2002

Hanomag Konvoi 2002

Hanomag convoy 2002

Pannen, ein wildgewordener Wikinger und Polarlichter...

"Kleinere Reparaturen" an den Hanomags- teilweise verursacht durch den Jagdtrieb eines vereinzelten Wikingers- und künstliche bzw. natürliche Polarlichter begleiteten unseren Fahrzeugkonvoi.

     1. / 2.  August 2002

Eine chaotische Anfahrt mit Stau auf Stau bzw. Vollsperrungen von ganzen Autobahnteilen steht am Anfang des Urlaubs. Nach fast 5 Stunden erreiche ich schließlich doch noch Kelkheim. Der Rest der Mannschaft hat sich gerade auf den Weg zum Flughafen gemacht und ich treffe sie wirklich im allerletzten Moment. Auf Schleichpfaden und ohne weitere Verzögerungen kommen wir zum Terminal 2. Unser Flug wird als verspätet angezeigt. Verspätet heißt, daß unser Flieger erst gegen 1.30 Uhr morgens abheben soll. Jeder von uns erhält auf Grund der Verspätung einen Gutschein über 25 Euro. Drei der Gutscheine können wir "verfressen und versaufen"- die restlichen zwei verfallen. 

An der Gepäckkontrolle werde ich gefragt: "Warum haben Sie so viele Schlüssel- sind Sie Hausmeister?!?!" -"Ähhh nööö- Hanofahrer."

Kurz vor 2 Uhr heben wir tatsächlich ab und erreichen nach drei weiteren Stunden den Flughafen in Keflavik. Mit dem Flybus geht es in die Stadt und unmittelbar auf das Hafengelände. Hinter dem Hauptgebäude von Eimskip am Tor 3 ist ein Schalter mit Wachpersonal. In kürzester Zeit haben wir unsere Papiere und Schlüssel und können so auf das Gelände zu unseren Autos. Hurra- es läuft- aber es lassen sich keine Gänge einlegen. Wieder mal die alte Geschichte mit dem Schalthebel. An Pit´s Fahrzeug sind alle Schalter an und die Batterien komplett leer. Im Innern der Fahrzeuge ist einiges durcheinander, was vielleicht auf einen rauhen Seegang bei der Überfahrt schließen lässt. Nachdem Pit Starthilfe erhalten hat, zieht er mich auf den nächsten Parkplatz, wo der Schaltknüppel durch einen neuen/alten ersetzt wird.

Zwischenzeitlich ist auch Lutz eingetroffen und nun ist unsere Mannschaft für den Moment komplett. Jürgen´s Hano und ein weiterer mit Planenverdeck werden im Hafengelände zurückgelassen. Nach fast drei Stunden Warten für Tanken und Einkaufen in Mosfellsbaer sind wir endlich startklar für die erste Etappe.

Wir verlassen im Konvoi die Ringstrasse, um über die 36 an den Thingvallavatn zu fahren. Mit Denis mache ich einen kurzen Gang zum Wasserfall und zu den wassergefüllten Lavaspalten. Danach zieht es uns auf der 52 nordwärts. An einer Steigung sehen wir rechts eine weitere Piste verlaufen, die wir nach dem Queren eines kleinen fast ausgetrockneten Sees auch erreichen. Die Piste führt um das Lagafell und vorbei an zwei Hütten. Das Endziel ist 28 km entfernt und wir bekommen bereits anfänglich viele Steine, ausgewaschene Piste und sogar etwas Matsch geboten. 

Die Müdigkeit nimmt zu und so stoppen wir nach nur 8 km auf einer großen, ebenen Fläche kurz vor einem Lavafeld mit Bergen im Hintergrund. Wir bilden eine Wagenburg und das übliche Lagerleben nimmt seinen Lauf. Um 21 Uhr ist bereits Ruhe im Camp.

     3. August 2002

Nach dem Kaffeetrinken in der Dorfmitte unter dem aufgespannten Sonnensegel- aber wo ist sie bloß?- machen wir uns auf zur nächsten Etappe. Lavafeldchen, Steine, ausgewaschene Buckelwiesen, grober Schotter und stark unebene Streckenstücke wechseln sich ab. An einem Loch beträgt die kurzzeitige Seitenneigung des Hano 30°- aber er fällt nicht. Die weitere Strecke bis zum Mittagsstop ist erheblich schneller zu fahren. Das immerhin 1186 m hohe Hlödufell ist im Nebel erst ca. 3 km vor dem Erreichen zu erkennen. Wir biegen rechts ab und im Sand fährt es sich wesentlich besser als auf den Steinen. Die Hanos klettern auf maximal 670 m Höhe und auf dieser Hochebene haben wir den einzigen Gegenverkehr auf dieser Piste. "Achtung Autofahrer- durch Nebel beträgt die Sicht stellenweise unter 20 m- überholen sie nicht...."

Die Abfahrt nach Laugarvatn strapaziert den ersten Gang und die Bremsen ziemlich stark. Das Tal liegt um etwa 500 m tiefer als das Hochplateau. Nach dem erneuten "Brotholen" in Laugarvatn rasen wir an das Geysirfeld und laufen über das von Touris übersäte Gebiet. Grau in grau mit Regen vermischt gibt keine guten Bilder. Der Nachbar des "Blesi" ist recht aktiv und sprudelt 30 cm hoch- eben wie ein kleiner Juniorgeysir. 

Vorbei am Gullfoss biegen wir an der ersten Möglichkeit links ab und hinter einem Gatter finden wir einen großen, ebenen Platz. Die Wagenburg wird wieder errichtet und es regnet, regnet, regnet....
     4. August 2002

Es stürmt ziemlich heftig auf unserem kurzen Weg zum Gullfoss. Die reichlich vorhandene Gischt und etwas zusätzlicher Regen von oben macht uns ziemlich nass. Wir biegen ab auf die Parallelpiste zur Kjölur und dann auf die Strommastenpiste Richtung Osten. Die Strecke ist holprig, aber nicht schwierig. Die ersten beiden als Furten eingezeichneten Flüsse sind mehr als harmlos. Als nächstes kommen wir zum ersten Mal an die Stora Laxa. Sie ist nicht sehr tief, hat aber größere Steinbrocken als Untergrund. Kurz darauf die Stora Laxa zum Zweiten. Wir wechseln wieder auf die andere Seite des Flusses. Der Fluss ist etwa 30 m breit und hat zwei erkenntliche Ausfahrten. Ich probiere beide einmalig und bleibe jeweils in der Mitte hängen. Denis gesellt sich dazu und wühlt die steilere der beiden Ausfahrten um. Nun stehe ich mitten im Fluss und Pit probiert es ebenfalls mehrfach. Er bezwingt die Ausfahrt als Erster. Mit dem Bergegurt zieht er Denis links nach oben und Lutz wird rechts geliftet. Ich komme am Gurt- aber aus eigener Kraft ebenfalls aus dem Wasser. 

Als letzter ist Uwe an der Reihe. Das Unglück nimmt seinen Lauf. Kurz nach der Flussfahrt bleibt der Fiat mit einem gerissenen Steuerriemen stehen. Er wird von Pit angegurtet und gezogen. Durch den langen Gurt wird er in einer 90° Kurve fast in die Pampa gezerrt. Die "Hufe" von Pit´s Hano scharren gewaltig, um die drei Tonnen Fiat nach oben zu wuchten. An den Abfahrten lassen wir das Fahrzeug an der langen Leine vorausrollen. Ein Unglück kommt selten alleine- der Bergegurt wickelt sich um das linke Vorderrad und verbiegt die Spurstange total. Mit abstehenden Reifen rollt er den Rest des Berges hinab. Beim Ausrichten der Spurstange bricht diese prompt ab und wir beschließen ins Tal zu fahren und einen Schweißer zu finden. An der ersten Hütte wird nach einem Telefonat Atli in Arnes empfohlen. Nach knapp 50 km Fahrt und zwei weiteren befragten Leuten kommt uns Atli im Pickup bereits entgegen und wir fahren zu seiner Werkstatt in Arnes. Die Spurstange wird in mehreren Lagen angeschliffen und geschweißt. Schlußendlich sieht sie fast wie neu aus. Im Telefonbuch machen wir noch Istrak in Gardabaer als Fiat Werkstatt aus. Das Schweißen kostet uns eine Flasche Rum und wir machen uns wieder auf die Heimreise. 

"Sch..."- Uwe´s Fahrzeugschein liegt noch in der Werkstatt. Nochmals wird Atli bemüht, aber dann geht es wieder ab in die Berge. 

Abgeschleppter Fiat mit gebrochenem Zahnriemen

Towed Fiat with broken timing belt

     5. August 2002

Erste Sonnenstrahlen sind zu sehen und die Spurstange ist auch eingebaut. Pit hängt den Fiat wieder hinten an und langsam fahren wir talwärts. An einer Kuhle mit eingegrabenem Plastikwasserrohr rutscht der Fiat ab und steht verkeilt in der Senke. Er wird zuerst nach hinten und dann wieder nach vorne gezogen. Die nächste kribbelige Stelle ist die ausgepflockte Furt des Haifossflusses Fossa. Zwischen den Markierungspfosten schaukeln wir auf die Gegenseite. Wir sind drüben und ein belgischer Fahrradfahrer mit Trailer watet auf die Gegenseite. Der Rest bis zur Hauptstrasse ist problemlos.

Am Gefälle des Stöng Nachbaus rollt der Fiat voraus, Uwe schiebt zusätzlich vorne und ich hinten. Für den Gegenverkehr sieht es so aus, als ob der kleine Fiat unter höchster Anstrengung Pit´s Hanomag hinter sich herzieht.

Über Selfoss und Hveragerdi kommen wir auf die Hellisheidi. Dort ist Wetterwechsel von Sonne auf Nebel und Regen. In Gardabaer finden wir schließlich den Fiat Händler und wir stellen uns in eine Ecke im Hof.

     6. August 2002

Kurz vor 8 Uhr erscheint die Fiat Urlaubs- Notmannschaft. Wir erzählen vom gerissenen Zahnriemen. Der Servicemann befürchtet sofort das Schlimmste- Motorschaden. Durch die Ferienzeit ist ein Reparaturtermin nicht absehbar. Der ADAC ist auch nicht in der Lage einen Ersatzmotor schnell vor Ort zu bringen. Uwe beschließt das Fahrzeug zurückzuschiffen und ich tausche noch meinen Anlasser. 

Wir fahren zur blauen Lagune. Etwa drei Stunden sitzen, stehen und liegen wir in der milchigen Brühe. In der Mitte wird eine Art Geysir mit Heißwasser aktiviert- das heißt Abstand halten. 

Nach einer Riesenportion Eis geht es groggy an den kostenlosen Campingplatz in Grindavik. 
     7. August 2002

Zurück beim Fiat Händler in Gardabaer tritt Uwe´s Gefährt "die letzte Fahrt" in den Eimskip Hafen an. Es wird direkt auf ein Flat verladen und wir fahren nun zum Zoll, um wenigstens die restliche Dieselsteuer zurückzubekommen. Nach mehr als einer Stunde kommt die Bestätigung von Eimskip, daß das Fahrzeug vorzeitig das Land verläßt. 

Jetzt aber geht es wieder auf die Piste. Ringstrasse, 26 und dann auf den Landmannaleid.Rechts steht ständig die Hekla im Blickfeld und die Piste führt durch schwarzen, lavadurchsetzten Sand. Am roten Wasserfall biegen wir ab in die Berge. Etwas ausgewaschene Strecke und mehrere steile Abstiege sind zu meistern. Am Lavafeld unterhalb des markanten Krakatindur ist das Ziel für heute erreicht.

     8. August 2002

Hochland pur ist angesagt. Kurz vor einem Lavafeld biegen wir rechts ab in Grobrichtung Hekla. Die nicht auf unseren älteren Karten eingezeichnete Piste gabelt sich nochmals- wir halten uns wieder rechts. An kurzen, steinigen Kuppen verbiegt sich Denis seine untergehängten Plastiktanks. Auf guter Piste kommt man direkt unter das Lavafeld des letzten Hekla Ausbruches und weiter fast schon autobahnmäßig im 4. Gang bis zur nächsten in der Karte verzeichneten Kreuzung. Hier steht ein blaues Schild ohne Nummer mit Aufschrift "Hekla". 

Um die Ecke kommt Wasser den Hang herunter und bildet kleine Wasserfälle. Im weiteren Verlauf biegen wir nach zwei Wasserfällen zur Rechten in Richtung Hungursfit ab. Diese Hütte steht in einem wasserreichen, grünen Tal und nun kommt auch die Sonne etwas zum Vorschein. Der Aufstieg aus dem Tal ist neu geschoben worden. Auf dem folgenden Kamm hat man einen herrlichen Ausblick auf die umliegende Bergwelt. Wieder unten angelangt, steht voraus eine Hütte, aber die Piste geht rechts ab in ein grasbewachsenes Flusstal. Die erneuten Anstiege sind ziemlich auserodiert und man schaukelt langsam nach oben. Es folgen weitere Steigungen mit Wahlmöglichkeit und schließlich der finale Abstieg mit quietschenden Bremsen bis zur Engstelle mit abgebrochenen Felsbrocken. 

Nach der Fahrt in einem kleinen Bach durch ein schön auserodiertes Tal, kommt man auf die vielbefahrene Zubringerpiste zur Maelifellsandur. Auf dem Fernwanderweg Landmannalaugar / Thorsmörk am Alftavatn nehmen auch die Wanderer zu. An der kleinen, bergigen Durchfahrt am Alftavatn liegt kein Schneefeld- das läßt hoffen für die Hrafntinnuskerquerung.

Pit´s Fahrzeug nimmt kaum noch Gas an und so hängt er etwas hinterher. Unterhalb des Laufafell stehen wir in altgewohnter Umgebung in der Lava. Pit wechselt den Hauptdieselfilter und ich stelle fest, daß mein vorderer Schrank kurz vor dem Umfallen ist- alle Schrauben sind abgerappelt. Der Nebel senkt sich über das Hanomag Camp und der Rest ist Schweigen.

Es geht aufwärts

It is going up

     9. August 2002

Abfahrt aus dem Lavafeld und bereits nach einem Kilometer sehe ich rechts am kleinen See Markus mit dem Unimog stehen. Er wird uns folgen. Die Pisten sind gut abgetrocknet und weit und breit ist kein Schnee zu sehen. Es geht aufwärts. Oftmals sehen die Steigungen aus der Ferne erheblich schwieriger aus, als sie letztendlich sind. An den Dampfquellen in 900 m Höhe ist Zwischenstop und "meeting point". Im schönsten Sonnenschein begegnen sich Fahrzeuge und Pferde. 

An einem schräg gefahrenen Strassenschild biegen wir ab zum eigentlichen Hrafntinnuskergebiet. Etwa 5 km geht eine Einbahnpiste bis auf einen ziemlich abschüssigen Parkplatz auf über 1000 m Höhe oberhalb einer 40 m hohen Eiswand. Unmittelbar davor befinden sich viele heiße Wasserquellen  und auch unter dem Schnee haben diese riesige Eishöhlen ausgedampft. Beim Begehen knackt es teilweise fürchterlich im Gebälk und es liegen auch bereits viele abgebrochene Eisbrocken herum. 

Es folgen noch mehrere steile Anstiege und dann nach einem schönen Ausblick ins Landmannalaugargebiet die Abfahrt auf einer Art Damm. Der Landmannaleid ist dann bereits Autobahn und um 17 Uhr ist der Campingplatz in Landmannalaugar erreicht. Renate und Jürgen sind bereits da. 

Der Fahnenmast wird aufgebaut und die Autos in Wildwestmanier als Wagenburg aufgestellt. Außer den 5 Hanomags und Markus mit dem Unimog gesellen sich noch ein Robur  und ein VW Syncro dazu. Das Camp für das 1. Internationale Hanomagtreffen ist offiziell eröffnet.

1. Internationales Hanomag A-L28 Treffen in Landmannalaugar

1. International Hanomag A-L28 meeting in Landmannalaugar

     10. August 2002

Ruhetag oder gar Reparaturtag in Landmannalaugar? Alles was geöffnet werden kann ist offen. Motorhauben, Bremsen, Thermostate....weiterhin wird abgeschmiert, gehämmert und geflext. So sehen eben Samstage von Hanomagfahrern aus.

Ein isländischer Mercedesbus fährt auf das Gelände- es kracht und eines der linken hinteren Zwillingsräder überholt das Fahrzeug und rollt in die Botanik. Der Zufahrtsweg ist kurzfristig blockiert, aber auch diese Panne wird an Ort und Stelle behoben. 

Gegen Abend trifft ein Trupp Land Rover ein und Gulli, der sonst auch die isländische Version der Formel 1 kommentiert kündigt sich für Filmaufnahmen an den Hanomags am nächsten Morgen an. Weiterhin unterhalten wir uns mit dem Besitzer des überbreiten GAZ69, der heute mit einem Ford Econoliner unterwegs ist. Er ist Schuldirektor in Hella und er lädt uns zur Besichtigung des Rettungsequipments nach dort ein. 

Zwei Polizisten kommen auf uns zu und bitten, daß die isländische Fahne mit den zwei Endzipfeln auf Jürgens Fahrzeug heruntergenommen werden muß, da diese Flaggenform nur der Regierung oder dem Präsidenten zusteht. Rechteckige Fahnen sind OK- also herunter damit.

Nach dem Grillen sitzt alles unter der gespannten Plane und Kai, der Roburfahrer, bringt sogar Wodka vom Baikalsee mit.

     11. August 2002

Die Mannschaft steht fast komplett kurz nach 7.15 Uhr vor den Autos. Gulli, der Filmemacher ist auch bereits da und hält alles im Bild fest. Er filmt im Fahrerhaus und ist begeistert von der isländischen Ausrichtung des Aufbaus. Es folgt ein Interview, bei dem Pit als Kameramann fungiert. Weiterhin wird der Hano probegestartet und der Tagebucheintrag des 10. August abgefilmt. 

Nun ist auch der Land Rover Tour Guide Ingo herbeigeeilt. Auch er ist begeistert von den Autos und meint "das ist Lifestyle". Nach dem Erzählen der Story mit den Zipfeln an der isländischen Flagge- natürlich mit laufender Kamera- überreicht er mir feierlich seine 2002 Land Rover Tour Kappe- und ich bin wohl fortan "Ehrenmitglied".

Das Wetter ist nicht besonders- mal Regen und mal nur bewölkt. Wir lümmeln um die Fahrzeuge und beobachten die Leute. Gegen späteren Nachmittag kommt die Sonne zum Vorschein und ein nicht ganz vollendeter Sonnenuntergang bringt etwas Farbe in die umliegende Bergwelt.
     12. August 2002

Das Lager wird aufgelöst. Das heißt Fahnen herunternehmen, Plane einpacken und die ganze sonstige Ausrüstung wieder verstauen. Bei mittelprächtigem Wetter fahren wir durch die Berge bis zur Eldgja Schlucht. Nach einem Gruppenfoto warten wir außerhalb der Vulkanspalte auf die drei Fahrzeuge, die auf den Bergkamm der Eldgja fahren. 

Der weitere Weg bis zur Ringstrasse ist teils schlaglochübersät. Von dort geht es wieder in erhöhtem Tempo weiter. Wegen des nicht ganz guten Wetters lassen wir wieder mal die Laki links liegen. Kurz vor Kirkjubaejarklaustur geht Denis der Sprit aus, der aber von allen Hanos an der dortigen Tankstelle nachgefasst wird. 

Hinter dem Felsen Lomagnupur biegen wir im strömenden Regen links auf einen Schotterdammweg ab. Vor dem Wasserfall mit Fluss stehen wir kurz beratend zusammen, um dann die recht breite Querung an der gleichen Stelle wie letztes Jahr durchzuführen. Nur auf den letzten 15 m taucht das Auto kurzfristig bis zur Stoßstange ins Wasser ein. Wir rumpeln weiter taleinwärts nach Nupsstadaskogar und halten schließlich am Ende des Weges auf einer großen, schwarzen Freifläche. 
     13. August 2002

Geschlafen- fast verschlafen- wie tot. Ein Teil der Truppe steht abmarschbereit in der Wagenburg. Wir wandern hinein in das enger werdende Tal. Sand, Schotter und kleine Birkenwäldchen liegen am Weg. Mittendrin grüne Oasen mit allerlei Blumen. Am Ende pirschen wir durch höhere Birken an den Fuß eines großen Basaltfelsens. Kurzzeitig sitzen wir im Durchgang zwischen zwei hohen, bemoosten Felsen. Der Rundweg kommt an eine in der Wand hängende Kette. Hier muß das eigene Gewicht etwa 10 m nach oben gestemmt werden. Alle Beteiligten schaffen diese Übung mit mehr oder weniger Schwierigkeiten. Auf dem Plateau angekommen sieht man zwei Wasserfälle in ein gemeinsames Becken stürzen. Rechts trübes Gletscherwasser und links klares Bergwasser. Die Sonne wird durch hohe Bewölkung verdeckt und so haben wir nur nach dem erneuten Abstieg einen leichten Regenbogen in der Schlucht stehen. 

Wiederum an den Autos angekommen, fahren wir nach kurzer Pause los. Auf der Strecke befindet sich plötzlich Wasser und Teile der Piste sind seit gestern überschwemmt. Der Nachbarfluss ist mächtig angeschwollen und es liegen kleine Eisbrocken herum- in der Nacht hat wohl ein kleiner Gletscherlauf stattgefunden. Unsere Flusspassage vor dem Wasserfall liegt im schönsten Sonnenlicht und blieb davon unberührt. 

Ab der Ringstrasse fahren wir zügig bis nach Skaftafell, wo ich mir den neuesten 1:300000 Kartensatz zulege.

Der Svinafellsjökull zieht sich immer mehr zurück und man muß schon ziemlich weit nach oben gehen, um den Einstieg zu finden. Mit Steigeisen und Pickel trete ich dann den Rückzug nach unten auf dem Gletscher an.

Nach zwei Versuchen finden wir den richtigen Zugang zum kleinen Breidarlon Eissee. Der Weg führt bis direkt ans Wasser, wo einige Eisbergchen am Strand liegen. Die Abbruchkante des Gletschers ist vergleichsweise nahe. 

Nach dem Grillen wird der Polarlichtpub geöffnet und in der Nacht wird kräftig gesungen- schaurig schön hallt es über den ganzen See- Pooooolarlicht ooooohooooo  Pooooolarlicht ooooohoouoooh......

Seither hält sich das hartnäckige Gerücht, daß in jener Nacht sämtliche Zugvögel der näheren Umgebung den freiwilligen und verfrühten Flug in den Süden angetreten haben.....

Der Tag danach

The day after

     14. August 2002

Stahlblauer Himmel und ich breche vorzeitig auf zum Eisseee Jökulsarlon. Dort herrscht bereits rege Betriebsamkeit und die Amphibienfahrzeuge sind in vollem Einsatz. Mein Stammplatz an der Ringstrasse ist durch einen Baumstamm abgesperrt. Ich laufe mehrfach am Ufer entlang- immer auf der Suche nach interessanten Fotomotiven. Vom angrenzenden Hügel hat man die beste Gesamtübersicht und der Blaufilter muß Schwerstarbeit leisten. Nach schwerem Kampf mit nicht abfahrbereiten tschechischen Bussen und italienischen Mietwagentouristen haben wir endlich einen zusammenhängenden Standplatz für alle fünf Fahrzeuge inklusive Besatzung auf den Motorhauben für ein obligatorisches Gruppenbild am Eissee ergattert.

Immer entlang an schön abgestuften Bergen, sowie kleineren Tümpeln am Strassenrand mit teilweise bunt zusammengewürfelter Vogelwelt erreichen wir das Schwimmbad in Höfn. Dort wird der sprudelnde Hotpot lange Zeit belagert- alles andere ist viiiiiel zu kalt.

Die letzte Etappe führt zum verlassenen Hof am Vestrahorn. Etwa einen Kilometer davor röhrt es plötzlich mächtig und mein Auspufftopf liegt auch schon auf der Piste. Kurzerhand wird er auf der Stoßstange festgebunden. Wie ein Panzer laufe ich im Lager ein. Mit einem Stück Flacheisen wird ein neuer Halter zurechtgebogen und nach kurzer Zeit steht der Wagen wieder in alter Frische in der Boxengasse.

Jökulsarlon Eissee

Jökulsarlon icelake

     15. August 2002

In der Nacht kam der totale Wetterwechsel- von blauem Himmel und Windstille zu vollkommen bewölkt mit Regen und Wind in Sturmstärke. Dabei hat der Hanomag nur so gezittert und gebebt.

Vollzählig fahren wir ab der Ringstrassenkreuzung über den kleinen, steilen und nicht geteerten Pass. Bereits nach 20 km ist der Abzweig in die Loni erreicht. Drei Gatter müssen geöffnet werden, um endlich bis ins Flusstal vorzudringen. Das Tal ist sehr weitläufig- aber wo ist der Fluss? An altbekannter Stelle mit Warnschild ist alles trocken. Etwas weiter kommt tatsächlich noch ein 20 m breites Flussbett mit schnellfließendem, trüben Wasser, das aber nur ca. 50 cm tief ist. Im Sturm klettern wir auf über 700 m Höhe und dann wieder hinunter zum Hüttenparkplatz auf etwa 320 m Höhe.

Voll eingemummt wandert die Hälfte der Mannschaft den steilen Abstieg hinunter und über die Hängebrücke bis zur Hütte. Nach kurzem Zwischenstop machen wir uns auf den Rückweg. In den Serpentinen des Aufstiegs bläst der Sturm mal von hinten, was sehr hilfreich ist und mal von vorne, was erheblich behindert. An manchen Punkten kann man sich unter 30° zur Vertikalen in den Wind stellen ohne umzufallen. Auf Bergeshöhe warten wir auf besseres Wetter.

     16. August 2002

Die Nacht war von heftigsten Windböen begleitet und mehrfach dachte ich "hält die Handbremse und hast du einen Gang eingelegt?" Der Hano hielt und so fahren wir mit vielen Fotostops wieder auf den höchsten Punkt der Strecke. Jawohl- jetzt geht es fast nur noch bergab. 

In einer leichten Rechtskurve mit Gefälle bleibe ich stehen, da vor mir eine kleine Rentierherde den Weg kreuzt. Ich steige aus, um zu fotografieren. Lutz bleibt ebenfalls hinter mir stehen und steigt aus. Als ich gerade abdrücken will, drehe ich mich um und schreie: "Lutz, dein Auto läuft weg!!!!" Ich springe zur Seite und Lutz versucht das Trittbrett zu erreichen. Das Auto mit dem Wikingerkopf auf der Motorhaube nimmt Fahrt auf und folgt den Rentieren. Dabei schlägt es mit dem kompletten rechten Kotflügel in meinem Aufbau ein. Mein Hano wird nach vorne weggeschoben und der wildgewordene Wikinger nach links geschleudert. Als nächstes schlägt der wippende Koffer bei mir ein und schrammt auf der Breitseite entlang. Mein Fahrzeug wird nochmals nach vorne versetzt und es hat kurzzeitig den Anschein, als ob es nun auch zur Rentierjagt losläuft- aber es bleibt stehen und folgt dem Wikinger nicht. Lutz´s Fahrzeug wird durch den Aufprall links aus der Spur geworfen und gräbt sich mit dem Jagdinstinkt eines echten Nordländers durch das schotterartige Geröll. Lutz kommt nicht auf das Trittbrett und nachdem "Wiki" wieder den Weg erreicht hat springt er ab. Nun schießt es rechts aus der Bahn und an einem kleinen Hang glaubt man, daß das stark wippende Fahrzeug umkippt. Es schaukelt hin und her, aber wie ein Wunder bleibt es plötzlich im losen Geröll mit voll eingeschlagenen Rädern direkt vor einem großen Stein stehen. Die ganze zurückgelegte Strecke beträgt etwa 40 m. Einige Meter weiter und "Wiki" hätte den großen Flug angetreten.

Lutz rappelt sich auf und wir rennen alle zu dem auf der Seite am Hang stehenden Hano. Rechts vorne ist der Kotflügel verbogen, ebenso die Kühlermaske und der Kühler selbst tropft vor sich hin. Bei mir ist hauptsächlich die linke, obere Kofferseite stark demoliert und das linke hintere Seitenfenster defekt.

Im fast pünktlich einsetzenden Regen wird Lutz´s Fahrzeug zerlegt. Kotflügel, Maske, Batteriehalterung, Maskenhalterung, Kühler und Stoßstange werden abgebaut und wieder passend zurechtgebogen bzw. gelötet. Nach 5,5 Stunden Arbeit steht ein fast neuer Hano neben der Piste und wartet auf seinen weiteren Einsatz. Ich klebe mein Fahrzeug mit Klebeband ab, um an den gerissenen Stellen Wassereinbrüche zu verhindern. 

Fast ohne weitere Stops verlassen wir das Loni Gebiet. Bei Hvalnes befindet sich wieder eine riesige Schwanenkolonie im seichten Wasser. Tausende sitzen am Strand oder schwimmen in der Bucht umher. Wir halten direkt unter dem Leuchtturm Hvalnesviti und lassen die Tagesereignisse nochmals aufleben.

Wikinger auf der Motorhaube

Viking on the bonnet

     17. August 2002

Am Morgen sieht man nochmals den "Schwanensee" und zig Beobachter auf dem vorgelagerten Damm. Unsere Karawane zieht nordwärts um die Fjorde herum. Am Ende des Berufjördur trennen wir uns und zwei Hanos bleiben auf der Ringstrasse bzw. drei Hanos kürzen über die Öxi ab. Diese 19 km vormals üble Piste sind dermaßen entschärft und begradigt, daß sie besser sind als das anschließende Ringstrassenteilstück.

In Egilsstadir ist erneuter Sammelpunkt und es werden Betriebsstoffe aller Art gebunkert. Lutz bleibt zurück, da sein demolierter Kühler doch nicht ganz dicht ist. Der Rest fährt auf der Ringstrasse und dann auf der 923 bis Bru. Von dort weiter bis zum Tal mit dem warmen Wasserfall. Bereits die Anfahrt ist ausgepflockt- das läßt nichts Gutes ahnen. Die Talabfahrt ist völlig entschärft und führt in einer großen Serpentine nach unten. Vor der Badewiese stehen mehrere Touristenfahrzeuge und so gehen wir unmittelbar zum Baden unterhalb der Grasnarbe. Schlammpackungen gibt es hier gratis und das Bierchen läuft nur so rein in die Wachtmeisterbirne.

Badetag in der Wildnis

Bathing day in the wilderness

     18. August 2002

Wir verlassen das warme Tal auf der Ostseite. Gut befahrbare Piste führt durch mondähnliche Landschaften. Unser erster Begleiter auf der linken Seite ist der tief eingeschneite Snaefell, der hell im Licht steht. Am Vesturdalsvötn biegen wir links in ein Sandfeld ab und nehmen die restlichen 17 km bis zum Gragaesavatn in Angriff. Direkt am See und mitten in einer Grünfläche stehen mehrere dreiecksförmige Gebäude. Die Hütte ist urgemütlich eingerichtet mit einem alten Bollerofen, Schlafstellen und einem Gästebuch mit Holzeinband von 1973.

Der fahrbare Weg ist noch immer nicht zu Ende und so schrauben wir uns noch auf ein höherliegendes Plateau. Der erste Weg endet am Abbruch zum Sanderfeld der Kreppa und auf ähnliche Weise auch der zweite Weg mit Blick auf Kverkfjöll, Askja und Herdubreid in 729 m Höhe. Auf der Gegenseite der weitverzweigten Flusslandschaft sehen wir in ca. 2 km Entfernung- aber unerreichbar für uns-  Fahrzeuge fahren. Wir müssen umkehren und fahren denselben Weg zurück. Zuerst bis zur Kreuzung mit der 910, dann auf der Brücke über die Kreppa und schließlich fahren Jürgen und Pit zum Kverkfjöll und Denis und ich über die Jökulsa a Fjöllum und durch Sand und Lava bis zur Askjahütte. 

Dort sind für 550 IKR pro Person bereits viele Fahrzeuge versammelt. Unter anderem auch eine Kolonie Italiener, die Meisterschaften im Berglaufen und Hangabwärtspurzelbaumschlagen ausführen. 

Etwas später kommt auch noch die Land Rover Truppe mit Ingo. Wir sitzen im Hano und sehen Islandfilme auf dem Laptop. Weiterhin erzählt er uns das Tourprogramm der Landis inklusive "Schneckenchecken" in Akureyri.

     19. August 2002

Es ist blauer Himmel und es ist warm. Deshalb nehmen wir die letzten 8 km bis zum Askjaparkplatz unter die Räder. Als erste Autos stehen wir dort und erreichen ohne weitere Touris den Viti Kratersee. Die mit frischem Schnee bedeckten Kraterränder spiegeln sich fotogen im Öskjuvatn. 

Keiner von uns will stinken wie ein Mungo und deshalb verlassen wir den Ort ungebadet. 

Wir passieren die Askjahütte und starten die große Kraterumrundung. Nach dem Dyngjuvatn fährt man kilometerlang im schwarzen Sand. Die Abzweigung ins Dyngjufjalladalur startet mit einem kleinen Lavafeld und im Dyngjufjall bewegt man sich zwischen Bergen bis an einen trockenen Fluss mit kunstvoll ausgewaschenen Steinen im Flussbett. Bei der Hütte stehen mehrere norwegische Motorradfahrer, die sich nach dem Weg, nach Benzin und nach Einkaufsmöglichkeiten an der Askja erkundigen. 

Das anschließende Sandfeld ist gut zu befahren, aber mit dem Hinweisschild "Botni 8 km" startet die Lavafeldkurverei. Immer wieder auf und nieder- schepper, krach, bumm, zack..... Das ist Fahren pur und nach kurzer Zeit spürt man jeden Knochen im Körper. Der Botnihütte sind kleine Tümpel vorgelagert. Nach dem Verewigen im Gästebuch kurven wir weiter. 

Wiesengelände mit höhergelegenen Etagen, auserodierte Grasstücke und einzeln dastehende Grasköpfe sehen in der aufkommenden Dunkelheit etwas gespenstisch aus. Mit dem Erreichen der Kreuzung an einer schwarzen Sanddüne mit daraus hervorfließender Quelle ist gegen 21 Uhr Schluß für heute- keine Lust mehr.

     20. August 2002

Die Nacht an der Pampa T- Kreuzung war wirklich totenstill. Hoffnungsfroh über das baldige Ende der Piste fahren wir los. Schwarze, tiefergelegte Spuren in der Vegetation sind erheblich besser zu befahren als das gestrige Lavafeld. Das Sellandafjall zur Rechten wird passiert und schließlich sehen wir eindeutige Zeichen von Zivilisation- Schafe und zu öffnende Weidezäune. 

Mit dem Schild Graenavatn steht man endlich wieder auf der asphaltierten Ringstrasse. Das Tanken an der neuen Tankstelle ist nur mit Kreditkarte und Pinnummer bei gleichzeitiger Eingabe der gewünschten Literzahl möglich- umständlicher geht es kaum noch. Wir und viele andere Fahrzeuge tanken deshalb nicht und fahren weiter. 

Gegen 11.30 Uhr wird auf dem Campingplatz in Reykjahlid die Anzahl der Hanomags von "1" auf "3" erhöht. 

Wir machen in Elektrik an meinem Fahrzeug und finden nach langem Suchen ein vollkommen durchgescheuertes, fingerdickes Massekabel. Etwa 6 Stunden nach uns geht die wundersame und ungeschlechtliche Hanomagvermehrung weiter- wir sind wieder mit 5 Fahrzeugen vertreten und das heißt wir sind komplett.

     21. August 2002

Schraubertag am Myvatn in der hintersten Ecke des Campingplatzes. Es sind kaum nennenswerte Schäden zu beklagen- lediglich bei Jürgen wird die hintere, linke Blattfeder ausgebaut und die gebrochene Ersatzradhalterung geschweißt. Bald schon sieht es auf dem Platz aus wie in der bestbesuchten Hanomagwerkstatt nördlich der Alpen und südlich des Polarkreises. Die restlichen Tätigkeiten sind Abschmieren, Schrauben anziehen, Batteriehalterung notdürftig befestigen, Sicherungen wechseln....

Gegen 14 Uhr macht die Werkstatt langsam dicht und ich fahre zum Solfatarenfeld nach Namaskard. Blauer Himmel und eine dunkle Wolkenfront ergeben einige gute Lichtstimmungen. 

Auf dem Rückweg stoppe ich in der neuen blauen Lagune zum Baden. Der See ist jetzt richtig groß und mollig warm. Das Wasser ist trübe und am Boden liegt mächtig viel, sehr sauberer "galaktischer Schleim". Auch der einsetzende Regen schreckt nicht vor einem mehrstündigen Bad in dieser tollen Umgebung ab. Um 18 Uhr bin ich zurück in der Wagenburg, wo wieder mal gegrillt wird und auf Sonnenuntergang bzw. Polarlichter spekuliert wird.

Reparaturtag

Repairing day

     22. August 2002

Namaskard die Zweite. Für einige Fotos steht das Licht günstig trotz hunderten von Versuchen in all den Jahren zuvor. 

Über dem Berg liegt der neue Badepool und auch dort steht die Sonne gut zum Knipsen. Wir suhlen nochmals ausgiebig im galaktischen Schleim. Auf der gegenüberliegenden Strassenseite donnert der weiße Überdruckdampf aus einem riesigen Rohr in den Himmel. Wir stellen die Hanos direkt davor. Aus der Dampfwolke fällt dicker Regen aus und das Fahrzeug wird in kürzester Zeit sauber gewaschen. 

Auf der Ringstrasse erreicht man den Godafoss, der wie üblich am Nachmittag das Licht von der falschen Seite hat und schließlich Akureyri East Beach. Lutz hat dort den Kühler bereits gewechselt und Denis zerlegt noch kurz die Kolben der vorderen, linken Bremse. Ebbe und Flut wechseln sich ab, während wir im Hanomag als Geduldsspiel das Zerschneiden einer Williamsbirne mit einem Draht in der Flasche üben.

     23. August 2002

Am Fjord in Akureyri hat es über 20°C und Denis und ich brechen auf in das ewig lange Eyjafjardardalur. Anfänglich ist es sehr breit und intensiv bewirtschaftet. Gegen Ende ist es unbewohnt und recht eng. Ständig folgen wir einem Fluss, der unendlich viele Zuläufe von den örtlichen Bergen hat. An manchen Stellen ist das Tal so eng, daß Fluss und Strasse sich vereinigen. Der letzte Anstieg in geräumten Steinfeldern erfolgt in mehreren Serpentinen auf über 900 m Höhe. 

Der Wind wird auf der Hochebene noch stärker empfunden und in der schwarzen Sandwüste tanzen ständig kleine Sandstürme umher. Vier Kilometer nach einer letzten Großkreuzung erreicht man das grüne Laugafell auf nunmehr ca. 740 m Höhe. Auch hier bläst der Wind fast in Sturmstärke. 

Als die ganze Mannschaft wieder eingetroffen ist, bezahlen wir 550 IKR und baden in dem aufgestauten, kleinen Natursteinbecken. Das Wasser ist noch immer nur mittelmäßig warm und der glitschige Boden ist stark bemoost.
     24. August 2002

Unter dem Staunen der weiteren Anwesenden verlassen wir im Formationsflug mit fünf Hanomags Laugafell. Auf Hochlandwüstenpiste, durch kleinere als Furten gekennzeichnete Flüsse und an einigen Seen entlang erreicht man die Piste zur Hofsjökull Nordumrundung. Nach den schwanenbesetzten Asbjarnarvötn und einem kleinen Lavafeld kommt man zur letzten Hütte Ingolfsskali. Mehrere Wege führen hier direkt an den Fluss und einer zweigt etwas nach links ab. Diesem folgen wir zuerst. Er führt schließlich an einen breitgefächerten Gletscherfluss. Die letzten Wegmarkierungen stehen in dem recht reißend aussehenden Wasser direkt vor dem Gletscher- also zurück. 

An der Hütte regnet es natürlich und Lutz macht einen ersten Versuch zur Flussquerung. Die Schnauze taucht tief ab und Wasser entert das Fahrerhaus. Nun mag Lutz nicht mehr und er fährt rückwärts wieder raus aus dem Fluss. Ich versuche, um eine seichte Stelle zu finden, einen etwas steileren Weg zur Fließrichtung. Da mehrere Hanos keine hochgelegte Luftansaugung haben, sollte bei dieser Erkundungsfahrt das Wasser nicht höher als bis zur Stoßstange reichen. Alle Varianten, die ich probiere und auch fahren würde, erscheinen für die anderen Fahrzeuge zu tief.

Schließlich treten wir den kompletten Rückzug an, um in den letzten Tagen den Konvoi nicht zu sprengen. 

Wir ziehen alternativ auf der 752 nach Nordwesten. Am Ende steigt man in Serpentinen hinab ins Vesturdalur. In der Zivilisation bleiben wir schließlich am Wegesrand in einer Art Sandgrube stehen. Auf daß es uns am Samstagabend nicht langweilig wird, werden erneut Hanomag Reparaturkurse angeboten. Lutz macht heute in Hauptbremszylinder und Auspuff und ich etwas in Elektrik des linken Rücklichtes. Zum Abschluß wird gegrillt und ein kleiner Rest Sangria mit Polarlichtern vernichtet.
     25. August 2002

Die restlichen Kilometer im Vesturdalur sind schnell zurückgelegt und so stehen wir mal wieder zum Nachladen an der Tankstelle in Varmahlid. Nach einigem auf und ab auf der Ringstrasse biegen wir endlich ab auf die Kjölur Piste. Am Kraftwerk vorbei passiert man auch die fast in einer Reihe liegenden diversen Stauseen. 

Viele Wetter hat es mal wieder am Himmel und deshalb entsteht auch ein sehr flacher, farbintensiver Regenbogen direkt über dem Hanomag. Gegen 13.30 Uhr erreichen wir Hveravellir. Die Sonne scheint und es lohnt sich ein Gang über die Solfatarenfelder. Anschließend ist der Pool fast leer- nur noch Hanofahrer sind drin. So beginne ich eine fast sechsstündige Marathonsitzung im heißen Wasser. Die Badegäste wechseln, aber ich bleibe bis mir fast Schwimmhäute wachsen. Der Nachschub des "Poolservice" mit Flüssigem klappt auch einigermaßen und so vergeht die Zeit im Flug.

Hanomag unter dem Regenbogen

Hanomag under the rainbow

     26. August 2002

Ein kurzer Gang über das Solfatarenfeld mit tiefstehender Sonne und dann geht´s los. Schon bald nach der Abfahrt fängt es an zu regnen. Die Piste ist schlaglochübersät und hat viel Wellblech. Die Löcher füllen sich mehr und mehr mit Wasser und zusätzlich läuft die braune Brühe auf der Piste entlang und bildet bereits kleine Tümpel. 

Denis weicht einem Schlagloch aus und gerät auf den durchgeweichten Seitenrand. Dieser bricht ab und er hängt kurz vor dem Umfallen in der Böschung. Problemlos zieht ihn Pit rückwärts auf die Piste zurück. 

Ich nehme unterwegs zwei Radler aus Sachsen mit, die mit vollem "Gerödel" im Dauerregen am Strassenrand stehen. Am Geysir gruppiert sich alles um denselben herum- aber es bricht immer nur der kleinere Strokkur aus. Auf was die wohl alle an der falschen Stelle warten?

Die 30 trifft auf die Ringstrasse und dort fahren wir bis zum Seljalandsfoss. Ein klein wenig Sonne reicht aus für zwei Bilder mit Regenbogen. In der Nacht wird der Wasserfall von zwei Scheinwerfern angeleuchtet und er steht künstlerisch in dem fahlen Licht. 

     27. August 2002
Alles fährt in die Thorsmörk- ich aber langsam zurück in Richtung Endziel Reykjavik. In Selfoss bleibe ich auf der Strasse nach Eyrarbakki und dort stelle ich mich in die Sanddünen kurz hinter den Strand. Es riecht streng nach Fisch. Die 38/39 führt nur sehr flach über den Berg und schließlich kommt man wieder auf die Ringstrasse nach Reykjavik. Auf dem Campsite ist kaum Betrieb. Für je 700 IKR miete ich mich für zwei Tage ein. Kurz darauf kommt auch Markus und am Abend die restlichen vier Hanomags.
     28. August 2002

Mit öffentlichem Bus und teilweise mit Hanomag machen wir uns auf in die Stadt. Leider regnet es etwas. Am Ende der Hauptstrasse ist ein neues Internetcafe und ich nehme Kontakt zur restlichen Welt auf. 

Nach einigem auf und ab in der Stadt treffen wir uns alle wieder und gehen ins "Pimmelmuseum". Von "Schwanz" bis "Schwänzchen" diverser Tiergattungen ist hier sauer eingelegt einiges zu bewundern. 

Danach fahre ich wieder zurück auf den Campingplatz und schaue dem Treiben- sprich dem Aufbau vieler Zelte im Regen zu. Der letzte Abend vor Dubliner beginnt mit einer Stehparty hinter den Hanomags. Gegen 20.30 Uhr kommt auch Gulli nochmals vorbei und wir unterhalten uns über die Ereignisse seit wir uns das letzte Mal gesehen haben.

Beim nächsten Tagesordnungspunkt- Vernichten der Restalkoholbestände- wird teilweise kläglich versagt und es muß fast noch Stoff nach Deutschland zurückgebracht werden.

Kurz nach Mitternacht ist Ruhe und ich liege bereits in den Federn, als ich nochmals aufstehe um wirklich herrliche Polarlichter direkt über dem Campingplatz zu gucken. Nach vielen "ooooohs" und "aaaaahs" steht ein Großteil der Campingplatzbesucher im Freien und starrt gen Himmel.

     29. / 30. August 2002

Das Fahrzeug wird reisefertig gemacht und das Notwendigste in den Rucksack verpackt. Nach dem Auffüllen der Tanks geben wir wiederum am Tor 3 ohne große Formalitäten die Fahrzeuge zur Heimverschiffung ab. Mit dem letzten verbleibenden Hano und einem Robur fahren wir nochmals in die Stadt und begeben uns auf direktem Weg in den Dubliner. Der Spätnachmittagsbetrieb hält sich in Grenzen. Einige Murphys später stehen wir an der Bushaltestelle und warten. Ein aufgemotzter Japaner mit isländischer Besatzung prescht heran und legt an der Kreuzung mit sekundenlang durchdrehenden Hinterreifen einen Burnout erster Klasse hin. Rauch steigt auf und unter unserem Jubel zieht er eine 30 m lange Gummispur auf den Asphalt. 

Der Flybus bringt uns zum Flughafen nach Keflavik und gegen 1 Uhr morgens fliegen wir pünktlich ab in Richtung Heimat............
 

24.12.2003