationen auf dem Weg zur Abfahrtsstelle des Flybus. Kurz vor 20 Uhr fährt dieser außerplanmäßig ab und ist etwa 45 Minuten später am Flughafen in Keflavik. Dort trifft man fast alles wieder, was sich tagsüber in der Stadt "herumgetrieben" hat. Nun heißt es warten und hoffen, daß der "Fliiiiecher" pünktlich abhebt.....

 

24.12.2003